Gebrauchte Software

Echte Schätzchen aus zweiter Hand

02.05.2005

Axel Fischer ist das Geschäft mit Gebraucht-Software noch zu unsicher. Der Lizenzmanager der Bayer Business Services verantwortet im Konzern sämtliche Lizenzen, die mehr als eine Bayer-Gesellschaft nutzen. "Software ist nicht wie eine Tasse, die ich kaufen und nach Belieben nutzen kann", sagt Fischer, "da hängen sehr unterschiedliche Nutzungsbedingungen dran, die sich selbst bei gleichen Softwareherstellern je nach Produkt und Kaufdatum erheblich unterscheiden können." Fischer selbst hat die Übertragung von Lizenzen bei der Abspaltung der Chemiesparte im Konzern kennen gelernt: Übertragbar waren Nutzungsrechte, nicht die ursprünglich geltenden Nutzungsbedingungen. Viele der übertragenen Lizenzen wurden nicht nur mit neuen Wartungskosten, sondern auch mit anderen Nutzungsbedingungen versehen, mit denen der Käufer wenig anfangen kann - etwa der Beschränkung auf den Einsatz der Software auf Firmen bestimmter Beteiligungsgrade, Länder oder Einsatzzwecke. Vergleichbar sei dies mit dem Kauf eines Fahrzeugs, in dem der neue Besitzer nur Familienmitglieder mitnehmen oder nur auf Bundesstraßen fahren dürfe.

Übertragbare Rechte und Bedingungen nötig

Fischers Forderung an den Softwarehersteller lautet: den Lizenzvertrag mit übertragbaren verbindlichen Lizenzrechten und -bedingungen verknüpfen. Das wesentliche Geschäft für Fischer in Bezug auf gebrauchte Programme derzeit: "Ungenutzte Software wieder auf den Markt bringen" - und damit als Anbieter gegenüber Susen, Lynen und Schneider auftreten.

Wer gebrauchte SAP-Lizenzen kaufen will, muss damit rechnen, dass er Wartungskosten für die Zeit nachzahlen muss, in der die Software brachlag - ein Szenario, das gerade für Unternehmen, die in Insolvenz gegangen sind, nicht unüblich ist. SAP und auch Navision sehen sich derzeit rechtlich auf der sicheren Seite, wenn sie ihre Kunden auffordern, die Wartung für diese Zeit rückwirkend zu zahlen. Susensoftware-Chef Susen bekommt dies zu spüren: "Ich bekomme ein Softwarepaket, das einmal 500 000 Euro gekostet hat, nicht mal für 10 000 Euro verkauft." Als der Händler kürzlich mit SAP und dem Kunden über ein Softwarepaket verhandelte, offerierte SAP dem Gebrauchsoftware-Spezialisten das Angebot, die Software zurückzukaufen. "Und SAP übernahm die Regie", so Susen.

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