Doch alles dreht sich um Osterloh

Ermittlungen gegen VW-Manager

13.05.2017

Sinngemäß heißt es im Gesetz, dass Betriebsratsmitglieder nicht weniger verdienen dürfen als vergleichbare Mitarbeiter mit einer für den Betrieb üblichen Entwicklung. Osterloh ist seit mehr als zehn Jahren Betriebsratschef des Konzerns. Als er 2005 anfing, bekam er rund 6500 Euro pro Monat, nun ist es deutlich mehr.

Volkswagen kommt nicht zur Ruhe

Für VW kommen die am Freitag publik gewordenen Ermittlungen, die anscheinend schon seit Monaten laufen, einmal mehr zur Unzeit. Gerade schien sich der Autobauer nach dem Diesel-Skandal wieder freizuschwimmen, die jüngsten Quartalszahlen waren positiv, Millionen manipulierter Dieselfahrzeuge sind bereits umgerüstet, in vielen Fällen vor allem in den USA hat sich das Unternehmen auf milliardenschwere Schadenersatzzahlungen geeinigt. Nun steht ausgerechnet der Vertreter der Belegschaft im Zentrum der Aufregung, der sich öffentlichkeitswirksam dafür stark gemacht hatte, dass der Skandal die Beschäftigten selbst möglichst wenig trifft und sich dafür auch mit VW-Markenchef Herbert Diess angelegt hatte.

Die große Bedeutung des VW-Betriebsrats ist historisch gewachsen. Die Keimzelle des Konzerns in Wolfsburg entstand unter den Nazis mit enteignetem Gewerkschaftsvermögen. Daher sah die Arbeitnehmerseite in VW stets einen Sonderfall. Das VW-Gesetz und die VW-Satzung räumen ihr eine für börsennotierte Konzerne einmalige Gestaltungsmacht ein. Ohne ihre Zustimmung gibt es zum Beispiel kein neues Werk oder Verlagerungen.

Entsprechend viel lag der Konzernführung in der Vergangenheit an einem Betriebsrat, der bei Laune gehalten wurde. Die Folge war das "System VW" und damit die aufsehenerregende Affäre 2005 um geheime Boni, Schmiergelder und Lustreisen auf Firmenkosten.

Osterlohs Vorgänger Klaus Volkert musste deswegen in Haft, der damalige Personalvorstand Peter Hartz und VW-Personalmanager Klaus-Joachim Gebauer erhielten Bewährungsstrafen. Der Konzern ist seither transparenter geworden - auch wegen Osterloh, dessen Arbeit vom aktuellen VW-Chef Matthias Müller geschätzt wird: "Bernd Osterloh kennt den Konzern wie kein Zweiter", sagte der einst und lobte die "Leidenschaft", mit der sich der bekennende Anhänger von Bundesliga-Aspirant Eintracht Braunschweig nicht nur am Standort Wolfsburg für die Belegschaft einsetze.

Der Unterstützung des Konzerns kann sich Osterloh, Mitglied im erlauchten Präsidium des Aufsichtsrats, auch jetzt sicher sein. Ganz direkt loben die Kontrolleure seine Arbeit, er übernehme seit "vielen Jahren in herausragender Weise Verantwortung für die Belegschaften" im Konzern. "Insofern bedauert der Aufsichtsrat, dass seine Person in diesem Zusammenhang Gegenstand der Diskussion ist." (dpa/rs)

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