Tech-Rezession

Big Tech baut Personal ab

23.11.2022
Von Redaktion Computerwoche
Die großen Technologiekonzerne schalten in ihrer Einstellungspolitik einen Gang zurück, viele bauen sogar Personal ab. Die Rezession ist da (letztes Update am 23. November 2022).
Die Rezession macht auch vor dem Tech-Sektor nicht halt.
Die Rezession macht auch vor dem Tech-Sektor nicht halt.
Foto: Lee Charlie - shutterstock.com

Wer wissen will, ob und und in welchem Ausmaß Tech-Unternehmen angesichts der unsicheren Wirtschaftslage Personal abbauen, kann sich auf Seiten wie layoffs.fyi oder TrueUp einen Überblick verschaffen. Diese Tracker von Arbeitsmarktzahlen zeichnen ein eher düsteres Bild. Layoffs spricht im Jahr 2022 von 137.000 abgebauten Tech-Arbeitsplätzen in 849 Technologieunternehmen (Stand: 21. November 2022). TrueUp sieht einen Peak im November: Bislang sollen in diesem Monat bereits 49.700 Beschäftigte entlassen worden sein. Im Oktober seien es 23.000 gewesen - Tendenz stark steigend also. Aktuell prägen Personalabbau-Maßnahmen bei Meta, AmazonAmazon und TwitterTwitter die Statistik. Die Dunkelziffer soll noch viel höher sein. Alles zu Amazon auf CIO.de Alles zu Twitter auf CIO.de

Viele Unternehmen haben sich angesichts der Wirtschaftskrise und der sinkenden Erlöse im oft wichtigen Werbegeschäft einen "Hiring Freeze" verordnet. Nicht wenige Betriebe nutzen die Situation, um die Under-Performer in der Belegschaft loszuwerden und später dann neue Talente einzustellen. Die nächsten Wochen dürften diesen Trend verstärken.

Der Personalbbau bei den großen Technologiekonzernen nimmt kräftig Fahrt auf.
Der Personalbbau bei den großen Technologiekonzernen nimmt kräftig Fahrt auf.
Foto: TrueUp.io

Folgende Unternehmen haben Einstellungsstopps oder Entlassungen angekündigt (kein Anspruch auf Vollständigkeit):

Amazon.com

Amazon entlässt rund 10.000 seiner weltweit 1,5 Millionen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Dabei sollen auch Positionen im Technologie- und Corporate-Bereich zur Disposition stehen, wie die New York Times am 14. November unter Berufung auf einen Insider berichtet. Die Mitarbeiterzahl sei schon zwischen dem ersten und zweiten Quartal 2022 um 99.000 gesunken, schrieb GeekWire mit Bezug auf Amazons eigenen Erklärungen zu den Geschäftszahlen des 2. Quartals 2022.

Erst Anfang November 2022 hatte AmazonAmazon seine Angestellten in einer Mitteilung über einen Einstellungsstopp für alle Unternehmenspositionen informiert: "Wir sehen uns mit einem ungewöhnlichen makroökonomischen Umfeld konfrontiert und wollen unserer Personal- und Investitionsentscheidungen mit Rücksicht darauf ausrichten", schrieb Beth Galetti, Senior Vice President of People Experience and Technology, bei Amazon. Alles zu Amazon auf CIO.de

Apple

Apple-Chef Tim Cook hat angekündigt, bei Neueinstellungen auf die Bremse zu treten und größte Vorsicht walten zu lassen. Das Unternehmen beschäftigt derzeit 164.000 Vollzeitbeschäftigte. Wie der Nachrichtendienst Bloomberg berichtete, hat Apple zudem seine Personalplanung für das kommende Jahr angepasst. Einige Unternehmensbereiche sollen keine zusätzlichen Mitarbeiter einstellen, außerdem sollen manche freiwerdende Positionen nicht neu besetzt werden. Offizielles lässt der Konzern dazu allerdings nicht verlauten.

Tim Cook will viel vorsichtiger einstellen, plant aber momentan keine Entlassungen.
Tim Cook will viel vorsichtiger einstellen, plant aber momentan keine Entlassungen.
Foto: Laura Hutton - shutterstock.com

Asana

Der Anbieter einer Plattform für das Arbeits- und Projektmanagement kündigte Mitte November an, neun Prozent seiner mehr als 1.600 Mitarbeiter zu entlassen. Der Personalabbau sei Teil einer Restrukturierungsmaßnahme, in der es darum gehe, die Kostenstrukturen zu verbessern, teilte das Unternehmen mit. Im vergangenen Quartal hatte Asana zwar ein kräftiges Wachstum von 51 Prozent verkündet, doch der Nettoverlust von 62,6 Millionen Dollar schmälerte die Bilanz.

Cisco

Im Rahmen einer Restrukturierung will Netzausrüster Cisco 4.100 von insgesamt 83.300 Mitarbeitern den Laufpass geben (fünf Prozent). Einem Bericht von Fierce Telecom (17. November 2022) zufolge soll auch der Bestand an Bürogebäuden und Immobilien reduziert werden, da die Auslastung im Zuge des Hybrid-Work-Trends nicht mehr zu 100 Prozent gegeben sei. Im laufenden Quartal will Cisco dem Bericht zufolge 600 Millionen Dollar ausgeben, um die anstehenden Anpassungen vorzunehmen.

Ein Unternehmenssprecher sagte allerdings, dass Cisco auch Personal einstellen werde und zum Ende des Quartals vielleicht sogar genauso viele Beschäftigte auf der Payroll haben werde wie bisher. Es gehe um die Besetzung neuer Rollen im Rahmen einer umfassenden Restrukturierung. Cisco wolle seine Ressourcen hinter den strategisch wichtigen Themen Enterprise Networking, Plattformen, Security und Cloud bündeln. "Die Entscheidung ist uns nicht leicht gefallen", so der Sprecher, die Betroffenen erhielten großzügige Abfindungspakete und würden bei der Arbeitsplatzsuche unterstützt.

Coinbase

Rund 1.100 Mitarbeiter - 18 Prozent der Belegschaft - hat die Kryptowährungs-Börse Coinbase im Juni entlassen. Vor wenigen Tagen wurden noch einmal 60 weitere Beschäftigte freigestellt. Als Gründe nannte CEO und Mitgründer Brian Armstrong die Rezession und den andauernden "Kryptowinter", in dem die Anleger immer weniger in Bitcoin & Co. investierten. Coinbase lebt vom Handel mit Kryptowährungen und verdient an den Transaktionen.

Die betroffenen Mitarbeiter wurden sehr kurzfristig von allen Systemen abgeklemmt und entlassen, was Unruhe im Unternehmen auslöste. Da sie Zugriff auf vertrauliche Kundendaten gehabt hätten, sei es nicht anders möglich gewesen, so Armstrong. Angesichts der skandalumwitterten Pleite der Krypto-Börse FTX stellen sich Beobachter inzwischen grundsätzlich die Frage, was aus Coinbase wird. Befürchtet wird ein langer Krypto-Winter, in dem Anleger ihre Gelder von den Kryto-Börsen abziehen könnten.

DocuSign

Nur eine Woche, nachdem der E-Signatur-Marktführer DocuSign seinen neuen CEO Allan Thygesen eingesetzt hatte, gab das Unternehmen bekannt, neun Prozent der Arbeitsplätze abzubauen. Man hoffe so, die eigenen Wachstums- und Profitabilitätsziele besser zu erreichen, lautete die Begründung. Zu Jahresbeginn zählte DocuSign noch 7.651 Beschäftigte, es müssen also rund 670 Angestellte gehen. Der US-Börsenaufsicht SEC zufolge muss DocuSign dafür zwischen 30 und 40 Millionen Dollar aufwenden.

F5

Der Spezialist für Anwendungssicherheit und -Delivery F5 hat seine 6.900 Mitarbeiter starke Belegschaft um 100 Personen geschrumpft. Auch hier wird das makroökonomische Umfeld als Grund für "interne Veränderungen" angegeben. Im Juli hatte F5 allerdings um vier Prozent gestiegene Quartalseinnahmen von 674 Millionen Dollar gemeldet - bei einem Gewinn von 2,57 Dollar je Aktie.

Facebook/Meta

Meta, der Mutterkonzern von Facebook, Instagram und WhatsApp, trennt sich von 11.000 Beschäftigten (13 Prozent der Belegschaft) und stellt vorerst kein neues Personal mehr ein. Betroffen sind alle Unternehmensbereiche und Regionen weltweit - die einen mehr, die anderen weniger. Laut New York Times sollen der Personalbereich und einige Business-Teams stärker in Mitleidenschaft gezogen werden als die technischen Abteilungen. Laut einem aktuellen BBC-Bericht hat Meta in den ersten neun Monaten des Jahres 2022 sogar bereits 15.000 Jobs gestrichen.

Meta, das an der Börse in der Vergangenheit zeitweilig mit über einer Billion Dollar bewertet worden war, leidet unter zahlreichen Skandalen in der Vergangenheit, der starken Konkurrenz durch TikTok und der weltweiten Wirtschaftskrise, die zu sinkenden Werbeeinnahmen geführt hat. Im vergangenen Monat legte das Unternehmen eine schwache Quartalsbilanz vor: Bei rückläufigem Umsatz brach der Profit um 50 Prozent ein. Der Wert der Aktie ging im Jahresverlauf um 70 Prozent zurück.

Mark Zuckerberg trennt sich von 11.000 Beschäftigten - obwohl er eigentlich jede helfende Hand für den Aufbau des Metaverse bräuchte.
Mark Zuckerberg trennt sich von 11.000 Beschäftigten - obwohl er eigentlich jede helfende Hand für den Aufbau des Metaverse bräuchte.
Foto: Elms Art - shutterstock.com

Google

Das Google-Management steht unter Druck: Investor Christopher Hohn, Gründer des Hedge Fund TCI, hat Sundar Pichai, CEO von Alphabet und GoogleGoogle, in einem Schreiben aufgefordert, die Kosten zu senken. Google beschäftige zu viele überbezahlte Menschen, die Personalkosten seien - gemessen an der gegenwärtigen Performance des Unternehmens - viel zu hoch. TCI hält Aktien im Wert von rund sechs Milliarden Dollar. Alles zu Google auf CIO.de

Alphabet beschäftigt derzeit rund 187.000 Mitarbeiter, doppelt so viele wie 2017. Hohn kritisierte das "exzessive" Personalwachstum von jährlich 20 Prozent. Man habe sich mit ehemaligen Managern von Alphabet unterhalten und wisse daher, dass die Geschäfte wesentlich effektiver mit weniger engagierten Beschäftigten betrieben werden könnten.

Zudem gehöre Alphabet zu den Unternehmen im Silicion Valley, die die höchsten Gehälter bezahlten. 2021 habe ein typischer Mitarbeiter laut US-Börsenaufsicht im Durchschnitt 295.884 Dollar pro Jahr verdient. Das liege um 67 Prozent über dem mittleren Einkommen eines Microsoft-Angestellten und sogar um 153 Prozent über dem Durchschnittseinkommen der 20 größten US-Technologieunternehmen. Angesichts der Kritik fürchten nun viele Google-Angestellte, dass eine größere Entlassungswelle anstehen könnte.

HP Inc.

Rund 4.000 bis 6.000 Beschäftigte will die weltweite Nummer zwei im PC-Markt, HP Inc.HP Inc., loswerden - maximal zehn Prozent der 61.000 Mitarbeiter starken Belegschaft. Nach einem Umsatzeinbruch um 11,2 Prozent im vierten Geschäftsquartal 2022 teilte das Unternehmen am 22. November mit, man erwarte eine anhaltende Geschäftsflaute bis weit in das neue Jahr hinein. Vor allem das Consumer-Business macht HP zu schaffen, dort brachen die Erlöse um fast 30 Prozent ein (mehr dazu lesen Sie hier). Alles zu HP auf CIO.de

Intel

Bei Intel stehen angesichts der anhaltenden Schwäche im PC-Markt offenbar Entlassungen kurz bevor. Zurzeit ist die Zahl der Betroffenen allerdings nicht bekannt, ebenso wenig, in welchen Unternehmensbereichen CEO Pat Gelsinger auf seinem Sanierungskurs die Axt ansetzen wird. Der zu IntelIntel gehörende israelische Entwickler von KI-Chips Habana Labs, der zuletzt stark gewachsen war, hat bereits angekündigt, rund zehn Prozent der mehr als 900 Beschäftigten zu feuern. Alles zu Intel auf CIO.de

Klarna

"Buy now pay later" - das ist das Motto des schwedischen Startups Klarna, das nach stürmischem Wachstum in Turbulenzen geriet. Mitgründer und Unternehmenschef Sebastian Siemiatkowski teilte bereits im Mai mit, mehr als zehn Prozent der rund 7.000 Mitarbeiter starken Belegschaft entlassen zu müssen, darunter einige, die erst seit ein paar Wochen an Bord waren. Als Grund nannte er die inflationsbedingte Wirtschaftskrise, die zu Kaufzurückhaltung bei den Kunden geführt habe.

Umstritten war die Maßnahme, eine Liste mit 560 Mitarbeitenden auf LinkedIn zu veröffentlichen, in der Hoffnung, diesen Beschäftigten schnell zu einem neuen Job zu verhelfen. Der Vorgang löste eine heftige Debatte im Social Network aus. Auch die Tatsache, dass Klarna seinen Beschäftigten in den USA teilweise doppelt so hohe Gehälter zahlt wie in anderen Ländern, ist Gegenstand der Diskussionen.

Malwarebytes

Auch vor der Cybersecurity-Branche macht die Krise nicht Halt: Marcin Kleczynski, CEO und Gründer von Malwarebytes kündigte im August 2022 eine "strategische Reorganisation" an, in deren Rahmen 125 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter (14 Prozent der Belegschaft) über alle Abteilungen hinweg gehen musste.

Malwarebytes sei in einer stabilen finanziellen Situation, hieß es, die Entscheidung sei nicht aufgrund von kurzfristigem Druck, sondern im Sinne einer langfristigen strategischen Planung gefallen. Man wolle künftig vor allem kleine und mittlere Betriebe adressieren und dazu verstärkt mit Partnern zusammenarbeiten.

Microsoft

Ungefähr ein Prozent der rund 180.000 Mitarbeiter starken Belegschaft bei Microsoft soll gehen. Die Auswahl erfolgt über alle Niederlassungen und Produktdivisionen hinweg. "Wie alle Unternehmen evaluieren wir regelmäßig unsere Geschäftsprioritäten und nehmen vorsichtig strategische Anpassungen vor", teilte das weltgrößte Softwarehaus der Nachrichtenagentur Bloomberg mit. Mitte Oktober mussten bereits 1.000 Beschäftigte ihren Hut nehmen.

MicrosoftMicrosoft zollt insbesondere der zuletzt schwachen Entwicklung im PC-Markt Tribut. Für das letzte Jahresviertel 2023 warnte CEO Satya Nadella vor einem verlangsamten Wachstum, der Umsatz werde mit 52 bis 53 Milliarden unter den Schätzungen der Finanzanalysten an der Wallstreet (56 Milliarden Dollar) liegen. Alles zu Microsoft auf CIO.de

Im dritten Quartal 2022 ist der weltweite PC-Markt um fast 20 Prozent eingebrochen. Alle Hersteller mussten kräftig Federn lassen.
Im dritten Quartal 2022 ist der weltweite PC-Markt um fast 20 Prozent eingebrochen. Alle Hersteller mussten kräftig Federn lassen.
Foto: Gartner

Nutanix

Bereits im August kündigte Nutanix an 270 Beschäftigte (vier Prozent) zu entlassen, um profitables Wachstum sicherzustellen. Drei Monate zuvor hatte das Unternehmen aus dem kalifornischen San José vor Störungen in den weltweiten Lieferketten gewarnt. Die Geschäftszahlen gaben im Sommer allerdings keinen Grund für die Maßnahmen: Das Unternehmen hatte im Mai ein 17-Prozent-Wachstum für sein drittes Fiskalquartal berichtet, aufgrund der Supply-Chain-Verzögerungen aber vor aufkommenden Problemen gewarnt.

Nvidia

Von einem "Hiring Freeze" will Nvidia-Boss Jensen Huang zwar nichts wissen, wohl aber von einer "Einstellungspause". Man wolle das Tempo drosseln und sich nun die Zeit nehmen, die Tausenden von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die in den vergangenen Monaten eingestellt worden seien, vernünftig einzuarbeiten, hieß es in einer internen Mail.

Nvidia hatte im dritten November für sein drittes Fiskalquartal einen Umsatzeinbruch gegenüber dem Vorjahr von 17 Prozent auf 5,93 Milliarden Dollar gemeldet. Ursache war ein heftiger Einbruch im Geschäft mit Grafikkarten für die Gaming-Industrie. Analysten und Investoren beobachten das Unternehmen genauer als andere, weil es Chips und Software nicht nur an die PC-Hersteller und Cloud-Anbieter, sondern auch an Autohersteller und andere Branchen liefert. Nvidia-Zahlen sind damit ein Indikator für den Zustand wichtiger Wirtschaftszweige.

Oracle

Wie Reuters berichtete hat Oracle Anfang August 2022 mit Stellenstreichungen in den USA begonnen. Im Juli hatte The Information geschrieben, OracleOracle erwäge die Streichung von Tausenden von Stellen in Europa und den USA. Das weltweit zweitgrößte Softwarehaus wolle insgesamt Einsparungen in Höhe von einer Milliarde Dollar erzielen. Alles zu Oracle auf CIO.de

Die Maßnahme habe nichts mit der wirtschaftlichen Entwicklung zu tun, die weiter erfreulich verlaufe. Sie sei vielmehr Folge der Übernahme des auf das Gesundheitswesen spezialisierten Unternehmens Cerner, die Oracle rund 28 Milliarden Dollar kostet und die Belegschaft um 28.000 Personen erweitert. Im August wurden die ersten Kündigungen in San Francisco ausgesprochen, auch in Kanada, Indien und Teilen von Europa werde der Arbeitsplatzabbau vorangetrieben.

Der jüngsten Meldung zufolge (Stand: 14. Oktober) mussten 201 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Headquarter in Redwood Shores gehen, darunter auch Data Scientists, Entwickler und Marketing-Professionals.

Nach der milliardenschweren Cerner-Übernahme baut Oracle-Chefin Safra Catz redundante Positionen in der Belegschaft ab.
Nach der milliardenschweren Cerner-Übernahme baut Oracle-Chefin Safra Catz redundante Positionen in der Belegschaft ab.
Foto: drserg - shutterstock.com

Salesforce

950 von insgesamt 73.000 Jobs streicht Salesforce. Die Geschäfte des erfolgsverwöhnten SaaS-CRM-Pioniers laufen in der Krise nicht mehr so rund wie noch vor einigen Monaten. Deshalb muss Salesforce sparen, wie das Unternehmen am 9. November ausführte. Dabei ließen sich die schnellsten Effekte mit Entlassungen erzielen.

Im Oktober war der Hedgefonds Starboard Value mit einem "erheblichen Investment" bei Salesforce eingestiegen und hatte gleich einmal auf höhere Profitmargen gedrängt. Ende August hatte der Anbieter zudem seine Prognose für das laufende Fiskaljahr 2023 senken müssen. Statt dem bisher erwarteten Umsatz von 31,8 Milliarden Dollar rechnet der Cloud-Spezialist nun mit Einnahmen von knapp 31 Milliarden Dollar. Das Management machte auch den starken Dollar verantwortlich, er mache Geschäfte außerhalb der Vereinigten Staaten schwieriger.

SAP

Einem Bericht der Rhein-Neckar-Zeitung (RNZ) vom 12. Juli 2022 zufolge hat SAP einen Einstellungsstopp verhängt. Mit den Sparmaßnahmen reagiere man auf die wirtschaftlichen Herausforderungen, hieß es. In Reihen der Belegschaft bedauere man den Sparkurs. Die Zeitung zitiert den Vorsitzenden der Arbeitnehmervertretung Eberhard Schick: "Ich kann das in gewisser Weise nachvollziehen." Offenbar wolle es die Konzernführung unbedingt vermeiden, ihre Renditeziele zu verfehlen.

Christian Klein, Vorstansdvorsitzender der SAP, stellt zur Zeit keine Mitarbeiter mehr ein.
Christian Klein, Vorstansdvorsitzender der SAP, stellt zur Zeit keine Mitarbeiter mehr ein.
Foto: SAP

Die Geschäftszahlen für das dritte Quartal 2022 deuten allerdings darauf hin, dass die Walldorfer gut im Plan liegen: Der Umsatz stieg im Jahresvergleich um fünf Prozent auf 7,84 Milliarden Euro, was vor allem dem inzwischen offenbar funktionierenden Schwenk in Richtung Cloud zu verdanken ist. Die Cloud-Erlöse wuchsen um 38 Prozent auf Erlöse von 3,3 Milliarden Dollar. Da aber das Betriebsergebnis währungsbereinigt um acht Prozent auf 2,1 Milliarden Dollar schrumpfte und auch der freie Cashflow zurückging, dürfte SAPSAP - trotz positiver Prognosen für 2023 - erst einmal eine vorsichtige Personalpolitik betreiben. Alles zu SAP auf CIO.de

ServiceNow

Von Entlassungen oder Einstellungsstopp ist beim führenden Anbieter von Digital-Workflow-Tools keine Rede, aber CEO Bill McDermott hat die Märkte in einem Interview mit CNBC verunsichert und die Aktie auf Talfahrt geschickt (minus 13 Prozent am 12. Juli). McDermott sagte: "Wir haben eine Inflation auf einem Rekordniveau seit 41 Jahren. Der Dollar ist auf dem höchsten Stand seit 20 Jahren. Die Zinsen steigen. Die Menschen sorgen sich um ihre Sicherheit. In Europa haben wir einen Krieg. Da ist die Stimmung nicht gerade großartig." Vor allem in Europa werde nun vorsichtiger in IT investiert und man müsse den Kunden genau erklären können, welchen Return on Investment (RoI) sie von ihren Investitionen zu erwarten hätten.

Stripe

Um 14 Prozent oder 1.100 Beschäftigte hat der Online-Payment-Dienst Stripe seine Personaldecke gekürzt. CEO Patrick Collison schrieb den Mitarbeitern in einem Memo, Inflation, höhere Zinsen, der Energieschock und eine spürbare Zurückhaltung von Investoren machten diesen Schritt nötig. 2021 war Stripe das wertvollste Startup in den USA mit einer Bewertung von 95 Milliarden Dollar. Dem Wall Street Journal zufolge taxiert Stripe den eigenen Wert heute mit rund 74 Milliarden Dollar.

Tesla

Der Pionier bei Elektrofahrzeugen hat den Abbau Tausender Stellen weltweit angekündigt, rund 3,5 Prozent der 100.000 Mitarbeiter starken Gesamtbelegschaft sind betroffen. Laut tagesschau.de kommt der deutsche Standort wohl ungeschoren davon. Dort würden weiter Mitarbeitende gesucht, da Tesla möglichen Interessenten nicht genügend Geld zahlen wolle und deshalb kein Personal finde.

Unter anderem hat das Unternehmen sein "Autopilot-Team" in San Mateo und in Buffalo, New York, von 276 auf 81 Mitarbeiter zusammengestrichen. Die verbliebenen Spezialisten für autonomes Fahren sollen nun auf verschiedene Offices verteilt werden. Andrej Karpathy, verantwortlich für künstliche Intelligenz und das Autopilot-Team, hat nach fünf Jahren bei Tesla soeben das Handtuch geworfen.

Twilio

Zwischen 800 und 900 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter müssen Twilio verlassen, einen Spezialisten für Cloud-Kommunikationsservices. Damit werden elf Prozent der rund 7.800 Angestellte umfassenden Belegschaft ihre Plätze räumen. CEO Jeff Lawson schrieb im September im Firmenblog, die Entlassungen seien "richtig und notwendig" nach einem sehr stürmischen Wachstum während der Pandemie und aufgrund von Zukäufen. Betroffen seien neben der Verwaltung auch der Vertrieb und der Forschungs- und Entwicklungsbereich.

Twitter

Mit der Übernahme von Twitter hat der neue Eigentümer Elon Musk gleich einmal die Hälfte der 7.500 Mitarbeiter starken Belegschaft vor die Tür gesetzt. Wie Betroffene erklärten, wurden durch die Stellenstreichungen ganze Teams entkernt, darunter die für Sicherheit und Trust, Politik, Kommunikation, das Kuratieren von Tweets, ethische KI, Datenwissenschaft, Forschung, maschinelles Lernen, soziales Engagement, Barrierefreiheit und bestimmte technische Kernbereiche.

Viele Vorstände und leitende Angestellten verließen das Unternehmen daraufhin freiwillig, oft unter Protest. Der neue Chef rechtfertigte den Stellenabbau in einem Tweet: "Was den Stellenabbau bei Twitter angeht, gibt es leider keine andere Wahl, wenn das Unternehmen über vier Millionen Dollar pro Tag verliert." Der Tweet wurde inzwischen gelöscht. TwitterTwitter soll auch die Zusammenarbeit mit mindestens 4.000 Freiberuflern und Vertragspartnern aufgekündigt haben. Die Betroffenen wurden offenbar nicht benachrichtigt, Twitter habe einfach den Zugang zu E-Mail und den internen Kommunikationssystemen gesperrt, hieß es. Alles zu Twitter auf CIO.de

Uber

Dara Khosrowshahi, CEO von Uber, hat die Beschäftigten in einer E-Mail darüber informiert, dass man das Einstellen von Personal künftig als "Privileg" betrachten werde. Angesichts der "seismischen Verschiebungen" an den Märkten müsse Uber auf die Bremse treten. Khosrowshahi schrieb, er habe bei Investoren-Meetings in New York und Boston deutliche Signale erhalten: Man müsse die Kosten in den Blick nehmen, auch auf der Vorstandsebene. "Wir haben große Fortschritte bei der Profitabilität gemacht und uns für 2024 ein Ziel von fünf Milliarden Dollar beim bereinigten EBITDA-Ergebnis gesetzt. Doch jetzt haben sich die Zielvorgaben geändert. Jetzt geht es um den freien Cashflow."

Zendesk

300 der insgesamt 5.450 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter müssen den CRM-Anbieter Zendesk verlassen, teilte das Unternehmen am 10. November mit. Auch hier geht es darum, die operativen Kosten zu senken und sich auf die Wachstumsfelder zu konzentrieren, hieß es in einer Mitteilung. (hv)

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