CIOs über Web 2.0

Es darf nur nicht Facebook sein

11.02.2010
Von Nicolas Zeitler

Als Herausforderung für Führungskräfte sieht Endres den Umstand, dass bei Web 2.0 Informationen nicht mehr nur über Vorgesetzte ausgetauscht werden. Gleichwohl sieht Jürgen Burger, CIO der Hellmann Worldwide Logistics GmbH & Co. KG, diese nicht an der Hierarchie ausgerichtete Form der Kommunikation positiv. Bei weltweiten Projekten sei es bei Hellmann üblich, ein eigenes Wiki aufzusetzen, zu dem Mitarbeiter Inhalte beisteuern. „Der Weg über die normale Hierarchie würde bei einem Unternehmen wie Hellmann mit Standorten in 140 Ländern, viel länger dauern“, erklärte er.

Keine Angst vor Datenlecks

Jürgen Burger, CIO bei Hellmann Worldwide Logistics.
Jürgen Burger, CIO bei Hellmann Worldwide Logistics.

Große Angst vor Datenlecks habe er nicht, sagte Burger. Transparenz sei ein wichtiges Prinzip bei Hellmann. Natürlich seien davon Personal- und Finanzkennzahlen ausgenommen, „aber wenn Daten über unsere Prozesseffizienz nach außen dringen – wunderbar.“

Auch Markus Bentele bereiten Sicherheitsbedenken keine schlaflosen Nächte. Web 2.0 finde bei Rheinmetall in „einem hochgesicherten Environment“ statt. Ohnehin bleibe Firmen nichts anderes übrig, als Blogs und Wikis einzusetzen. Junge Mitarbeiter seien „kognitiv konditioniert nach diesen Tools“. Sprich: Gibt das Unternehmen ihnen keine Web 2.0-Anwendungen, suchen sie sich andere Plattformen. „Dann sharen die Leute Firmenwissen auf Facebook, und Sie kriegen das gar nicht mit.“

Mitarbeiter für professionellen Umgang schulen

Mit einiger Arbeit verbunden sei es indes, Mitarbeiter für den firmengerechten Umgang mit Programmen zu schulen, die sie aus dem privaten Umfeld kennen, so Bentele, dessen Unternehmen mittels Web 2.0 nach seinen Angaben in den letzten sechs Monaten fast 4000 Web-Konferenzen ausgerichtet hat. „Im Unternehmen ist das Herunterladen eines Bildes plötzlich ein Urheberrechtsverstoß, und wer mit einem südafrikanischem Kollegen einen virtuellen Team-Room eröffnet, verletzt das Außenwirtschaftsgesetz“, verdeutlichte er.

Dass der Umgang mit Web 2.0 Angestellte grundsätzlich zur Zeitverschwendung ermuntere, wollte Thomas Endres nicht bestätigen. Wie auch bei sonstigen Arbeitsformen gelte es, auf verantwortungsvolles Handeln der Mitarbeiter zu vertrauen und im Zweifelsfall als Führungskraft einzugreifen.

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