Künstliche Intelligenz

Europäische Unternehmen hinken bei KI hinterher

Christiane Pütter ist Journalistin aus München. Sie schreibt über IT, Business und Wissenschaft. Zu ihren Auftraggebern zählen neben CIO und Computerwoche mehrere Corporate-Publishing-Magazine, vor allem im Bereich Banken/Versicherungen.
Firmen aus den USA und China sind in Sachen Digitalisierung und künstliche Intelligenz (KI) weiter als die europäische Konkurrenz.
  • Der Umsatz, den der IKT-Sektor (Informations- und Kommunikationstechnologie) rein über digitale Kanäle erzielt, beträgt in den USA 3,3 Prozent, in China 2,1 Prozent und in der EU 1,7 Prozent
  • Die EU kann ihre Wirtschaftsleistung "durch eine konsequente Fokussierung auf Künstliche Intelligenz" bis 2030 um 19 Prozentpunkte steigern

Ein schlechtes Zeugnis stellen die Berater von McKinsey den EU-Staaten aus. Sie hätten den USA und China einen Vorsprung in puncto Digitalisierung gelassen, der sich nun zu einem Vorsprung bei der Nutzung künstlicher Intelligenz (KI)künstlicher Intelligenz (KI) auswachse. Wie die EU an die Weltspitze aufschließen kann, skizziert ein Report, der drei globale Studien zusammenfasst und Angaben von mehr als 20.000 Führungskräften dokumentiert. Alles zu Künstliche Intelligenz auf CIO.de

In der ersten Welle der Digitalisierung sieht McKinsey europäische Unternehmen noch vergleichsweise gut aufgestellt, in der dritten weit weniger.
In der ersten Welle der Digitalisierung sieht McKinsey europäische Unternehmen noch vergleichsweise gut aufgestellt, in der dritten weit weniger.
Foto: McKinsey

McKinsey beginnt mit ein paar Zahlen: Beim Bruttoinlandsprodukt (BIP) übertrifft die EU China knapp. Im Vergleich mit den USA schneidet die EU rund zehn Prozent schlechter ab. Deutliche Unterschiede zeigen sich beim Umsatz, den der IKT-Sektor (Informations- und Kommunikationstechnologie) rein über digitale Kanäle erzielt. Dieser beträgt in den USA 3,3 Prozent, in China 2,1 Prozent und in der EU 1,7 Prozent. Innerhalb Europas sieht McKinsey skandinavische Länder vorn. Deutschland liege im globalen Mittelfeld, so die Analysten.

Die Berater unterteilen die technologische Entwicklung in drei Wellen: Zugang (zu Netz und Mobilität), AnalyticsAnalytics und Artificial IntelligenceArtificial Intelligence (AI). Bei der Nutzung traditioneller Web-Technologien erreicht die EU einen Durchdringungsgrad von 95 Prozent. Allerdings setzen nur 62 Prozent der Unternehmen diese Technologien unternehmensweit ein. Bei Big DataBig Data sinkt dieser Anteil (unternehmensweite Nutzung) auf elf Prozent und bei Smart Robotics auf sechs. Alles zu Analytics auf CIO.de Alles zu Artificial Intelligence auf CIO.de Alles zu Big Data auf CIO.de

McKinsey will das Papier dennoch nicht als Abgesang verstanden wissen. Die EU könne ihre Wirtschaftsleistung "durch eine konsequente Fokussierung auf künstliche Intelligenz" bis 2030 um 19 Prozentpunkte steigern, sagen die Berater voraus. Das entspricht einem Volumen von rund 2,7 Billionen Euro.

Arbeit organisiert sich um drei Job-Rollen

Ein Hebel, um dieses Potenzial zu nutzen, ist die menschliche Arbeitskraft. McKinsey betrachtet die Digitalisierung nicht als Job-Vernichter, sondern als Veränderer. Grob gesagt, werden Job-Funktionen künftig um drei Rollen kreisen:

1. Technologie-Creator und -Lieferanten: Es geht um Menschen, die direkt am Entstehen der Technologie und ihrer Infrastruktur beteiligt sind, etwa um Robot-Designer, Engineers für das Internet of ThingsInternet of Things (IoT) und Software-Entwickler. Die EU verfügt derzeit über einen vergleichsweise kleinen IKT-Sektor und muss diesen ausbauen. Alles zu Internet of Things auf CIO.de

2. Enabler: Diese Mitarbeiter wissen die technologischen Möglichkeiten zu nutzen und steigern beispielsweise als Data-Analysten die Wertschöpfung. In der EU gibt es allerdings zu wenig junge Leute, die sich für eine Ausbildung zu dieser Art entscheiden.

3. Utiliser: Sie sind Nutzer oder Anwender, aber auf einem hohen Niveau. In Deutschland etabliert sich für sie der Begriff "Wissensarbeiter". Utiliser wenden auf ihren jeweiligen Sachgebieten Daten an, neue Aufgaben entstehen beispielsweise rund um juristische Fragen der Daten-Nutzung. McKinsey schätzt den Anteil solcher Utiliser in der EU auf etwa dreizehn Prozent, diese Zahl stagniert seit einigen Jahren. In den USA dagegen stellen die Utiliser siebzehn Prozent der Belegschaft.

Europa darf sich bei KI und Digitalisierung nicht abhängen lassen.
Europa darf sich bei KI und Digitalisierung nicht abhängen lassen.
Foto: NicoElNino - shutterstock.com

McKinsey appelliert an europäische Unternehmen, ihre digitale Transformation zu beschleunigen und KI-Innovationen konsequenter umzusetzen: "Europa muss ein lebendiges Ökosystem aus Deep-Tech- und KI-Startup-Unternehmen aufbauen, die neue KI-basierte Geschäftsmodelle entwickeln."

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