Jobbörsen und mehr Ausbildung

Fachkräftemangel muss nicht sein

05.04.2017
Von Andreas Matthies
Andreas Matthies ist Head of Job Market bei meinestadt.de.
Der Fachkräftemangel ist in vielen Unternehmen hausgemacht. Dabei werden Fehler gemacht, die leicht vermieden werden könnten, wie folgende Tipps zeigen.
  • Unternehmen bilden in den wichtigen Kernberufen selbst zu wenig aus.
  • Die Ansprüche an die Qualifikationen der Bewerber sind oft überzogen hoch.
  • Für das Recruiting hilfreiche Allumni-Netzwerke werden selten aufgebaut und gepflegt.

Passende Mitarbeiter zu finden ist mühsam. Häufig legen sich aber Unternehmen auch noch selbst Steine in den Weg. Der Grund: Sie erzeugen den viel debattierten Fachkräftemangel selbst, weil sie als Arbeitgeber nicht ausreichend sichtbar sind oder Bewerber viel zu lange auf eine Antwort warten lassen. Keine Frage, der "War for Talents" hat die Spielregeln des Arbeitsmarkts nachhaltig verändert. Wer jedoch die neuen Regeln befolgt, findet auch unter diesen Rahmenbedingungen gute Mitarbeiter.

Die Abteilung Human Resources muss vor allem für mehr Sichtbarkeit des Unternehmens sorgen.
Die Abteilung Human Resources muss vor allem für mehr Sichtbarkeit des Unternehmens sorgen.
Foto: one phote - shutterstock.com

Meist wird der demografische Wandel für den Fachkräftemangel verantwortlich gemacht. Das ist aber nur die halbe Wahrheit. Tatsächlich mangelt es vielen Betrieben aus ganz anderen Gründen an Mitarbeitern: Ihnen fehlen Fachkräfte, weil sie

  • in wichtigen Kernberufen zu wenig ausbilden und

  • mit den Qualifikationen der Bewerber nicht zufrieden sind.

Hinzu kommt, dass sich der Arbeitsmarkt unter anderem im Zuge der Digitalisierung in den vergangenen Jahren drastisch gewandelt hat. Wer sich nicht anpasst, bleibt auf der Strecke. Was ist also zu tun, um Fachkräftemangel zu verhindern?

1. Das Unternehmen sichtbar machen

Die meisten Bewerber landen bei den großen und bekannten Unternehmen - auch wenn zu diesen weniger als ein Prozent aller deutschen Unternehmen zählen. Die Ursache: Bewerber kennen die kleineren Unternehmen nicht, weil sie sich nicht sichtbar machen. Es klingt banal, trifft aber den Kern der Sache. Fachkräfte können sich nur bei Firmen bewerben, die sie bei der JobsucheJobsuche finden. Firmen müssen sich deshalb bei potenziellen Mitarbeitern bemerkbar machen und unbedingt für Sichtbarkeit sorgen. Alles zu Jobsuche auf CIO.de

Ihre Meinung ist gefragt!

Heute reicht es längst nicht mehr aus, ein paar wortreiche Standardsätze in eine Stellenanzeige zu schreiben. Unternehmen benötigen ein klares Arbeitgeberprofil, das Jobsuchenden zeigt, was sie alles zu bieten haben. Deshalb müssen Betriebe die Reichweite etablierter Jobbörsen nutzen, um als Arbeitgeber bei Bewerbern anzukommen. Dabei müssen die Online-Aktivitäten natürlich für mobile Geräte optimiert sein, um Interessenten in jeder Nutzungssituation zu erreichen, denn Jobs werden heutzutage meistens auf mobilen Geräten gesucht.

2. Bewerbern auf Augenhöhe begegnen

Unternehmen und ihre Personalabteilungen sollten mit Bewerbern so umgehen, wie sie selbst behandelt werden wollen. Schleppende Rückmeldungen oder unfreundlicher Umgang können schnell zum Bumerang werden. Der Blick in Jobbewertungsportale im Internet spricht hier eine deutliche Sprache: Bewerber fühlen sich schnell nicht wertgeschätzt - und während die Zufriedenen schweigen, nutzen die Unzufriedenen alle Möglichkeiten, ihren Unmut zu äußern.

Es ist daher unbedingt zu vermeiden, Bewerber lange auf eine Antwort warten zu lassen oder nur standardisierte Antworten zu versenden. Kandidaten suchen nämlich schnell woanders ihr Glück. Die qualifiziertesten Fachkräfte haben meist größere Auswahl. Jobsuchende sehen sich in erster Linie nach einem Umfeld um, in dem sie ihre Fähigkeiten voll einsetzen können. Eine kurze Antwort der Personalabteilung per E-Mail mit dem aktuellen Status der Bewerbung ist ein geringer Aufwand, erzielt jedoch große Wirkung beim Bewerber. Statt frustrierend langer Wartezeiten bekommt er ein schnelles und eindeutiges Signal: Herzlich willkommen!

3. Nutzen Sie Ihr Netzwerk

Unternehmen sollten sich ein Netzwerk aufbauen und Kontakt zu früheren Kollegen halten. Auch ehemalige Fachkräfte sind Botschafter der Firma. Fakt ist: Die meisten Jobs werden über "Vitamin B" vermittelt. Persönliche Kontakte sind deshalb bei der Besetzung offener Stellen häufig hilfreich. Laut aktuellen Studien besetzen mittelständische Unternehmen mittlerweile rund die Hälfte ihrer freien Stellen über Kontakte aus ihrem persönlichen Netzwerk. Mitarbeiter sollten deshalb motiviert werden, ihr persönliches Netzwerk aktiv für das Recruiting vakanter Stellen einzusetzen.

Fazit

Unsichtbarkeit, fehlende Augenhöhe in der Kommunikation und eine unzureichende Nutzung existierender Netzwerke sind wesentliche Gründe dafür, dass Unternehmen häufig keine passenden Mitarbeiter finden. Dabei gibt es viele Beispiele von kleinen und mittelständischen Unternehmen, die Fachkräftemangel nicht kennen - weil sie die Spielregeln beherrschen. Wer umdenkt und aktiv wird, findet neue Mitarbeiter.

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Thema: Jobsuche

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Pressesprecher

Klaro, der Author, ist Head of Job Market bei meinestadt.de, meint, die Firmen sollten mehr Anzeigen schalten. Klingt nett, aber mehr Anzeige generiere nicht automatisch mehr Bewerber. Zudem, die Fachkräften in Berufe mit hohem Nachfrage werden zugemüllt mit Anzeigen, Anfragen und Anrufe.
Insgesamt geht dieses Artikel komplett am Titel vorbei. Wenn es nicht genügend Fachkräfte gibt, dann werden Anzeige und schnelle Antworten etc. nicht mehr Fachkräfte produzieren. Ausbildung ja, könnte helfen aber die eine Firma bildet aus und der nächste Firma profitiert davon. Viele Ausgebildete wechseln nach der Ausbildung dann doch mal die Firma. Weil die Kriterien bei der Auswahl einer Ausbildungsfirma vielleicht nicht die gleiche sind als bei der Auswahl einer Arbeitgeber danach. 17 Jährige wissen nämlich häufig noch nicht so gut was die wirklich wollen aber lernen schnell dazu sobald die im Berufsleben angelandet sind.

Arme Computerwoche, sie haben leider keine Journalisten mehr aber eine menge kostenlose Pressesprecher und Marketingmenschen zur Verfügung stehen.

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