IoT-Studie von COMPUTERWOCHE und CIO

Unternehmen gehen optimistisch an IoT heran

Jürgen Mauerer ist Journalist und betreibt ein Redaktionsbüro in München.
Die Mehrheit der Firmen erwartet sich durch IoT positive Impulse für ihr Geschäft. Im Vordergrund stehen dabei die höhere Effizienz bei bestehenden Geschäftsprozessen und Allgemeine Kostensenkungen. Als größte Herausforderung gelten Fachkräftemangel und Sicherheit. Lesen Sie mehr zu den Ergebnissen der IoT-Studie von Computerwoche und CIO im 2. Teil unseres Berichtes.
Unternehmen sehen im IoT grundsätzlich großes Potenzial für ihr Geschäft, so ein Ergebnis der IoT-Studie 2019.
Unternehmen sehen im IoT grundsätzlich großes Potenzial für ihr Geschäft, so ein Ergebnis der IoT-Studie 2019.
Foto: IDG Research

Die Zahl der Unternehmen, die bereits IoT-Projekte realisiert haben, hat sich im Vergleich zum letzten Jahr mehr als verdoppelt. Das ist das zentrale Ergebnis der aktuellen IoT-Studie, die COMPUTERWOCHE und CIO gemeinsam mit den Partnern Telefónica, Alcatel-Lucent, Device Insight, in-integrierte informationssysteme, tresmo und Q-loud realisiert hat.

Dazu wurden 524 Entscheider aus der DACH-Region zu ihren Plänen und Projekten rund um das Internet of ThingsInternet of Things befragt. Während der erste Teil unseres Artikels zu den Ergebnissen der Studie sich mit dem Status quo in deutschen Firmen befasst, stehen im zweiten Teil die Chancen sowie die technischen und organisatorischen Herausforderungen von IoT im Vordergrund. Alles zu Internet of Things auf CIO.de

Kosten senken im Fokus

Unternehmen sehen im IoT grundsätzlich großes Potenzial für ihr Geschäft. Im Vergleich zur letztjährigen Studie verlagern sich aber die Schwerpunkte. Während die Mehrheit der Befragten 2017 den größten Nutzen von IoT eindeutig in der Erschließung neuer Services/Geschäftschancen sowie zufriedenen Kunden sah, rücken 2018 (wie schon in der ersten Studie 2016) wieder mehr die höhere Effizienz bei bestehenden Geschäftsprozessen und Allgemeine Kostensenkungen in den Vordergrund.

30 Prozent der Firmen wollen mit Hilfe von IoT ihre allgemeinen Kosten senken. Damit lösen Spar-Motive den letztjährigen Spitzenreiter "Neue Service-Angebote" ab, der in der aktuellen Studie mit nur noch 18 Prozent auf den drittletzten Rang abrutscht. Weitere wichtige Kriterien für den Erfolg von IoT-Projekten sind eine höhere Produktivität, die Erschließung neuer Kundenpotenziale und eine höhere Kundenzufriedenheit. Firmen profitierten zudem von einem Wettbewerbsvorteil gegenüber der Konkurrenz, geringeren Ausfallzeiten / höherer Auslastung, verstärkter Automatisierung und der Vernetzung aller Prozessketten.

Die IoT-Studie 2019 zum Download

Jürgen Pollich, Head of Business IoT/M2M bei Telefónica in Deutschland, überrascht diese neue Nutzen-Hierarchie nicht: "Für mich ist das eine logische Folge. Denn immer mehr Firmen machen ihre ersten Erfahrungen mit dem Internet of Things. Dabei stellen sie fest, dass die Transformation von Prozessen und Geschäftsmodellen komplex ist und länger dauert als ursprünglich angenommen.

Denn es prallen unterschiedliche Dinge aufeinander, die unter einen Hut gebracht werden wollen: Marktveränderungen, innovative Technologie und Veränderungen in den Arbeitsweisen durch agile Methoden. Effizienzverbesserungen über IoT sind hingegen einfacher zu verstehen und oft leichter zu realisieren."

ROI nicht einfach zu belegen

Dr. Myriam Jahn, Geschäftsführerin bei Q-loud, sieht das ähnlich: "Viele Unternehmen haben sich offenbar jetzt den IoT-Vorhaben zugewendet, die messbare Effizienzsteigerungen hervorbringen können. Das sind aber nicht mehr die Quick Wins oder Pilotprojekte mit kleinen Apps. Ein guter Indikator ist dafür, dass die Ergebnisse der Projekte später erwartet werden." Ihrer Meinung nach ist der ROI von neuen Produktangeboten und Services noch schwieriger belegbar als bei komplexeren IoT-Projekten für eine Steigerung der Effizienz. "Langfristig sind es jedoch die IoT-Projekte, die das Geschäftsmodell verändern, die vom Wettbewerb abheben und die Unternehmen auf die Überholspur bringen", betont Myriam Jahn.

Mit der Cloud auf die Karriere-Sonnenseite!

Grundsätzlich gehen die Unternehmen optimistisch an IoT heran. 50 Prozent der Firmen erwarten durch IoT positive Effekte für ihr Geschäft, nur 16 Prozent der Befragten bewerten die Chancen durch IoT negativ. Damit sind die Werte nahezu identisch mit dem Vorjahr. Für die Zukunft sehen sich die Firmen grundsätzlich gut aufgestellt. 72 Prozent der Firmen halten sich für so gut auf dem Markt positioniert, dass IoT sie nicht in ihrer Existenz gefährdet. Allerdings befürchtet ein Drittel der Firmen, das die Anbieter aus den USA oder China sie mit IoT- und KI-Technologien überholen werden. 29 Prozent glauben, künftig von Start-ups mit IoT-Technik abgehängt zu werden.

Probleme Fachkräftemangel und Sicherheit

Damit das nicht passiert, benötigen die Firmen für die Umsetzung von IoT-Projekten das passende Know-how. Doch hier sieht es nicht so rosig aus. In knapp einem Drittel (31 Prozent) der befragten Unternehmen stellt der Mangel an IT-Fachkräften das größte (organisatorische) Hemmnis dar - noch vor dem Thema Sicherheit. Auch Bedenken der Mitarbeiter und die fehlenden Skills der eigenen Mitarbeiter stehen ganz oben auf der Liste der IoT-Hemmnisse.

Marten Schirge, Vice President of Sales bei Device Insight, bringt die Situation auf den Punkt: "Eine große Anzahl der IoT-Projekte ist sehr komplex. Es gibt viele beteiligte Abteilungen und Personen, die wenig Erfahrung in der Steuerung komplexer IT Projekte besitzen. Darüber hinaus fehlen Firmen oftmals IT- oder Digitalisierungs-Kompetenzen."

Das Thema IoT-Sicherheit brennt den Unternehmen weiterhin unter den Nägeln. 53 Prozent der Firmen stufen die Gefahren für die Betriebssicherheit intelligenter Produktionsanlagen durch das IoT als sehr groß (21) oder groß (32 Prozent) ein, 22 Prozent als eher groß. Ähnlich hoch sind die Werte für Gefahren für den Datenschutz personenbezogener Daten (50 Prozent) und den Schutz der in den Anlagen und Produkten enthaltenen Daten (49 Prozent). Die gestiegenen Zahlen für den Schutz personenbezogener Daten sind vor allem durch die EU-DSGVO begründet, die im Mai 2018 in Kraft trat.

Studiensteckbrief

Herausgeber: COMPUTERWOCHE, CIO, TecChannel und ChannelPartner

Studienpartner: Gold-Partner: Telefónica Germany GmbH & Co. OHG Silber-Partner: Alcatel-Lucent Enterprise Deutschland GmbH Device Insight GmbH Q-loud GmbH Bronze-Partner: in-integrierte informationssysteme GmbH tresmo GmbH Kooperationspartner: GEFITS Gesellschaft für intelligente technische Systeme mbH

Grundgesamtheit: Oberste (IT-) Verantwortliche von Unternehmen in der D-A-CH-Region: strategische (IT-)Entscheider im C-Level-Bereich und den Fachbereichen (LoBs), IT-Entscheider & IT-Spezialisten aus dem IT-Bereich

Teilnehmergenerierung: Stichprobenziehung in der IT-Entscheider-Datenbank von IDG Business Media. Persönliche E-Mail-Einladungen zur Umfrage.

Gesamtstichprobe: 524 abgeschlossene und qualifizierte Interviews

Untersuchungszeitraum: 12. September bis 18. September 2018

Methode: Online-Umfrage (CAWI)

Fragebogenentwicklung: IDG Research Services in Abstimmung mit den Studienpartnern

Durchführung: IDG Research Services

zur Studie

Am meisten fürchten sich die Unternehmen wie bereits letztes Jahr vor Hackerangriffen und DDoS-Attacken (39 Prozent). Auch juristische Probleme, Industriespionage und Produktionseinbußen gelten als wichtige Security-Hemmnisse beim Thema IoT. Kopfzerbrechen bereiten den Firmen zudem ungeklärte Compliance-Fragen (31 Prozent) sowie mögliche negative Folgen wie eine Havarie der Produktionsanlagen oder die Erpressung durch Cyberattacken etwa mit Ransomware.

Organisation verändern

Auch Themen wie die Anpassung von Geschäftsprozessen, mangelnde Kommunikation zwischen den beteiligten Abteilungen oder die Umstrukturierung der Unternehmensorganisation auf IoT-Belange spielen eine wichtige Rolle. Dazu Jan Rodig, CEO/Managing Partner bei der tresmo GmbH: "Organisatorisch sehen wir noch einen großen Bedarf im Bereich Innovationsmanagement und agiles Arbeiten - das zieht sich durch von der Ideenfindung bis hin zum Einkauf externer Entwicklungsressourcen. Das ist aber mit dem richtigen Know-How und Change Management alles machbar. Auch strategisch gibt es enorme Herausforderungen, insbesondere im Kontext der Plattformökonomie."

Die Mehrheit der Firmen wird auch in den nächsten Jahren verstärkt in IoT-Projekte investieren. Den Schwerpunkt der Ausgaben bilden wie bereits letztes Jahr Cloud Services (39 Prozent), Security / Safety / Datensicherheit (36 Prozent) und Netzwerk-Technologien (30 Prozent).
Die Mehrheit der Firmen wird auch in den nächsten Jahren verstärkt in IoT-Projekte investieren. Den Schwerpunkt der Ausgaben bilden wie bereits letztes Jahr Cloud Services (39 Prozent), Security / Safety / Datensicherheit (36 Prozent) und Netzwerk-Technologien (30 Prozent).
Foto: IDG Research

Siegfried WagnerSiegfried Wagner, Managing Director bei in-integrierte informationssysteme, fordert von den Firmen das konsequente Umdenken auf den Kundennutzen, auch organisatorisch: "Ein Produkt, das keinen Nutzen bringt, hat es schwer, ein Service der keinen Nutzen bringt, wird nicht abonniert. Digitale Serviceprodukte erfordern auch digitale Lieferketten, das heißt Softwarelösungen, die unternehmensübergreifend spezielle Fähigkeiten bieten, müssen in die digitale Wertschöpfungskette integriert werden können. Profil von Siegfried Wagner im CIO-Netzwerk

Dies reicht von einem Prognoseservice für Wettervorhersagen und Sonneneinstrahlung bis zu Abrechnungsdiensten. Entscheidend am Ende ist nicht mehr das physische Produkt, sondern ein optimales Serviceangebot. Die interne Digitalisierung der Prozesse ist unabdingbar für nachhaltig erfolgreiche Serviceangebote."

IoT-Plattformen als wichtigste Technologie

Als wichtigste Technologie für den Erfolg des Internet of Things gelten wie im letzten Jahr in den meisten Unternehmen (55 Prozent) IoT-Plattformen. In der Realität nutzen derzeit allerdings nur 32 Prozent der Firmen bereits IoT-Plattformen. Immerhin ist der Wert im Vergleich zum Vorjahr um zehn Prozent gestiegen. Das Problem: Die Mehrzahl der Firmen setzt mehrere IoT-Plattformen parallel ein, die nicht miteinander vernetzt sind. Diese Heterogenität kann zum Problem werden, wenn die Firmen nicht für die Interoperabilität der IoT-Plattformen sorgen. Die Mehrzahl der Firmen setzt mehrere IoT-Plattformen parallel ein, die nicht miteinander vernetzt sind. Beim Bezugsmodell haben sich Cloud-Lösungen durchgesetzt, häufig in hybrider Form.

Die IoT-Studie 2019 zum Download

Für Siegried Wagner bieten IoT-Plattformen "das Potenzial der Transformation vom Verkauf von physischen Produkten zu nutzenbasierter dauerhafter Abrechnung von Services. Statt des physischen Subjekts Kaffeemaschine wird nur noch der Kaffeegenuss abgerechnet, gleiches kann man vom Kompressor auf 'Menge an Druckluft', von der Pumpe auf 'gepumptes Volumen' etc. realisieren"

Welche Funktionen und Merkmale erwarten die Firmen von einer IoT-Plattform? Hier haben sich im Vergleich zum letzten Jahr die Prioritäten verschoben. Während den Firmen letztes Jahr noch hohe Skalierbarkeit am wichtigsten war, um für eine wachsende Zahl von IoT-Geräten gewappnet zu sein, steht aktuell das Thema Security und Safety ganz oben. 36 Prozent der Firmen fordern, dass die IoT-Plattform für sichere Systeme und Anwendungen sorgt.

Bei jeweils 30 Prozent liegen das Speichern von Daten, flexible Anpassbarkeit und Cloud-Hosting. Im Vergleich zum letzten Jahr hat insbesondere Cloud-Hosting an Bedeutung gewonnen - ein weiteres Indiz dafür, dass Cloud-Services in Unternehmen mittlerweile zum Alltag gehören. Ein Viertel der Firmen legt jeweils Wert auf Multi-Cloud-Fähigkeit, um Infrastrukturen vernetzen zu können, Skalierbarkeit, die einfache Konfiguration des Backends und Frontends sowie offene Standards.

Weitere wichtige Technologien für IoT sind neben IoT-Plattformen Analytics / Big Data, Cloud Computing, Mobility oder Netzwerk-Technologien wie 5G, LTE, LoRa oder Narrowband IoT.

Hier finden Sie die IoT-Studie 2019 zum Download

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