Strategien


Alle Prozesse neu - SAP konsolidieren

Heraeus startet 7-Jahres-Projekt

Alexander Freimark wechselte 2009 von der Redaktion der Computerwoche in die Freiberuflichkeit. Er schreibt für Medien und Unternehmen, sein Auftragsschwerpunkt liegt im Corporate Publishing. Dabei stehen technologische Innovationen im Fokus, aber auch der Wandel von Organisationen, Märkten und Menschen.

Alle SAP-Systeme ablösen

Ziel war es, eine moderne Plattform zu errichten und das Prozesshaus übergreifend zu gestalten, damit Niederlassungen schneller aufgebaut und Zukäufe integriert werden können. Zudem musste die Komplexität der IT strukturiert und beherrschbar gemacht werden, was unter anderem durch die Ablösung aller SAP-Installationen und die Konsolidierung auf ein System erreicht werden soll. Ackermanns Hoffnung: "Nach Abschluss des Magellan-Projektes ist unsere Prozessstruktur aus einem Guss."

Auch der Brownfield-Ansatz schied aus - einen Konzernbereich als Nukleus zu nutzen und alle anderen Strukturen daran auszurichten. Zwar gab es im Konzern einen geeigneten Geschäftsbereich, dieser wies jedoch keine Funktionen für das Edelmetallgeschäft auf. "Damit hätten wir wieder mit einer Behelfslösung angefangen", sagt der 37-jährige Manager, der schon mit 25 Jahren IT-Leiter einer Tochter der B. Braun Melsungen AGB. Braun Melsungen AG in Großbritannien wurde und seit 2005 die Heraeus-IT leitet. Top-500-Firmenprofil für B. Braun Melsungen AG

Heraeus Fine Gold
Heraeus Fine Gold
Foto: Heraeus Holding GmbH

Die Umsetzung auf dem Greenfield sei 2010 nicht vorstellbar gewesen, zu viele Fragen waren ungeklärt. So wurden in mehreren Workshops Szenarien bewertet, Prozesse analysiert, Schnittstellen betrachtet, potenzielle Synergien gesucht und mit Referenzen gesprochen, berichtet Ackermann. "Über die Zeit ist so die Sicherheit gewachsen, dass ein derartiges Projekt für uns absolut sinnvoll ist." Es gab viele Ideen, von denen jede eine Insel darstellte - "nur alle zusammen sind ein großer Wurf". Heraeus entschied sich daher, vom Business-Management bis zur Produktion alle Prozesse des Konzerns neu aufzubauen und zu strukturieren.

Auf der obersten Aggregationsstufe sind dies über 100 definierte Kernprozesse. Die IT entwickelte 13 verschiedene Rollout-Szenarien sowie einen Risikoansatz für die Implementierung - "Abbiegespuren für den Ernstfall, um nicht das gesamte Programm zu gefährden", erklärt Ackermann. Nicht nur das gesamte Top-Management steht hinter Magellan, Zustimmung gibt es auch durch die Business Units, die sich bereit erklärten, Personal zur Verfügung zu stellen - mit einem Bewerbungsverfahren und einer Rückfahrkarte zurück in die Linienorganisation.

Laut Konzernbericht von Heraeus handelt es sich bei Magellan um das umfangreichste Projekt innerhalb der laufenden Veränderungsprozesse. Es soll fünf bis sieben Jahre laufen. Das Core-Team besteht aus über 100 Mitarbeitern, davon rund 55 aus den Fachbereichen und die übrigen aus der IT sowie von Beratungshäusern. Für das Projekt wurden eigens in Hanau 2000 Quadratmeter Büroflächen gemietet, um die Mannschaft zu versammeln und Platz für die Zusammenarbeit aller Projektbeteiligten zu schaffen. Deren rund 400 Prozessexperten und IT-Spezialisten werden je nach Bedarf für spezielle Aufgaben hinzugezogen. "In den vergangenen Jahren sind wir stark gewachsen, und mit Magellan ist die Belastung noch größer geworden", berichtet Ackermann.

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