Neue Arbeitswelt

Home Office kann nicht die alleinige Lösung sein

17.04.2015
Von Holger  Felgner

Feste Arbeitszeiten: Mittlerweile ein Relikt?

Mitarbeiter, die für ihre Arbeit nicht mehr auf ein stationäres Büro angewiesen sind: Sind dann im Umkehrschluss (feste) Arbeitszeiten überhaupt noch zeitgemäß? In dieses Bild passen auch Meldungen wie etwa die von Richard Branson ("Virgin"), der Mitarbeitern die Entscheidung überlässt, ob, wann und wie lange sie Urlaub nehmen. Freie Tage müssen weder beantragt noch genehmigt werden, sofern laufende Projekte nicht darunter leiden.

Auf stationäre Büros sind Mitarbeiter nicht mehr angewiesen.
Auf stationäre Büros sind Mitarbeiter nicht mehr angewiesen.
Foto: TeamViewer

Mag dieser spezielle Fall auch (teilweise) ein Marketing-Gag sein, so stellt sich die berechtigte Frage: Kann es in manchen Bereichen nicht sinnvoller sein, dass sich Mitarbeiter primär an den Ergebnissen ihrer Arbeit orientieren, anstatt eine bestimmte Stundenzahl mehr oder weniger motiviert "abzusitzen"?

Eine polarisierende Aussage, die allerdings auch relativiert werden muss. Häufig kommt dieser Ansatz aus besonders kreativen, jungen Branchen und aus Bereichen, in denen ein vollkommen unabhängiges Arbeiten für viele zum Maßstab geworden ist. Doch ein Modell, das für ein hippes Online-Startup perfekt funktioniert, ist nicht zwangsläufig auch auf ein klassisches Industrieunternehmen übertragbar. Ein Automobilhersteller, dessen Mitarbeiter in der Produktion ihre Arbeitszeiten selbst bestimmen? Angesichts heute üblicher Schichtsysteme und durchstrukturierter Produktionsabläufe nur schwer vorstellbar. Auch Kunden, die ein Unternehmen kontaktieren, um Beratung oder Support zu erhalten, werden auch in Zukunft feste Erreichbarkeiten zu schätzen wissen - und zu Recht erwarten.

Work-Life-Balance im Fokus

In ganz anderer Hinsicht zu denken geben auch Erfahrungswerte, die zeigen, dass sowohl Eigenverantwortung der Mitarbeiter, als auch die soziale Kontrolle durch Kollegen dafür sorgen, dass Angestellte ohne starre Arbeitszeiten meist keinesfalls weniger arbeiten. Eher im Gegenteil. Häufig konnte mit der Flexibilisierung der Arbeitszeiten ein steigender Druck beobachtet werden. Im Extremfall kann dies zu einem Verschwimmen der Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit führen, wenn beispielsweise Mitarbeiter auch abends oder am Wochenende geschäftliche E-Mails auf ihrem Smartphone lesen und bearbeiten.

Um Mitarbeiter zu schützen und nicht zu überfordern, haben speziell einige Großunternehmen auf diese Problematik reagiert. So finden sich beispielsweise konkret ausformulierte E-Mail-Verbote für Wochenenden. Oder es wird gleich ein technischer Riegel vorgeschoben, indem nach Arbeitsende keine E-Mails mehr auf die mobilen Geräte der Mitarbeiter weitergeleitet werden.

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