Psychische Erkrankungen

Home-Office macht dick und krank

Hans Königes ist Ressortleiter Jobs & Karriere und damit zuständig für alle Themen rund um Arbeitsmarkt, Jobs, Berufe, Gehälter, Personalmanagement, Recruiting sowie Social Media im Berufsleben.
Fast ein Drittel der Beschäftigten fühlen sich im Home-Office allein und isoliert, so eine aktuelle Forsa-Studie im Auftrag des TÜV-Verbands. Er fordert eine gesundheitsfördernde Unternehmenskultur.
Kein ergonomischer Arbeitsplatz, Bewegungsmangel, psychische Belastungen - Home-Office-Studien bewerten zunehmend kritischer die "Heimarbeit".
Kein ergonomischer Arbeitsplatz, Bewegungsmangel, psychische Belastungen - Home-Office-Studien bewerten zunehmend kritischer die "Heimarbeit".
Foto: fizkes - shutterstock.com

"Eng getaktete Videokonferenzen, kaum Pausen und die fehlenden persönlichen Kontakte führen bei vielen Beschäftigten im Home-Office zu Erschöpfung, Gereiztheit oder Gefühlen der Isolation", sagt André Siegl, Arbeitsschutzexperte des TÜV-Verbands. Die Arbeitszeit nehme zu, da Laptop und Diensttelefon oft bis in die späten Abendstunden eingeschaltet seien. Das klassische Ausstempeln an der Stechuhr gebe es nicht mehr.

"Verschärfend kommen ergonomisch unzureichend eingerichtete Arbeitsplätze und der Bewegungsmangel hinzu", so Siegl. Zwei von drei Mitarbeitern geben an, dass sie sich bei häufiger Arbeit im Home-Office zu wenig körperlich bewegen. Und mehr als jeder Dritte hat laut Umfrage während längerer Phasen im Home-OfficeHome-Office an Körpergewicht zugelegt. Alles zu Home Office auf CIO.de

Keine ergonomisch eingerichteten Arbeitsplätze

"Wenn tägliche Arbeitswege wie der Gang oder die Fahrt mit dem Rad zur Arbeit wegfallen, macht Home-Office dick", gibt Siegl zu bedenken. Nur jeder zweite Befragte verfügt im Home-Office über einen ergonomisch eingerichteten Arbeitsplatz mit Bürostuhl, Schreibtisch, externer Tastatur und großem Bildschirm. Die Folge sind Kopf- und Rückenschmerzen, muskuläre Verspannungen oder brennende Augen.

"Nach zwei Jahren Pandemie mit langen Home-Office-Zeiten sind viele Arbeitnehmer körperlich und mental angeschlagen", beobachtet der TÜV-Mann. Gerade die Kombination aus psychischen und physischen Belastungen erhöhe die Gefahr von langwierigen Krankheiten und BurnoutBurnout. Alles zu Burnout auf CIO.de

Soziales Miteinander fördern

Nach dem Auslaufen der Home-Office-Pflicht sollten Arbeitgeber jetzt die Arbeitsorganisation an die neuen Gegebenheiten anpassen. Das betrifft unter anderem die arbeitsrechtlichen Regelungen zum mobilen Arbeiten, die Ausstattung der Home-Office-Arbeitsplätze und die Gestaltung der Arbeit in den Büroräumen.

"In den Büroräumen wird neben der Arbeit das soziale Miteinander der Kolleginnen und Kollegen immer wichtiger", sagt Siegl. Dafür müssten Unternehmen jetzt Anreize schaffen und auch eine Neugestaltung der Büroflächen mit Sitzecken, großzügigen Kaffee-Küchen oder flexiblen Workshop-Räumen in Betracht ziehen, um Begegnungen und kreatives Arbeiten im Team zu ermöglichen.

Führungskräfte sind gefragt

Entscheidend sei aber eine gesundheitsfördernde Unternehmenskultur. Dazu gehören an erster Stelle Vorgesetze, die Mitarbeiter fürsorglich behandeln, sie bei ihrer Arbeit unterstützen und in Entscheidungen einbeziehen. Arbeitgeber sollten Fortbildungen zum Zeit- und Selbstmanagement, Stressbewältigung oder Gesundheitsförderung anbieten und Regeln für eine effiziente und rücksichtsvolle interne Kommunikation festlegen.

"Arbeitspsychologische Angebote sollten selbstverständlich sein und von den Arbeitnehmern jederzeit anonym in Anspruch genommen werden können", betont Siegl. So könnten Unternehmen und Beschäftigte besser mit Krisensituationen umgehen.

Laut den Ergebnissen der Umfrage arbeitete vor dem Auslaufen der Home-Office-Pflicht am 20. März 2022 fast jeder vierte Beschäftigte (23 Prozent) ausschließlich im Home-Office oder mobil. Weitere 21 Prozent gaben an, dass sich bei ihnen Home-Office und das Arbeiten im Büro abwechseln.

Grundlage der Angaben ist eine repräsentative Forsa-Umfrage im Auftrag des TÜV-Verbands unter 1.507 Erwerbstätigen ab 18 Jahren, die im Januar 2022 durchgeführt wurde.

Weitere Informationen zur Homeoffice-Umfrage unter https://www.tuev-verband.de/pressemitteilungen/cybergefahren-im-homeoffice.

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