Zukunft der Arbeit

Hybride Arbeitsmodelle senken die Fluktuation

Hans Königes ist Ressortleiter Jobs & Karriere und damit zuständig für alle Themen rund um Arbeitsmarkt, Jobs, Berufe, Gehälter, Personalmanagement, Recruiting sowie Social Media im Berufsleben.
Ein Viertel der Deutschen bevorzugt laut einer Accenture-Studie remotes Arbeiten. Mit flexiblen Arbeitsmodellen fühlen sie sich gesünder und produktiver.
In Deutschland befürworten viele Beschäftigte das wechselweise Arbeiten im Unternehmen sowie Home-Office.
In Deutschland befürworten viele Beschäftigte das wechselweise Arbeiten im Unternehmen sowie Home-Office.
Foto: WD Stock Photos - shutterstock.com

Unternehmen auf der ganzen Welt planen die Rückkehr ihrer Mitarbeiter an den ArbeitsplatzArbeitsplatz, nachdem viele Beschäftigte aufgrund der COVID-19-Pandemie ins Home-Office gewechselt sind. Eine aktuelle Studie des Beratungsunternehmen Accenture "The Future of Work: Productive anywhere" zeigt jedoch, dass sich Angestellte mehr hybride Arbeitsmodelle wünschen. Insgesamt 83 Prozent der weltweit befragten Teilnehmer halten hybrides Arbeiten, bei dem sie die Möglichkeit haben, zwischen 25 und 75 Prozent der Zeit remote zu arbeiten, für optimal. Alles zu Personalführung auf CIO.de

An der Studie beteiligten sich 9.326 Beschäftigte aus elf Ländern. 40 Prozent der Interviewten haben das Gefühl, überall produktiv arbeiten und sich gesund fühlen zu können - sei es remote, vor Ort im Unternehmen oder in einer Kombination als hybrides Arbeitsmodell. Wiederum 85 Prozent dieser Mitarbeiter geben an, eine längerfristige Beschäftigung bei ihrem derzeitigen Arbeitgeber anzustreben.

Ein hybrides Arbeitsmodell zu finden, das für alle Generationen funktioniert, kann jedoch eine Herausforderung sein: Weltweit wünschen sich drei von vier Befragten aus der Generation Z (die nach 1993 Geborenen) mehr Möglichkeiten, persönlich mit Kollegen zusammenzuarbeiten - ein höherer Anteil als bei der Generation X (66 Prozent) und den Babyboomern (68 Prozent).

Mitarbeiter mit Resilienz und mentaler Stärke

"Es gibt einen neuen Arbeitnehmer-Typus nach der Pandemie: überall produktiv - egal, ob vor Ort am Arbeitsplatz oder remote. Diese Individuen haben gute persönliche Ressourcen im Sinne von Resilienz oder mentaler Stärke und besitzen ausgeprägte organisatorischen Ressourcen", weiß Shirley Sheffer, Leiterin des Geschäftsbereichs Talent & Organization/Human Potential bei Accenture in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Shirley Sheffer: "Wenn Mitarbeiter ein hybrides Arbeitsmodell wählen können, sind sie besser in der Lage, mit psychischen Herausforderungen umzugehen. Sie gehen stärkere Arbeitsbeziehungen ein und wollen länger im Unternehmen bleiben."
Shirley Sheffer: "Wenn Mitarbeiter ein hybrides Arbeitsmodell wählen können, sind sie besser in der Lage, mit psychischen Herausforderungen umzugehen. Sie gehen stärkere Arbeitsbeziehungen ein und wollen länger im Unternehmen bleiben."
Foto: Sheffer - Accenture

"Wenn wir über die Zukunft der Arbeit sprechen, dann darf es nicht nur um das ´Wo?´ gehen", so die Accenture-Managerin. Verantwortungsbewusste Führungskräfte wüssten sehr wohl, wie sich die Produktivität, Gesundheit und Belastbarkeit ihrer Mitarbeiter unterstützen ließen. Der globalen Studie zufolge liegt der Unterschied in Deutschland zwischen den Beschäftigten, die überall produktiv sind (33 Prozent) und denjenigen, die unkonzentriert und frustriert sind (13 Prozent), nicht am Stress, sondern darin, ob auf individueller und organisatorischer Ebene die Voraussetzungen dafür gegeben sind, um ortsunabhängig produktiv zu sein.

Diese reichen von Arbeitsplatzautonomie und psychischer Gesundheit bis hin zu unterstützenden Führungskräften und einer digital ausgereiften Organisation. Darüber hinaus profitieren Unternehmen auch von finanziellen Vorteilen, wenn sie es ihren Mitarbeitern ermöglichen, sich bei ihrer Arbeit ortsunabhängig produktiv und gesund zu fühlen.

Weltweit haben 63 Prozent der befragten Unternehmen Modelle entwickelt, die Mitarbeitern die Möglichkeit geben, remote oder vor Ort zu arbeiten. Die überwiegende Mehrheit (69 Prozent) der Firmen mit negativem oder keinem Wachstum konzentriert sich jedoch immer noch auf den physischen Standort ihrer Mitarbeiter und bevorzugt entweder Arbeitsplätze, die ausschließlich vor Ort oder remote vorhanden sind. In Deutschland gaben 34 Prozent der Befragten an, während der Pandemie bisher an einem festen Standort gearbeitet zu haben. Dabei sind 25 Prozent der Deutschen der Meinung, dass sie remote produktiver tätig sein können und sich gesünder fühlen.

Flexible Arbeitsmodelle stärken die Arbeitsbeziehung

"Wenn Mitarbeiter ein hybrides Arbeitsmodell wählen können, sind sie besser in der Lage, mit psychischen Herausforderungen umzugehen. Sie gehen stärkere Arbeitsbeziehungen ein und wollen länger im Unternehmen bleiben", ist Sheffer überzeugt. Für Führungskräfte stelle sich dabei die Frage: Wie entwickle ich mein Team unabhängig vom Standort? Wichtige Faktoren hierbei würden zunehmend Empathie, Flexibilität und Vertrauen sein.

Wenn verantwortungsbewusste Führungskräfte die verschiedenen Optionen, die ihren Mitarbeitern zur Verfügung stehen, in Betracht ziehen, müssen sie über die reine Standortfrage hinausgehen und eine Zukunft der Arbeit gestalten, die die Voraussetzungen für ortsunabhängig produktive Arbeit schafft.

Accenture empfiehlt Unternehmen, folgende spezifischen Maßnahmen in Betracht zu ziehen:

  • Modernes HR-Management beschleunigen: Auch HR-Richtlinien und -Praktiken müssen sich weiterentwickeln. Arbeitgeber benötigen eine Strategie, die sicherstellt, dass den Mitarbeitern der Übergang zu neuen Arbeitsplätzen, Teams und Rollen erleichtert wird. Accenture definiert in der Studie sechs Arbeitsplatzdimensionen, darunter: zwischenmenschlich, physisch, emotional und mental.

  • Den Menschen in Mitarbeitern sehen: Organisationen müssen die verschiedenen Bedürfnisse aller Typen von Mitarbeitenden anerkennen und darauf reagieren. Wenn sie sowohl die psychische als auch die physische Sicherheit unterstützen, fördern sie Vertrauen.

  • Aufbau von digitaler Kompetenz: Digital kompetente Unternehmen haben ein höheres Umsatzwachstum und gelten mit größerer Wahrscheinlichkeit als attraktive Arbeitsplätze. Hierzu gilt es, sich auf die Entwicklung maßgeschneiderter Qualifizierungs- und Lernpfade zu konzentrieren, die den Bedürfnissen aller Gruppen im Unternehmen gerecht werden.

  • Mit Menschlichkeit führen: Verantwortungsbewusste Führungskräfte schaffen Umgebungen, in denen der Vorstand, der CEO und die gesamte C-Suite zusammenarbeiten - egal, wo sie sich befinden.

Informationen zur Studie

Accenture Research hat im März 2021 eine globale Umfrage unter 9.326 Mitarbeiter in den folgenden Ländern durchgeführt: Australien, Brasilien, Kanada, China, Frankreich, Deutschland, Japan, Singapur, Schweden, Großbritannien und USA. Die Branchen sind: Banken/Versicherungen/Kapitalmärkte, Hightech, Einzelhandel, Konsumgüter und Dienstleistungen, Öffentlicher Sektor, Gesundheitswesen, Kommunikation und Medien, Versorgungsunternehmen, Energie und Life Sciences.

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