Steve Wozniak im Gespräch

"Ich wollte kein Geld verdienen"

13.04.2017
Der Apple-Mitbegründer über frühe Tage, die Entwicklung der Technologie und die Zukunft.

Mehr als 40 Jahre nach der Gründung von Apple Computer hat Steve Wozniak eine Menge zu erzählen: Über die Anfänge des reichsten Unternehmens der Welt, über die technologische Vergangenheit und Zukunft - und darüber, zum Entwickler geboren zu sein.

Unsere US-Kollegen hatten im Rahmen der IEEE TechIgnite-Konferenz in Kalifornien die Gelegenheit, ein Gespräch mit der Tech-Legende Steve Wozniak zu führen.

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Steve Wozniak spricht im März 2017 auf der IEEE TechIgnite in Burlingame, Kalifornien.
Steve Wozniak spricht im März 2017 auf der IEEE TechIgnite in Burlingame, Kalifornien.
Foto: Stephen Lawson

Wozniak über Open Source

In den 1970ern liest Steve Wozniak über das sogenannte "phreaking", bei dem man sich kostenlose Telefonate durch das elektronische Imitieren des Wählvorgangs erschleichen kann. Um das zu lernen, geht er an den einzigen Platz, von dem er weiß, dass dort Magazine und Bücher über Computer zu finden sind: Das Stanford Linear Accelerator Center. Er marschiert einfach an einem Sonntag durch die Tür. "Die intelligentesten Menschen der Welt schließen ihre Türen nicht ab", weiß Wozniak seitdem.

Eine ähnliche Philosophie führt dazu, dass "The Woz" eine Designidee öffentlich freigibt, aus der später der Apple I werden soll. Nachdem er Pläne von einem Computer gezeichnet hat, den jeder für 300 Dollar selbst zusammenbauen kann, gibt er diese für den "Homebrew Computer Club" - einen Sammelplatz der damaligen PC-Pioniere - frei. Um Copyright macht er sich dabei keine Gedanken, wie er sagt: "Ich habe nicht aus der Motivation heraus gehandelt, ein Unternehmen gründen oder Geld verdienen zu wollen. Ich wollte einfach nur meine Genialität als Entwickler unter Beweis stellen." Sein Freund Steve Jobs - bekanntermaßen kein Entwickler - überredet ihn letztlich dazu, seine Ideen zu monetarisieren.

Der Einfallsreichtum des Apple-Gründers

Wozniak will nach eigener Aussage nicht nur schon seit jeher Dinge mit so wenig Teilen wie möglich bauen. Am liebsten benutzt er dafür auch noch die billigsten. Nachdem er "phreaking" beherrscht, baut er sich eine Maschine dafür zusammen: "Ich habe mir einen Sack voll zweifelhafter Dioden bei Radio Shack besorgt. Ungefähr die Hälfte davon war kaputt, aber ich wusste nicht welche Hälfte. Wenn ein Ton an meiner Box nicht funktionierte, bin ich zu diesem Typen gegangen, der Musiker war."

Film-Mythen über Steve Jobs

Die frühen Tage von Apple sind längst Stoff für Popkultur-Produkte geworden. Aber nicht alle Geschichten entsprechen der Wahrheit. Zum Beispiel eine Szene in "Jobs" mit Ashton Kutcher, in der Jobs dem Beatles-Fan Wozniak zum ersten Mal Bob Dylan nahebringt. "Ich war derjenige, der Steve Jobs das ganze Zeug von Bob Dylan gezeigt hat", so Wozniak. In der Folge besuchen die beiden Apple-Gründer viele Konzerte gemeinsam und tauschen sich regelmäßig über Songtexte und Platten aus.

Wozniaks Kaffee-Roboter

Wenn er noch einmal jung wäre, versichert Wozniak, würde er sich ganz der Robotik widmen. Er würde einen Roboter designen, der wirklich überall die nächste Küche findet, um Kaffee zu kochen. Einer Übernahme der Weltherrschaft durch Maschinen sieht Wozniak hingegen eher gelassen entgegen: "Langsam wird die Richtung, in die sich Roboter entwickeln, schon etwas gruselig, aber es wird noch eine lange Zeit dauern, bis die Maschinen uns übertreffen. Sie brauchen uns", prophezeit der Apple-Mitbegründer.