Strategien


Skills und Geld fehlen

Innovationen scheitern an Change Management

Christiane Pütter ist Journalistin aus München. Sie schreibt über IT, Business und Wissenschaft. Zu ihren Auftraggebern zählen neben CIO und Computerwoche mehrere Corporate-Publishing-Magazine, vor allem im Bereich Banken/Versicherungen.
Data Analytics, Cloud und M2M-Kommunikation scheitern an mangelnder Veränderungsfähigkeit, wie CEOs laut einer Studie von Accenture und der Economist Intelligence Unit zugeben.
Die größte Schwierigkeit bei der Digitalisierung sehen die Befragten in puncto Change Management. Im Schnitt sagen das 42 Prozent, unter den deutschen Studienteilnehmern 47 Prozent.
Die größte Schwierigkeit bei der Digitalisierung sehen die Befragten in puncto Change Management. Im Schnitt sagen das 42 Prozent, unter den deutschen Studienteilnehmern 47 Prozent.
Foto: Accenture/EIU

Ein Auto ist heute ein rollender Computer. BankenBanken brauchen kaum noch Filialen. Dass Digitalisierung die ganze Welt verändert, haben CEOs verstanden. Bei der Umsetzung im eigenen Hause scheitert es aber noch - vor allem an mangelnder Veränderungsbereitschaft. Das ist ein Ergebnis der Accenture-Studie "CEO Briefing 2014 - The global agenda: competing in a digital world". Top-Firmen der Branche Banken

Die Analyse entstand in Zusammenarbeit mit der Economist Intelligence Unit (EIU). In einer globalen Befragung unter mehr als 1000 C-Level-Managern aus 20 Nationen erklären 40 Prozent der Teilnehmer, digitale Technologien veränderten ihre Branche binnen Jahresfrist "signifikant". Weitere zwölf Prozent sprechen sogar von "kompletter Transformation". Die übrigen Befragten variieren in den Angaben dessen, wie stark die Veränderung sein wird - dass es keine Veränderung geben wird, glauben lediglich zwei Prozent.

Dabei zeigt ein Blick in die einzelnen Nationen gravierende Unterschiede auf. Die "komplette Veränderung" durch digitale Technologien sehen 48 Prozent der Befragten aus dem Nahen Osten (Saudi Arabien und Vereinigte Arabische Emirate) in den nächsten zwölf Monaten auf ihre Branche zukommen. In Deutschland, Spanien und Großbritannien ist es dagegen kein Einziger. Unter den deutschen Befragten erwarten 48 Prozent "signifikante Veränderungen" und weitere 37 Prozent "moderate Veränderungen".

Die EIU hat außerdem nach Investitionen in digitale Technologien gefragt, als Beispiele dafür galten Cloud ComputingCloud Computing, E-Commerce, Data Analytics, Machine-to-Machine-Communication, Social und Mobile IT. Fazit: Im globalen Durchschnitt halten 45 Prozent der Manager Investitionen für "einigermaßen" bis "sehr" wichtig, weitere 31 Prozent für "etwas" wichtig, um künftig ihren Absatz zu steigern. Alles zu Cloud Computing auf CIO.de

Deutsche unterdurchschnittlich investitionsbereit

Dabei zeigen sich die Deutschen unterdurchschnittlich investitionsbereit. 26 Prozent betrachten Investitionen als "einigermaßen" bis "sehr" wichtig zur Absatzförderung, 33 Prozent als "etwas" wichtig. Die höchste Bereitschaft signalisieren die kanadischen und die chinesischen Befragten.

Insgesamt dienen digitale Technologien aus Sicht der meisten Befragten (59 Prozent) in erster Linie dazu, Prozesse effizienter zu gestalten und Kosten zu senken (31 Prozent). In Deutschland stehen Effizienzsteigerung und Kostensenkung mit 70 Prozent der Nennungen noch deutlicher im Vordergrund.

Change Management das größte Problem

Soviel zur Bedeutung, die digitalen Technologien zugeschrieben wird. Die Analysten wollten wissen, woran der Einsatz hapert. Dabei nennen 42 Prozent der Studienteilnehmer Schwierigkeiten beim Change Management. Das ist der am häufigsten genannte Grund.

Am stärksten zeigt sich diese Schwierigkeit in China mit 66 Prozent der Nennungen. Die höchste Veränderungsbereitschaft besteht demnach in Brasilien, hier spricht nur jeder vierte (25 Prozent) von Problemen beim Change. Deutsche Befragte liegen mit 47 Prozent wiederum über dem Durchschnitt.

Zudem beklagen die Studienteilnehmer fehlende Skills und fehlendes Geld (jeweils 35 Prozent). Auch scheitert Digitalisierung an mangelnder Zusammenarbeit der verschiedenen Abteilungen (ebenfalls 35 Prozent). In diesen Punkten weicht Deutschland nicht wesentlich vom globalen Durchschnitt ab.

Einen echten Ausreißer zeigen die deutschen Befragten beim Thema Verantwortlichkeit. Weltweit gesehen ist digitale Innovation vor allem Aufgabe des CEO (35 Prozent). Dabei arbeitet er typischerweise mit dem CTO (Chief Technology Officer) und dem CIO zusammen (23 beziehungsweise 22 Prozent).

CEO fragt den CIO eher selten

Nicht so in der Bundesrepublik. Hier nennen 38 Prozent der Befragten den CEO. 18 Prozent nennen den CTO und lediglich sieben Prozent den CIO. Die höchsten Nennungen (39 Prozent) erhält der CIO bei dieser Frage in Japan. Der CTO kommt hier auf 21 Prozent.

Chief Digital Officer noch wenig etabliert

Die Position eines Chief Digital Officer ist offenbar noch wenig etabliert. Weltweit geben nur zwei Prozent der Befragten an, ein solcher habe in puncto digitale InnovationInnovation den Hut auf. In Frankreich erzielt er mit acht Prozent die höchsten Nennungen, in Deutschland kommt er auf zwei Prozent. Alles zu Innovation auf CIO.de

Dabei will mancher Manager nicht den Rest der Belegschaft ignoriert sehen. So erklärte Jeffrey Joerres, Chairman und CEO der Manpower Group, im Gespräch mit Accenture: "Wir haben einen Chief Digital Officer und einen Social-Media-Verantwortlichen, aber sie sind eher Aggregatoren. Unsere Innovationsfähigkeit kommt von den 30.000 Köpfen, die für uns arbeiten."

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