Indiens SAP-Chef Clas Neumann im Interview

Inside Bangalore

02.04.2007
Von Anja Tiedge

Bisher erzielte SAP in Indien zweistellige Wachstumsraten. Wird diese Geschwindigkeit beibehalten?

Das Wachstum in Indien geht 2007 weiter, allerdings nicht mit der gleichen Geschwindigkeit. Wir haben dort vor acht Jahren angefangen und sind jedes Jahr um 50 Prozent gewachsen. Heute beschäftigen wir 4.000 Mitarbeiter in den Bereichen Software-Entwicklung und -service. Rund 3.500 dieser Beschäftigten arbeiten in Bangalore. Wenn man nun von weiteren 50 Prozent Wachstum ausgehen würde, müssten wir in diesem Jahr auf 6.000 Mitarbeiter wachsen. Das ist unrealistisch.

SAP öffnete 1998 sein erstes Entwicklungszentrum in Indien. Sie fertigten damals zusammen mit einem Kollegen die Standortanalyse für Asien an. Was hat SAP letztlich dazu bewogen, nach Indien zu gehen - und nicht nach China?

Der Fokus war in der Tat zunächst besonders auf China gerichtet - damals noch mehr als heute. Inzwischen hat Indien in der öffentlichen Wahrnehmung aufgeholt. Zum damaligen Zeitpunkt hatten wir in China aber sehr große Probleme mit den Englischkenntnissen der Software-Entwickler.

Über unsere Kundenkontakte hatten wir bereits festgestellt, dass dort fast alles nur in der Landessprache funktioniert. Bei SAPSAP ist eine gemeinsame Sprache aber sehr wichtig, denn wir arbeiten eng verzahnt miteinander. Es gibt kaum ProjekteProjekte bei denen niemand weiß, was der andere tut. Alles zu Projekte auf CIO.de Alles zu SAP auf CIO.de

Sie müssen sich das so vorstellen: Eine Spezifikation wird losgeschickt und ein Stück Software kommt zurück. Kommunikation spielt da eine große Rolle - und die funktioniert nur, wenn beide Seiten die gleiche Sprache sprechen. Ich persönlich wäre sicher sehr gern nach China gegangen, unter anderem weil ich dort studiert habe. Aber man handelt ja nicht im eigenen Sinne, sondern in dem des Unternehmens.

Waren die Sprachkenntnisse der einzige Grund, warum Sie Indien China vorzogen?

Neumann: Nein. Indien hatte Ende der 90er Jahre einen sehr gesunden Arbeitsmarkt im Bereich IT. Es gab im Gegensatz zu Deutschland ein Überangebot an Fachkräften. Der eigentliche Auslöser, der uns nach Indien brachte, war der Mangel an qualifizierten Arbeitskräften in Deutschland.

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