Indiens SAP-Chef Clas Neumann im Interview

Inside Bangalore

02.04.2007
Von Anja Tiedge

Gerade Ende der 90er Jahre lief das Geschäft sehr gut, und wir haben damals nicht mehr genügend Mitarbeiter in den mittleren Neckarraum locken können. Wenn man also die exzellenten Software-Entwickler nicht am Heimatstandort akquirieren kann, muss man zu ihnen kommen.

Kommt China heute als Standort von SAP infrage - auch als Alternative zu Indien?

Wir sind in China bereits vertreten und haben dort Mitarbeiter, die sehr tiefes Branchen-Know-how mitbringen, so dass wir dort viele Industrie- und auch Mittelstandslösungen entwickeln. Was die Sprachkenntnisse angeht, hat das Land gewaltig aufgeholt. Inzwischen gibt es dort englische Studiengänge.

Der Nachteil Chinas ist, dass es nur wenig geeignete Standorte gibt. Nur die ganz großen Städte sind attraktiv genug, um Arbeitskräfte anzuziehen. Im Wesentlichen sind das Shanghai als modernes, wirtschaftliches Zentrum und Peking als alte Wissenschaftshochburg. Dort sind die Kosten zwar höher als in Indien, es gibt jedoch in China viele Fachkräfte, um unsere Industrie- und Mittelstandslösungen weiterzuentwickeln.

SAP wird also weiterhin in beiden Märkten aktiv sein?

Wir würden nie alle Eier in einen Korb legen. Selbst wenn wir in China um 50 Prozent wachsen würden, wäre das bei heute rund 500 Mitarbeitern nicht viel. Wir können das Wachstum Indiens nicht einfach nach China verschieben. Man muss aber sagen: Das Arbeitskräftepotenzial ist vorhanden.

Hängt das auch damit zusammen, dass die Spitzenkräfte in Indien langsam zu teuer werden?

Ich möchte eher sagen, dass die Spitzenkräfte teurer werden im Verhältnis zu anderen so genannten Emerging Countries. Die Erwartungen in Indien sind hoch. Bei einer Gehaltserhöhung im niedrigen zweistelligen Bereich werde ich von den Mitarbeitern enttäuscht angeschaut. Das liegt unter anderem an der Presse, die die aktuellen Gehaltssteigerungen - gerade in der IT-Branche - immer wieder thematisiert. Wenn ständig Schlagzeilen von 18 Prozent Gehaltssteigerung zu lesen sind, können wir kaum noch mit zwölf Prozent kommen. In den letzten Jahren betrugen die allgemeinen Gehaltserhöhungen durchschnittlich 16 Prozent.

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