Indiens SAP-Chef Clas Neumann im Interview

Inside Bangalore

02.04.2007
Von Anja Tiedge

Ist die Indien-Euphorie für deutsche Unternehmen Risiko oder Chance?

Das kommt auf die Unternehmensgröße an. Für Unternehmen wie SAP, Siemens oder Bosch - also Firmen, die mehrere Tausend Mitarbeiter in der Software-Branche beschäftigen - ist Indien ein wichtiger Standort für Forschung und Entwicklung. Für Deutschland sage ich klar: Indien bedeutet Konkurrenz.

Gerade mittelständische IT-Unternehmen werden Schwierigkeiten haben, sich gegen die Inder durchzusetzen - wenn sie es nicht verstehen den Vorteil zu nutzen, den es definitiv auch gibt. Der liegt darin, Arbeit in Indien einzukaufen, die dort billiger ist und so hier konkurrenzfähiger zu werden.

Also müssen die Konzerne mitziehen, um wettbewerbsfähig zu bleiben?

Ja. Das ist wie in allen anderen Bereichen: Man muss die Kostenstruktur im Auge behalten. Da spielt Indien - zumindest für IT-Firmen - nun mal eine große Rolle.

Würden Sie deutschen Unternehmern heute noch empfehlen, den Schritt nach Indien zu wagen?

Neumann: Grundsätzlich ja, man muss aber viel genauer auswählen als früher. Unternehmer sollten keinem Trend hinterherlaufen, nach dem Motto: "Ich habe gehört, Bangalore ist ein IT-Mekka, deshalb muss ich auch unbedingt hin." Heute sollte man sich viel differenzierter mit dem Land beschäftigen.

Werden die Risiken unterschätzt?

Neumann: In gewisser Weise ja. Indien besitzt eine stabile, zentrale Demokratie, das ist ein Vorteil. Allerdings bestehen politische Risiken, beispielsweise der Konflikt mit Pakistan. Erst vor kurzem wurde in Bangalore ein Terrorist verhaftet, der in Pakistan ausgebildet und nach Indien zur IT-Ausbildung geschickt wurde. Auch innerhalb des Landes gibt es immer wieder terroristische Umtriebe, wie in Assam, wo vor wenigen Wochen 60 Menschen von einer Befreiungsbewegung erschossen wurden.

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