Rückkehr in die Büros

Kaffee nur mit Maske

Karriere in der IT ist ihr Leib- und Magenthema - und das seit 20 Jahren. Langweilig? Nein, sie entdeckt immer neue Facetten in der IT-Arbeitswelt und im eigenen Job. Sie recherchiert, schreibt, redigiert, moderiert, plant und organisiert.
Im Zuge der Coronakrise haben viele Unternehmen ihr Büropersonal ins Homeoffice geschickt. Nun gibt es einen neuen Arbeitsschutzstandard COVID-19, und die ersten Unternehmen bereiten sich auf eine Rückkehr in die Büroräume vor.

Bundesarbeitsminister Hubertus Heil stellte am 16. April mit Stefan Hussy, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung, den "Arbeitsschutzstandard COVID-19" vor. Dieser erweitert den Arbeits- und Gesundheitsschutz in zehn Punkten um Corona-bedingte Regeln.

Mal schnell einen Cappuccino aus der Kaffeeküche holen? Ja, das geht aber nur, wer sich im Büro die Maske aufsetzt. Gemeinsames Warten und Ratschen vor der Kaffeemaschine geht in Corona-Zeiten auch nicht mehr.
Mal schnell einen Cappuccino aus der Kaffeeküche holen? Ja, das geht aber nur, wer sich im Büro die Maske aufsetzt. Gemeinsames Warten und Ratschen vor der Kaffeemaschine geht in Corona-Zeiten auch nicht mehr.
Foto: Ongsa S - shutterstock.com

Sicherheitsabstand oder Maskenpflicht

Die wichtigste Regel betrifft den Sicherheitsabstand von 1,5 Metern zwischen Personen. Hier müssen die ArbeitgeberArbeitgeber organisatorisch und technisch dafür sorgen, dass er eingehalten werden kann. Je nach Bürosituation kann das bedeuten, dass nicht mehr alle Mitarbeiter auf einmal in den Büros arbeiten können und ein Schichtbetrieb notwendig wird. Heil empfiehlt, Büropersonal nach Möglichkeit im Homeoffice zu belassen. Präsenzveranstaltungen, Meetings und Dienstreisen sind auf ein absolutes Minimum zu reduzieren. Alles zu Personalführung auf CIO.de

Dominik Haupt, Geschäftsführer der Internet-Agentur Norisk Group, war ebenso wie die Kolleginnen und Kollegen sechs Wochen im Homeoffice. Nun sind einige Mitarbeiter in die Großraumbüros an den verschiedenen Standorten zurückgekehrt. Die Arbeitsplätze wurden auseinandergezogen. "Ein Großteil der Mitarbeiter hat sich die Rück­kehr gewünscht, daher haben wir unsere Offices wieder geöffnet", sagt Haupt. "Nicht jeder ist dauerhaft für das Homeoffice geschaffen. Acht Wochen allein im Wohnzimmer und das teilweise mit der Familie drum herum, ist keine einfache Arbeitssituation."

Dominik Haupt, Norisk Group: "Nicht ­jeder Mitarbeiter ist dauerhaft für das Home Office geschaffen."
Dominik Haupt, Norisk Group: "Nicht ­jeder Mitarbeiter ist dauerhaft für das Home Office geschaffen."
Foto: Mathis Beutel

Norisk hat es den Mitarbeitern freigestellt ins Büro zurückzukehren. Immerhin verläuft auch die Büroarbeit nicht wie gewohnt. Der Mindestabstand von 1,5 Metern zwischen zwei Personen muss eingehalten wer­den. Wenn das nicht möglich ist, besteht Maskenpflicht, so ein weiterer wichtiger Eckpunkt des neuen Arbeitsschutzstandards. Für die Norisk-Büros heißt das laut Haupt: "Direkt am eigenen Arbeitsplatz kann die Maske abgenommen werden. Bewegt sich der Mitarbeiter allerdings Richtung Kaffeemaschine, muss er einen Mund­schutz tragen." Meetings in der früheren Form gibt es bisher kaum, dafür Videokonferenzen, unternehmensintern wie mit Kunden.

Täglich mehrfach die Hände waschen

Der Arbeitsschutzstandard erfordert auch mehr Hygiene: "Arbeitsplatz, Arbeits­mittel und Arbeitskleidung müssen beständig gereinigt, gelüftet und desinfiziert werden." Zur Reinigung der Hände sind Flüssigseife und Handtuchspender zur Verfügung zu stellen. In den Norisk-Büros finden sich an allen zentralen Stellen Spender mit Desinfektionsmitteln. "Alle Mitarbeiter sind angewiesen, täglich mehrfach die Hände zu waschen", sagt Haupt.

Von den Beschäftigten verlangt der Gesetzgeber, niemals mit Krankheitssymptomen zur ­Arbeit zu gehen, auch nicht mit geringfügigen Anzeichen einer Erkältung. Zudem haben Risikogruppen das Recht auf arbeitsmedizinische Beratung sowie gegebenenfalls auf besonderen Schutz. Einen rechtlichen Anspruch auf Homeoffice können Arbeitnehmer nicht geltend machen, auch nicht, wenn sie auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen sind. Zudem sollten Firmen einen betrieblichen Pandemie-Plan haben. Er sollte Regeln zur raschen Aufklärung von Verdachtsfällen enthalten. Bei bestätigten Infektionen muss das Unternehmen mithelfen, die Kontaktpersonen (Kunden und Mitarbeiter) der infizierten Person zu ermitteln und diese zu kontaktieren.

Erst mal weiter im Homeoffice

Daneben gibt es aber auch Unternehmen, die vorerst noch nicht in die Büroräume zurückkehren - auch weil ihre Erfahrungen im Homeoffice so positiv sind. VMware-Chef Armin Müller zieht ein positives Resümee: "Ich bemerke ich auch eine Entschleunigung des Alltags. Viele von uns, mich eingeschlossen, sind jeden Tag bis zu einer Stunde einfache Strecke in die Arbeit gefahren. Durch den Wegfall der täglichen Pendelei erfahren wir ein Stück mehr Lebensqualität.

Die so gewonnene Zeit lässt sich nicht nur mit der Familie oder für Spaziergänge nutzen. Nicht wenige meiner Kollegen kommen nun auch zu Projekten, die sie längst einmal anstoßen oder umsetzen wollten, zu denen ihnen bislang die Zeit fehlte, sei es Gartenarbeit, künstlerische Tätigkeiten oder einfach nur Lesen."

Armin Müller, VMware: "Durch den Wegfall der täglichen Pendelei erfahren wir ein Stück mehr Lebensqualität."
Armin Müller, VMware: "Durch den Wegfall der täglichen Pendelei erfahren wir ein Stück mehr Lebensqualität."
Foto: VMware

Trotz verteiltem Arbeiten im Homeoffice sei das Teambewusstsein hoch, kürzlich hat VMware für die älteren Kinder der Mitarbeiter einen virtuellen "Teenager Day" organisiert, in dem 24 Jugendliche erzählten, wie sie die Zeit des Home Schoolings und gleichzeitigem Homeoffice ihrer Eltern erleben. Und das VMware-Team hat seinerseits - wie bei dem sonst stattfindenden Girls' Day - seine Aufgaben und Projekte vorgestellt.

Zaungäste in der Videokonferenz

Auch der IT-Dienstleister Orange Business Services befindet sich mit der Belegschaft noch im Homeoffice, arbeitet aber an einem Rückkehrplan. Aus Sicht von Axel Hinze, Managing Director of Germany, Austria and Eastern Europe, haben sich "Zusammenhalt und der Teamspirit der Belegschaft in der Krise noch verstärkt". Das führt Hinze auch auf die neue interne App "Let Me Help" zurück, mit der sich Mitarbeiter gegenseitig und teamübergreifend aushelfen können: "So lassen sich schnell und unkompliziert Hilfesuchende mit den richtigen Helfern zusammenbringen."

Axel Hinze, Orange Business Services: "Haustiere, die am Laptop sitzen, oder Kinder, die in Kostümen und mit Schwertern durch die Videokonferenz huschen, heben die Stimmung in diesen schweren Zeiten."
Axel Hinze, Orange Business Services: "Haustiere, die am Laptop sitzen, oder Kinder, die in Kostümen und mit Schwertern durch die Videokonferenz huschen, heben die Stimmung in diesen schweren Zeiten."
Foto: Orange Business Services

In regelmäßigen Videokonferenzen oder im Intranet begegnen sich die Mitarbeiter regelmäßig und teilen neben dem Geschäftlichen auch "lustige Geschichten und Bilder aus dem Homeoffice-Alltag wie Haustiere, die am Laptop sitzen, oder Kinder, die in Kostümen und mit Schwertern durch die Videokonferenz huschen: Das hebt die Stimmung in diesen schweren Zeiten und sorgt für den einen oder anderen Lacher auch bei den Kunden."

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