IT-Strategietage

KfW steckt 500 Millionen Euro in neue Plattform

08.02.2013
Von Sven Ohnstedt

Rege Diskussion in Vergleichsportalen

"Wir trugen lange Sorgen, dass die Kunden uns nicht wahrnehmen, weil wir mangels Filialen nicht so gut sichtbar sind", so Neumann. Mittlerweile sieht er darin keinen Nachteil mehr: Wenn die Geschäfte vollständig über das Internet abgewickelt werden können, dann werden auch keine Filialen mehr benötigt. Etablierte Banken halten zwar gerne entgegen, dass die Kunden sich weiterhin gerne direkt vor Ort beraten lassen. Neumann sieht das aber anders: "Was sollten sie sonst tun? Im Internet finden sie derzeit die Informationen nun mal nicht."

Zumindest nicht von offizieller Seite: In Vergleichsportalen herrsche durchaus rege Diskussion über die Produkte und Leistungen der Branche. "Das Verkaufsgespräch in der Filiale verliert an Bedeutung", sagt Neumann. Banken müssen sich damit abfinden, dass sie nicht mehr die Informationshoheit innehaben. Dementsprechend ist es auch nicht sinnvoll, den Kunden die Informationen im Internet vorzuenthalten - "so kann es nicht weitergehen."

Die KfW-Bankengruppe investiere, so Neumann, 500 Millionen Euro in die Erneuerung der Prozesse und die darunter liegenden IT-Systeme. Ein Kernelement dabei ist die Modernisierung der Bankdurchleitung, die künftig der steigenden Online-Affinität der Kunden Rechnung tragen soll. Es soll somit eine Online-Plattform entstehen, über die schnell und effektiv die Förderfähigkeit eines Investitionsvorhabens geklärt werden kann. Die KfW habe dazu ein Pilotprojekt mit allen drei Säulen des Kreditwesens aufgesetzt.

"95 Prozent des Geschäfts soll online ablaufen", kommentiert Neumann. Für den Kunden soll es keine Rolle spielen, ob er das Geschäft in der Filiale oder im Internet abschließt. "Das Konzept stammt dabei aus der IT", sagt Neumann.

"So einfach funktioniert das nicht"

Banken besitzen zweifelsohne Know-how sowie hohe Kundenbindung. Sie sollten sich darauf jedoch nicht verlassen: Die Branche sei derzeit damit beschäftigt, die aktuelle Gesetzgebung umzusetzen. Sie gibt dafür viel Geld aus. "Darüber hinaus wird wenig investiert", sagt Neumann. Das könnte sich demnächst rächen – zumal es aufgrund der eigenen Schwächen kaum möglich sei, innovative Startups zu akquirieren. "So einfach wird das nicht funktionieren", sagt Neumann.

Unter dem Strich: Alternative Finanzierungsformen gewinnen zunehmend an Bedeutung. Ohne Online-Plattformen und entsprechende IT wird keine traditionelle Bank mehr auskommen. Sind die Banken diesem Wandel gewachsen? "Ich habe Hoffnung, aber keine besonders große", sagt Neumann, "dafür müsste man langsam mal anfangen."

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