Lust am Nachwuchs

Kids & Company

28.04.2008
Von Eva Müller

Das Erfolgspaar, dessen vier Kinder bereits in Deutschland eine französische Ganztagsschule besuchten, setzt für die Betreuung des Nachwuchses mit größter Selbstverständlichkeit professionelle Hilfe ein. Die Kinderfrau Mimia übersiedelte mit ins neue Zuhause im vornehmen 16. Arrondissement, nahe Triumphbogen und Bois de Boulogne. Sie fährt auch regelmäßig mit ins Feriendomizil auf der Atlantikinsel Île de Ré.

"Kinderbetreuung lässt sich organisieren - wie so vieles im Leben", erteilt Muriel Lienau allen Einwänden gegen die Vereinbarkeit von Karriere und Familie eine kategorische Absage. Das falle einer an einer französischen Eliteschule ausgebildeten Managerin nicht sonderlich schwer. Viel schwieriger sei es, in einer großen Familie jedem Mitglied genügend Aufmerksamkeit zu widmen.

Ihre wenige gemeinsame Zeit erleben die Lienaus deshalb ganz besonders intensiv. Victoire (10) erzählt mächtig stolz, wie sie miteinander das Badezimmer mit selbst gebastelten Muscheldekorationen verzierten. Margaux (14) erinnert sich begeistert an gemeinsame Einkaufstouren in der Frankfurter Kleinmarkthalle: "Und am Abend haben wir dann zusammen gekocht." Das gemeinsame Diner am Wochenende ist den Wahlfranzosen noch heute heilig.

Auf die Frage, warum er eine so vielköpfige Familie gegründet habe, reagiert Roland Lienau irritiert: "Wir haben da keinen besonderen Plan entwickelt. Viele unserer Freunde haben mehrere Kinder." Natürlich spiele es eine Rolle, dass seine Frau es als Französin völlig normal finde, mehr als einmal zu gebären. Jeder weiteren tiefgründigeren Philosophiererei entzieht sich der leidenschaftliche Dealmaker: "Wir haben viele Kinder, weil es uns Spaß macht. Eine Wasserschlacht mit nur einem Kind - das geht doch gar nicht."

Im Nachwuchs einen Spaßfaktor - sprich emotionalen Wert - zu erkennen, diese Vorstellung entwickelte sich in der westlichen Gesellschaft erst vor gut einem Jahrhundert. Bis dahin galt die Idee der Selbstverwirklichung durch Fortpflanzung als völlig abstrus. Reichlicher Kindersegen war in früherer Zeit gemeinhin eine wirtschaftliche Notwendigkeit zur Versorgung im Alter. In gehobenen Kreisen diente er zusätzlich als Ausdruck von Prosperität und Status.

Zur Startseite