CEO-Umfrage von KPMG

Klimawandel gefährlicher als neue Technologien

Christiane Pütter ist Journalistin aus München. Sie schreibt über IT, Business und Wissenschaft. Zu ihren Auftraggebern zählen neben CIO und Computerwoche mehrere Corporate-Publishing-Magazine, vor allem im Bereich Banken/Versicherungen.
CEOs sehen ihre Unternehmen stärker durch Umweltrisiken und den Klimawandel gefährdet als durch disruptive Technologien. Um die Digitalisierung zu stemmen, wollen 84 Prozent in den kommenden drei Jahren Firmen aufkaufen. Das belegt der CEO Outlook 2019 von KPMG.
  • Mehr als acht von zehn CEOs (84 Prozent) erklären, sich persönlich um die IT-Strategie zu kümmern
  • Rund zwei von drei CEOs (65 Prozent) sehen Künstliche Intelligenz (KI) und Robotik als Job-Motor
  • Nur noch 62 Prozent erwarten globales Wirtschaftswachstum – 2019 waren es noch 89 Prozent

"Agil oder irrelevant" betiteln die Wirtschaftsprüfer von KPMG ihre Umfrage unter rund 1.300 CEOs weltweit. Darin geht es um die größten Bedrohungen, die Firmenlenker aktuell sehen, und um ihre Gegenstrategien. Technologie-Themen sind von hoher Bedeutung, stehen aber nicht ganz oben auf der Liste.

Der Klimawandel bereitet CEOs derzeit die größten Sorgen.
Der Klimawandel bereitet CEOs derzeit die größten Sorgen.
Foto: KPMG

Konkret: Gefahren aus Umweltrisiken und Klimawandel führen erstmals die Liste der fünf wichtigsten Bedrohungen an. In der Vorjahresumfrage rangierten sie noch auf dem vierten Platz. Für mehr als drei von vier CEOs (76 Prozent) hängt das künftige Firmenwachstum mit der Fähigkeit zusammen, den ökologischen Fußabdruck des Unternehmens zu verringern. Auf Rang zwei sehen die CEOs nun disruptive Technologien (2018: Platz drei), gefolgt von der Rückkehr des Protektionismus (2018: Rang 1). Cybersecurity steht jetzt auf Platz vier (2018: Platz zwei) und betriebliche Risiken schließen wie schon im Vorjahr die Liste ab.

Ein paar Zahlen zu den technologischen Aspekten: 84 Prozent der CEOs erklären, sich persönlich um die IT-Strategie zu kümmern. Die größte Baustelle sehen sie in ihrer fragmentierten IT-Infrastruktur. Sie beklagen mangelnde Abstimmung zwischen Front-, Middle- und Backend-Funktionen. 79 Prozent sehen einen heutigen CEO stärker in der Verantwortung als die Vorgängergeneration.

Eine stärkere Nutzung der Cloud gilt 79 Prozent als Lösungsweg. 71 Prozent schreiben IT-Security strategische Bedeutung zu; daraus könnten Wettbewerbsvorteile entstehen, sagen sie.

Was das Wirtschaftswachstum betrifft, zeigen sich die Firmenlenker heute deutlich pessimistischer. Hatten 2016 noch 89 Prozent ein globales Wachstum erwartet, sind es jetzt 62 Prozent - und unter den 125 befragten deutschen CEOs sogar nur 50 Prozent. Allerdings nehmen die Deutschen ihren Heimatmarkt aus: 94 Prozent beurteilen ihre Wachstumschancen in der Bundesrepublik optimistisch.

Rund zwei von drei CEOs betrachten Agilität als "neue Währung" im Business.
Rund zwei von drei CEOs betrachten Agilität als "neue Währung" im Business.
Foto: KPMG

Insgesamt erklären die Befragten, ein CEO müsse seine Entscheidungen künftig jederzeit an wechselnde Kundenbedürfnisse, an technologische Innovationen und an die Geschwindigkeit des Wettbewerbs anpassen können. Früher habe es genügt, sich "auf kurzfristige Überraschungen" gefasst zu machen - heute sei ständige Agilität gefragt. 67 Prozent erklären Agilität zur neuen "Währung" im Business. Wer zu langsam agiere, riskiere den Bankrott. Eine Aussage, der 2018 mit 59 Prozent sichtbar weniger Befragte zugestimmt hatten. Ziel ist nun, eine resiliente Firmenkultur aufzubauen.

Qualifizierung und Firmenzukäufe

Teil dessen ist die Qualifizierung der Mitarbeiter. Alle Studienteilnehmer wollen ihre Belegschaft in puncto digitale Skills binnen drei Jahren weiterbilden. 44 Prozent wollen sogar mehr als die Hälfte der Mitarbeiter qualifizieren. Allerdings scheint das nicht zu reichen: 84 Prozent der Befragten wollen "innovative Digitalunternehmen" zukaufen. Angelika Huber-Straßer, Bereichsvorstand Corporates bei KPMG, kommentiert: "Während Fusionen und Übernahmen üblicherweise wegen Skalierung und Synergie-Effekten initiiert werden, geht es bei digitalgetriebenen Mergern und Akquisitionen darum, die Transformation des eigenen Geschäftsmodells durch den Zukauf neuer Technologien oder Dienstleistungen voranzutreiben."

Ein weiterer Aspekt der DigitalisierungDigitalisierung: Rund zwei von drei CEOs sehen Künstliche IntelligenzKünstliche Intelligenz (KI) und Robotik als Job-Motor. Sie erwarten, dass mehr Arbeitsplätze geschaffen als abgebaut werden. 16 Prozent nutzen KI bereits für die Automatisierung von Prozessen. Alles zu Digitalisierung auf CIO.de Alles zu Künstliche Intelligenz auf CIO.de

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