Erst fühlen, dann denken

Körpersprache verrät Emotionen

Renate Oettinger ist Diplom-Kauffrau Dr. rer. pol. und arbeitet als freiberufliche Autorin, Lektorin und Textchefin in München. Ihre Fachbereiche sind Wirtschaft, Recht und IT. Zu ihren Kunden zählen neben den IDG-Redaktionen CIO, Computerwoche, TecChannel und ChannelPartner auch Siemens, Daimler und HypoVereinsbank sowie die Verlage Campus, Springer und Wolters Kluwer.

Erst Kontext schafft Klarheit

Wichtig in diesem Zusammenhang: Wir fühlen, noch bevor wir denken! Daher zeigt Körpersprache oft sehr viel mehr und sehr viel deutlicher, was unser Mund verkündet. Gelegentlich sagen wir sogar das Gegenteil von dem, was wir eigentlich fühlen, denken oder anstreben. Wie nun können wir diese Signale entschlüsseln, für uns verständlich machen und nutzen? Dazu sollten wir schon einmal zwei Richtungen an Signalen unterscheiden.

Es gibt Signale, die eine Art bewusste Vereinbarung sind. Beispielsweise, wenn wir mit Händen und Fingern zählen: Eins, zwei, drei.. Dann weiß unser Gesprächspartner recht genau, dass es sich hier um einen Zahlencode handelt. Von diesen Signalen gibt es viele und sie sind mit dem Kulturkreis, in dem sie angewandt werden, verbunden.

Beispiel: Während wir in Deutschland von der geschlossenen Hand einen Finger nach dem anderen ausstrecken, um hochzuzählen, findet das in Süditalien die genau umgekehrte Entsprechung: Dort wird von den ausgestreckten Fingern einer nach dem anderen geschlossen, um hochzuzählen. Für all diese bewusst vereinbarten Signale brauchen wir also den "ortsüblichen" Code, der sich aus der jeweiligen Kultur heraus ergibt. Die dem Menschen angeborenen Signale sind dagegen über Kulturgrenzen hinweg verständlich. Sie leiten sich im Wesentlichen von unseren Körperfunktionen ab bzw. von den Körperteilen, die damit verbunden sind.

Beispiele: Fassen wir uns während eines Gesprächs auf eine Äußerung des Gegenüber als direkte Reaktion hin ans Ohr, so kann das bedeuten: "Ich habe das noch nicht ganz verstanden." So, als würden wir die Funktionstüchtigkeit unseres Ohres überprüfen. Fassen wir uns dagegen bei gleicher Situation an die Nase oder kneifen sie sogar zu, so kann das bedeuten: "Das, was du mir gerade sagst, stinkt mir. Ich kneife mir die Nase zu, damit ich es nicht riechen muss."

Doch ist das immer so? Klares Jein. Körpersprache findet stets im Kontext des sonstigen Geschehens statt. Unsere Nase kann also auch gejuckt haben, weil wir gerade Schnupfen haben und ans Ohr haben wir gefasst, weil uns dort die halblangen Haare kitzelten. Haltung, Mimik und Gestik sind gekoppelt an alle anderen Vorgänge und Ereignisse während eines Kommunikationsvorgangs. Daher werden sie erst dann "sprechend", und aussagekräftig, wenn diese kombiniert wahrgenommen und interpretiert werden.

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