Strategien


Automobilindustrie

Künstliche Intelligenz hilft beim digitalen Wandel

Wolfgang Herrmann ist Deputy Editorial Director der IDG-Publikationen COMPUTERWOCHE und CIO. Zuvor war er Chefredakteur der Schwesterpublikation TecChannel und stellvertretender Chefredakteur COMPUTERWOCHE. Zu seinen thematischen Schwerpunkten gehören Cloud Computing, Big Data / Analytics und Digitale Transformation.
Von der Backend-IT über die vernetzte Produktion bis zur smarten Kundenschnittstelle: Techniken der künstlichen Intelligenz durchdringen immer mehr Bereiche der Automobilindustrie. Beim digitalen Umbau müssen Autobauer und Zulieferer aber noch viele andere Herausforderungen meistern.

In den 80er Jahren produzierte der Daimler-KonzernDaimler-Konzern den "Baby Benz", offiziell bekannt als C-Klasse. Die Fahrzeugproduktion war seinerzeit eine rein mechanische Angelegenheit und von den IT-Systemen getrennt, berichtet Markus Schäfer, der bei Mercedes Benz Cars den Bereich Produktion und Supply Chain Management verantwortet. "Heute ist IT integraler Bestandteil der Fertigung." Top-500-Firmenprofil für Daimler AG

Nicht nur autonome Fahrzeuge sind auf künstliche Intelligenz angewiesen. Die Automobilindustrie gehört zu den Vorreitern beim Einsatz von KI-Techniken.
Nicht nur autonome Fahrzeuge sind auf künstliche Intelligenz angewiesen. Die Automobilindustrie gehört zu den Vorreitern beim Einsatz von KI-Techniken.
Foto: Andrey Suslov - shutterstock.com

Der schwäbische AutobauerAutobauer produziert mittlerweile in mehr als 30 Fabriken weltweit, jeden Tag müssen 50 Millionen Teile logistisch bewältigt werden. Schäfer: "Die Logistik ist zu einer echten Herausforderung geworden, die weiter zunimmt." Und das ist nur ein Aspekt, den der Konzern im Zuge des digitalen Wandels beachten muss. Die wichtigsten Handlungsfelder sind Connectivity, autonomes Fahren, Shared Mobility sowie die Elektrifizierung der gesamten Fahrzeugflotte. Auf der CES in Las Vegas präsentierte der Hersteller etwa das neue Infotainment-System MBUX, das mit künstlicher Intelligenz und einem innovativen Bedienkonzept punkten soll. Top-Firmen der Branche Automobil

Strategisch wolle sich Mercedes Benz Cars vom Hardwarehersteller zum Mobilitätsdienstleister entwickeln, erklärte Schäfer auf dem Fachkongress automotiveIT in Berlin: "Wir bewegen uns näher zum Kunden." Mit Blick auf die Produktion brauche es dazu durchgängige Wertschöpfungsketten, mehr Flexibilität und eine "360-Grad-Vernetzung" sämtlicher Komponenten. In diesem Kontext arbeitet der Konzern schon seit längerem an Zukunftskonzepten. Die "Factory 56" am Standort Sindelfingen soll die modernste Fabrik der Welt werden und Ende 2019 den Betrieb aufnehmen. Eine halbe Milliarde Dollar hat der Konzern laut eigenen Angaben in das Vorhaben investiert.

Fertigungsexperte Schäfer sieht drei Trends, die die Automobilindustrie nachhaltig verändern: Mit 3D-Drucktechniken werde sich die additive Fertigung auf breiter Front durchsetzen; der Umstieg von Wechselstrom auf Gleichstrom bringe zugleich dramatische Verbesserungen in puncto Energieeffizienz. Last, but not least führe die künstliche Intelligenz (KI) zu weitreichenden Veränderungen der Arbeitsprozesse.

Künstliche Intelligenz in der Porsche-Produktion

Auch Sven Lorenz, CIO der Volkswagen-Tochter PorschePorsche, betont das Potenzial der künstlichen Intelligenz. Er verweist auf eine Prognose des Beratungsunternehmens McKinsey. Durch den Einsatz von KI könnten sich demnach in der Automobilindustrie bis 2025 Kosteneinsparungen beziehungsweise eine Wertschöpfung in Höhe von 215 Milliarden Dollar ergeben. Top-500-Firmenprofil für Porsche

Lorenz sieht zahlreiche Anwendungsfelder in der Automotive-Branche. Im Bereich digitale Produkte und Services ermögliche KI beispielsweise assistiertes und autonomes Fahren, Sprachsteuerung und die Entwicklung "persönlicher Mobilitätsassistenten". Mit Blick auf die Customer Journey könnten intelligente Anwendungen Vorhersagen treffen, Stimmungen analysieren und dem Kunden automatisiert Empfehlungen geben. Nach innen gerichtete Systeme mit KI-Funktionen bildeten die Grundlage für prädiktive Wartung, Robotic Process Automation und Betrugserkennung.

Im Rahmen des Projekts "Sound Detective" arbeitet etwa das Porsche Digital LabDigital Lab in Berlin am Thema Künstliche Intelligenz und Predictive Maintenance in der Produktion (siehe dazu auch: Porsche fährt mit Vollgas in Richtung Digitale Transformation). Das gemeinsam mit dem Startup iNDTact entwickelte System erkennt Geräusche und Vibrationen und soll damit in der Lage sein, frühzeitig Fehler von Maschinen durch Abweichung vom Normalverhalten zu identifizieren. Alles zu Digital Lab auf CIO.de

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