Lena Schaumann

Lieber Gründung als Nachfolge

Christiane Pütter ist Journalistin aus München. Sie schreibt über IT, Business und Wissenschaft. Zu ihren Auftraggebern zählen neben CIO und Computerwoche mehrere Corporate-Publishing-Magazine, vor allem im Bereich Banken/Versicherungen.
Lena Schaumann hatte die Wahl, in dritter Generation ihr Familienunternehmen weiterzuführen oder selbst zu gründen. Sie entschloss sich zur Gründung – nicht ohne Bauchschmerzen.
  • Möbel Schaumann gibt es in Kassel seit 1912
  • Lena Schaumann gründete 2014 Lumizil.de, sie vertreibt online Lampen
  • Sie bezeichnet ihre IT-Infrastruktur als das wichtigste Asset
Lena Schaumann hätte ins Familienunternehmen einsteigen können, gründete aber lieber selbst.
Lena Schaumann hätte ins Familienunternehmen einsteigen können, gründete aber lieber selbst.
Foto: Lumizil/Goetz Schleser

Möbel Schaumann kennt man in Kassel. 1912 hatte der Schreiner Hermann Schaumann das Unternehmen gegründet. 2012, im Jahr des hundertjährigen Jubiläums, studierte Lena Schaumann Business Administration an der WHU. Opa und Vater - der auch Hermann heißt - hätten die junge Frau gerne als Nachfolgerin gesehen. Doch Lena entschied sich, ihre eigene Firma zu gründen. Nicht ganz ohne Bauchschmerzen.

2014 meldete sie die Lumizil GmbH an und vertreibt seitdem online Lampen. Der Firmenname ist denn auch eine Kombination der Worte Lumen und Domizil. Ganz ohne Familie geht es nicht: ihr Vater hält eine Beteiligung, ebenso Wolfgang Hünnekens, Gründer des Institute of Electronic Business (IEB) und Honorarprofessor an der Berliner Universität der Künste. Berlin ist auch der Firmensitz von Lumizil. "Berlin ist ein guter Ort für Startups", begründet Lena Schaumann ihren Ortswechsel. Um gleich anzufügen: "Außerdem wollte ich in die Großstadt!"

Der Älteste in Schaumanns Team ist 38

Während ihr Vater rund 180 Angestellte beschäftigt, ist sie heute Chefin von elf Mitarbeitern. Einer ist Programmierer, die anderen kümmern sich um Marketing, Kundenservice, Vertrieb und weiteres. Auf der Site von Lumizil.de stellen sie sich vornamentlich als "Diana, SEOLady" vor und als "Fabian, Baustellentänzer" oder "Zita, Textingfee". Die junge Unternehmerin selbst erscheint als "Lena, Planschmiede". Feste Arbeitszeiten gibt es bei ihr ebenso wenig wie feste Arbeitsplätze. "Waldemar, Coder" und "Sabrina, YouTubeSternchen" setzen sich mit ihrem Laptop hin, wo sie Lust haben. Der Älteste im Team ist 38. Ob ältere Menschen mit der Arbeitsweise bei Lumizil klar kämen, da hat die junge Unternehmerin Zweifel.

Auf der Website stellen sich die Team-Mitglieder vor. Älter als 38 ist keiner.
Auf der Website stellen sich die Team-Mitglieder vor. Älter als 38 ist keiner.
Foto: Lumizil.de

Sucht Schaumann neue Leute, denkt sie über eine Stellenanzeige in der überregionalen Tageszeitung noch nicht einmal nach. Sie setzt auf Social Media oder Xing. "Und natürlich auf die privaten NetzwerkeNetzwerke", sagt sie. Vielleicht kennt der Freund einen Freund, der einen Freund hat, der mitarbeiten will. Beim Aufbau ihres Teams sei sie gerne bereit, in Hard Skills zu investieren, erklärt Schaumann. Ausschlaggebend beim Recruiting ist "das Leuchten in den Augen" des potenziellen Kandidaten. Passt ja auch zu einem Lampenladen. Alles zu Netzwerke auf CIO.de

Dem Kunden verspricht Lumizil.de intelligente Filter, die die Suche nach der passenden Lampe unter den insgesamt knapp 20.000 Modellen erleichtern sollen. Ein launiger Blog auf der Site soll die Kunden unterhalten. Sie finden Informationen über das Smart Home oder werden darüber aufgeklärt, mit welchen psychologischen Tricks Offline-Geschäfte in Sachen Ladenbeleuchtung arbeiten. Außerdem gibt es Geschenk-Tipps für den Valentinstag und Anregungen, das eigene Zuhause mit dem richtigen Licht gemütlicher zu machen.

Platform-Economy als Selbstverständlichkeit

Zwei Schlagworte der DigitalisierungDigitalisierung prägen Schaumanns Haltung: Plattform und Netzwerk. Die Unternehmerin selbst produziert weder Lampen, noch kauft und lagert sie sie ein. Sie stellt die Verbindung her zwischen dem privaten Endkunden und rund 240 Möbel- und Leuchtenhändlern sowie 16 Herstellern. Schaumann spricht von "exklusiven Einkaufskooperationen". Anders will sich die 27-Jährige Wirtschaft auch gar nicht mehr vorstellen: "Was für ein Quatsch, dass ein Hersteller oder Großhändler die Produkte erst zu mir schickt, ich sie lagere und dann an den Kunden weiterschicke", überlegt sie. Alles zu Digitalisierung auf CIO.de

Natürlich nützt ihr dabei die Herkunft als Tochter eines Möbelhändlers mit dessen Kontakten. Ebenso nützt ihr, dass sie Unternehmertum quasi mit der Muttermilch aufgesogen hat. "Ich habe in der eigenen Familie gute Ratgeber", erkennt sie an. Sie sagt aber auch: "Das allein reicht nicht." Dass sie sich mit einem eigenen Business von der Familie absetzen würde, hatte sie zunächst nicht geplant. In ihrer Bachelor-Arbeit beschäftigte sie sich mit Multichannel in der Möbelbranche. Rund sechs Monate arbeitete sie im väterlichen Unternehmen mit.

Startup und Mittelstand: zwei Welten

Wer nun glaubt, die Möbelbranche, die sei doch ziemlich angestaubt, dem gibt die junge Frau Schaumann recht. Lumizil.de ist der einzige reine Onliner in der Einkaufskooperation. Als ihr wichtigstes Asset nennt Schaumann ihre IT-Infrastruktur. Und vermutlich ist sie "das jüngste Mitglied in der Möbelbranche", wie sie selbst sagt. Ihr Zwischenfazit: "Da muss man es erstmal schaffen, ernst genommen zu werden."

Aus eigener Erfahrung bestätigt Lena Schaumann, dass mit Startup und Mittelstand zwei Welten aufeinander prallen. Sie verschweigt nicht, dass ihr die Abkehr vom Unternehmen, das Vater und Großvater aufgebaut haben, schwer fällt. Zum Glück gibt's ja noch die Geschwister. Die Schwester ist zu klein für eine berufliche Prognose, aber der Bruder zeigt Interesse. Immer auf die Jungs - hat ja auch Tradition.