Top 10 - Peter Schumann, Schenker

Logistiker für gute Laune

Horst Ellermann ist Herausgeber des CIO-Magazins und Ambassador für CIOmove in Deutschland.
Peter Schumann, CIO und Vorstandsmitglied der Schenker AG, hätte jeden Grund, schlecht gelaunt zu sein. Ist er aber nicht. Aus Prinzip.
Peter Schumann, DB Schenker
Peter Schumann, DB Schenker

Schumann vertritt eine These, die verkürzt so lautet: "Gute Mitarbeiter sind auch gut gelaunt." Es gebe keinen Grund miesepetrig durch die Welt zu laufen, sagt der gebürtige Nürnberger. Krisen sind Chancen, Probleme nur Herausforderungen und Rückschläge prima Gedankenanreger. So steht das in allen Motivationsbüchern, von denen Schumann allerdings nach eigenen Angaben noch nie eins gelesen hat. Wozu auch? Der Mann ist intrinsisch motiviert.

Besser so. Denn zunächst einmal gäbe es bei Schenker jeden Grund, schlecht gelaunt zu sein: Die Logistikbranche spiegelt die Finanz- und Wirtschaftskrise eins zu eins wider. Die Bahntochter DB Schenker Rail will knapp 4000 ihrer mehr als 20.000 Stellen in Deutschland abbauen. DB Schenker Logistics, wo Schumann Vorstand für E-Solutions und IT-Management ist, kämpft ähnlich hart um den weltweiten Güteraustausch zu Land, Luft und See. Rund 62.000 Mitarbeiter an rund 1500 Standorten haben 2008 noch einen Gesamtumsatz von 14,7 Milliarden Euro erwirtschaftet - immerhin mehr als der gesamte Personenverkehr der Bahn. Aber das wird dieses Jahr um einen zweistelligen Prozentanteil zurückgehen.

Obendrein dreht sich das Personalkarussell. Die Unruhe seit Abgang des Bahn-CEO Hartmut Mehdorn setzt sich auch in den Tochterunternehmen fort. Schumanns Ex-Chef Norbert Bensel ist gerade Partner der Wiesbadener Unternehmensberatung TransCare geworden. In relativ regelmäßigen Abständen treffen neue DB-Personalmeldungen ein. Der neue Bahnchef Rüdiger Grube beklagt, dass die Systeme in den Paralleluniversen der Bahn nicht wirklich zusammenarbeiten. Schumann könnte angesichts solcher Klagen nervös werden. Wird er aber nicht.

Der 44-Jährige hat Erfolge vorzuweisen, die schon in die Zeit vor Schenker, also vor 2001 zurückreichen. Schumann war CIO bei Opel. Er hat seine berufliche Laufbahn 1985 bei Daimler in Stuttgart begonnen, wo er 1995 zum Abteilungsleiter der IT-Revision ernannt wurde. Die steile Karriere verleiht ihm ein gesundes Maß an Selbstvertrauen. Außerdem sieht er Anzeichen, dass die Talsohle der konjunkturellen Krise erreicht ist, jedenfalls in der Logistik: "Wir haben bei den Halbjahreszahlen zwar deutliche Bremsspuren gesehen, aber es gibt Anzeichen, dass der Boden erreicht ist", sagt Schumann.

"Nature-stoned"

CW: Sie haben mal in einem Anfall guter Laune gesagt: Gute Mitarbeiter sind auch gut gelaunt? Stimmt die Aussage so generell?

Schumann: Na ja, war vielleicht etwas pauschal. Was ich sagen wollte: Gute Mitarbeiter können sich selbst motivieren. Und motivierte Mitarbeiter erzielen auch häufig eine gute Leistung.

CW: Orientieren Sie sich an Motivationsbüchern?

Schumann: Nein. Ich orientiere mich an meiner Arbeit, nicht an irgendeinem Buch. Ich stelle mich auch nicht schreiend vor meine Mannschaft oder tanze auf der Bühne herum wie Steve Ballmer. Das sähe vermutlich lächerlich aus.

CW: Das heißt, Sie sind von Natur aus gut gelaunt. Nature-stoned sozusagen?

Schumann: Nature-stoned, klingt gut. Ja, das könnte sein. Sonst würde ich ja nicht in der IT arbeiten (lacht). Ich brauche wenig Motivation von außen. Es ist eh in einer solchen Position kaum noch jemand da, der Sie motiviert. Manchmal ist die Lage oder das Geschäftsumfeld eben nicht motivierend. Da ist man entweder gut in Selbstmotivation, oder man erreicht nichts. Selbstverständlich trägt aber auch das private Umfeld - Hobbys, Familie - stark zum persönlichen Wohlbefinden, der guten Laune und somit zur Motivation bei. Selbstmotivation gelingt aber natürlich nicht an jedem Tag in gleicher Weise. Auch ich habe schlechte Tage.

CW: Sehen Ihre Zahlen für 2009 sehr demotivierend aus?

Schumann: Wir unterscheiden uns da nicht von den anderen Logistikern. Auch wir sehen bei den Sendungszahlen oder Tonnagen zweistellige Rückgänge. Wobei es Anzeichen gibt, dass der Boden jetzt erreicht ist.

CW: Sie sind jetzt seit 2001 bei Schenker. Davor waren Sie CIO bei Opel und viele Jahre in verschiedenen Rollen bei Daimler. Sehnen Sie sich manchmal in die Autoindustrie zurück?

Schumann: Nicht unbedingt. Logistik ist spannend, genauso spannend wie Automobilindustrie. Und im Augenblick mit Einschränkungen auch etwas zukunftsträchtiger, jedenfalls so lange, bis die Überkapazitäten in der Autoproduktion abgebaut sind. Aber ich will nicht kategorisch ausschließen, dass ich noch einmal die Branche wechsle. Ich habe ja noch zirka 20 Jahre Berufsleben vor mir.

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