Strategien


KI, Analytics, Automatisierung

Merck will Self-Driving Supply Chain bauen

Christiane Pütter ist Journalistin aus München. Sie schreibt über IT, Business und Wissenschaft. Zu ihren Auftraggebern zählen neben CIO und Computerwoche mehrere Corporate-Publishing-Magazine, vor allem im Bereich Banken/Versicherungen.
Wenn es Merck Healthcare gelingt, eine "selbstfahrende Lieferkette" herzustellen, würde diese ähnlichen Einfluss haben wie die Blockchain. Davon ist jedenfalls CIO Alessandro de Luca überzeugt. Auf dem Innovationsforum von Accenture stellte er seine Vision vor.
  • Die "Technology Journey" beginnt im Stadium der Daten-Silos und führt über harmonisiertes und kognitives Daten-Management hin zum autonomen System.
  • De Lucas Credo: wer Mitarbeiter und Stakeholder überzeugen will, muss ihnen zuerst einmal zuhören
  • Der Schlüssel zum Projekterfolg liegt in der Kommunikation.
  • Um Mitarbeiter zu inspirieren, muss man kein Showman sein.
Merck Healthcare-CIO Alessandro de Luca skizziert auf dem Innovationsforum von Accenture seine Vision einer selbststeuernden Lieferkette.
Merck Healthcare-CIO Alessandro de Luca skizziert auf dem Innovationsforum von Accenture seine Vision einer selbststeuernden Lieferkette.
Foto: Hasan Baran Özkan

Vergleichbar mit dem selbstfahrenden Auto muss auch die Lieferkette funktionieren. Alessandro de Luca, CIO der Healthcare-SparteHealthcare-Sparte der Merck GroupMerck Group, will eine solche Lieferkette installieren. Auf dem Innovationsforum von Accenture stellte er sein Projekt, für das er mehrere Jahre ansetzt, vor. Der CIO ist überzeugt: "Eine solche Lieferkette hat einen ähnlichen Einfluss wie die Blockchain!" Top-500-Firmenprofil für Merck Alles zu Healthcare IT auf CIO.de

De Lucas Ziel ist es, Merck Healthcare schneller reagieren zu lassen. Beispielsweise kann in einer bestimmten Region eine Welle an Infektionen ausbrechen, die Menschen können nach Stürmen oder Überflutungen Medikamente brauchen, oder es können sich einfach das Patientenverhalten oder der Markt ändern - dann soll das Unternehmen zügig liefern können. De Lucas Rezept: Künstliche Intelligenz, Data Analytics und Automatisierung.

Sensoren und Algorithmen sollen die Lieferkette befähigen, ständig Daten zu analysieren und die richtigen Produkte in der richtigen Geschwindigkeit auszuliefern. Das System soll Bedarfsspitzen wie Flauten selbstständig voraussehen können.

Der CIO ist seit 2011 bei Merck Healthcare. Anfang 2017 bescheinigte ihm unsere Schwesterpublikation cio.com, "mit dem Silicon Valley zu kuscheln". De Luca hat sich dort Partner für seine "self-driving supply chain" gesucht.

Vier Stationen einer "Technology Journey"

Auf dem Innovationsforum skizzierte de Luca vier Stationen einer "Technology Journey". Diese sind:

1. Daten in Silos

Am Anfang der Reise liegen Daten in Silos. Anwender und Entscheider hatten wenig Einblick, die Qualität der Daten (zum Beispiel im Hinblick auf Genauigkeit) stimmt nicht. Das bezieht sich auf Enterprise Data (SAP, Oracle und andere) ebenso wie auf externe Daten etwa von den Aktienmärkten und Wetterstationen und IoT-Daten (Internet of Things) aus Sensoren und Instrumenten. Erkenntnisse aus Daten lassen sich nur rückblickend gewinnen.

2. Harmonisierte Daten

Hier wird bereits mit Daten in Realtime gearbeitet. Sichtbarkeit kann End-to-End hergestellt werden, das Unternehmen setzt kognitive Daten-Modelle ein.

Der Italiener Alessandro de Luca ist CIO bei Merck Healthcare.
Der Italiener Alessandro de Luca ist CIO bei Merck Healthcare.
Foto: Hasan Baran Özkan

3. Kognitives Daten-Management

Das Unternehmen arbeitet mit Künstlicher Intelligenz (oder AI für Artificial Intelligence). Data Scientisten ermöglichen datengetriebene Ausblicke auf die Zukunft.

4. Selbststeuernde Systeme

Die letzten Lücken sind geschlossen. Das System entscheidet und arbeitet eigenständig.

"Change" ist gleichbedeutend mit Kommunikation

Den Schlüssel zum Gelingen dieses Projektes sieht de Luca in der Kommunikation. Der Titel "Change Manager" ist für ihn gleichbedeutend mit "Communication Manager". Sein Ratschlag an Entscheider: "Learn, look, partner!" Alleine könne ein Unternehmen ein solches Vorhaben nicht stemmen.

2016 erhielt de Luca von Mercks Biopharma-Sparte den Titel "Inspirational leader of the year". Gegenüber unserem Magazin erklärt er, diese Fähigkeit sei nichts Angeborenes. Andere zu inspirieren heiße, ihnen zuzuhören. Wer aufmerksam zuhöre, lerne die Sprache der jeweiligen Stakeholder und könne sie dann in ihren Worten überzeugen. De Luca: "Sie brauchen kein Showman zu sein!"

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