Führungskräfte, Akademiker ...

Mobiles Arbeiten führt zu Mehrarbeit - macht aber zufrieden

08.09.2017
Über die Hälfte der Beschäftigten in Deutschland arbeitet laut einer Studie mit PC, Laptop oder Smartphone. Gerade Führungskräfte, Akademiker und Handwerker sind viel von unterwegs im Einsatz. Sie arbeiten oft mehr - und sind trotzdem zufrieden.
Vielflieger: Mobiles Arbeiten ist eine Form, die Möglichkeiten der Digitalisierung zu nutzen.
Vielflieger: Mobiles Arbeiten ist eine Form, die Möglichkeiten der Digitalisierung zu nutzen.
Foto: Matej Kastelic - shutterstock.com

Arbeiten außerhalb des Betriebs mit PC, Laptop oder Smartphone führt einer Studie zufolge zu Mehrarbeit, kann aber dennoch zufrieden machen. Wissenschaftler am arbeitgebernahen Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln haben herausgefunden, dass sogenannte mobile Computer-Arbeiter in Deutschland am häufigsten Arbeitstage von mehr als zehn Stunden haben. Die Arbeitszufriedenheit dieser Menschen ist trotzdem hoch.

"Das Interessante ist, dass diese Menschen dafür mehr Autonomie haben, das heißt, sie haben mehr Souveränität zu entscheiden: Wie arbeite ich, wann arbeite ich, was arbeite ich", sagte Studienautor Oliver Stettes. Insgesamt führe dies zu einer Balance.

So gaben rund 63 Prozent der mobilen Computerarbeiter an, dass sie während der Arbeit ohne große Komplikationen ein bis zwei Stunden für persönliche Angelegenheiten frei nehmen können. Als Computer-Arbeiter gelten Beschäftigte, die mindestens ein Viertel ihrer Zeit mit PC, Laptop und Smartphone arbeiten. Insgesamt sind das über alle Berufsgruppen hinweg 55 Prozent der Beschäftigten in Deutschland.

Ständige Erreichbarkeit

Kritiker warnen indes vor der Belastung für Arbeitnehmer durch ständige Erreichbarkeit. Eine Studie der Universität St. Gallen weißt etwa darauf hin, dass die ständige Erreichbarkeit das Familienleben und die Gesundheit stark belasten können. Die IG Metall mahnt, die gesetzlichen Grenzen für Arbeitszeiten müssten auch im digitalen Wandel erhalten bleiben.

Mobiles Arbeiten sei eine Form, die Möglichkeiten der Digitalisierung zu nutzen, sagt dagegen Studienautor Stettes. Ob sie genutzt werden, hänge von den Menschen und dem Betrieb ab. "Bei der ArbeitszufriedenheitArbeitszufriedenheit, die in Deutschland sowie so sehr hoch ist, gibt es keinen Unterschied. Es gibt insgesamt eine positive Wahrnehmung. Auch die mobilen Computerarbeiter signalisieren: Das passt so für mich." Alles zu Personalführung auf CIO.de

Dass sich die Arbeit stärker in den Privatbereich verlagert, davon geht Timo Braun, Wirtschaftswissenschaftler an der Freien Universität Berlin, jedoch nicht aus. "Bei der Telearbeit hat man schon Anfang der Neunzigerjahre gesehen, dass diese für die Betriebe nur in einem sehr begrenzten Rahmen praktikabel ist", sagt er. "Die Digitalisierung wird sich stärker auf einfache Arbeitsformen und die Produktion ausweiten, zum Beispiel auf Arbeiter am Band. Sie können zum Beispiel Maschinen per Tablet steuern und überwachen."

Co-Working-Spaces

Potenzial für mobiles Arbeiten sieht Braun vor allem in Großstädten in Form von Co-Working-Spaces, bei denen sich mehrere Menschen, die bei verschiedenen Arbeitgebern beschäftigt sind, ein oder mehrere Arbeitsplätze gemeinsam teilen.

Über die Hälfte der Beschäftigten arbeitet der IW-Studie zufolge zumindest gelegentlich außerhalb des Betriebs, hauptsächlich bei Kunden. Vor allem sind dies Handwerker, Führungskräfte und Akademiker. Nur knapp 8 Prozent arbeiten mehrmals im Monat oder häufiger von zu Hause aus.

Unter den rund 20 Prozent, die häufiger außerhalb am PC, Laptop oder Smartphone arbeiten, sind besonders viele Führungskräfte und Beschäftigte in akademischen Berufen. Im europäischen Vergleich liegt Deutschland damit im Mittelfeld. In Dänemark und Schweden arbeiten sogar mehr als drei Viertel der Beschäftigten mobil.

Für die Studie haben die Wissenschaftler Daten der Umfrage European Working Conditions Survey 2015 ausgewertet. Dafür wurden mehr als 43000 Erwerbstätige aus 28 Ländern der Europäischen Union, der fünf Beitrittskandidaten Montenegro, Serbien, Türkei, Albanien, Mazedonien sowie der Schweiz und Norwegen befragt. Der IW-Auswertung für Deutschland lagen Angaben von über 1600 Angestellten zugrunde. (dpa/rs)

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