Unfallursache Smartphone

Multitasking im Straßenverkehr ist ein Mythos

02.02.2017
Handy am Steuer - das ist eine riskante Kombination. Die Stimmen für schärfere Konsequenzen mehren sich. Denn mit Googeln und Mailen während der Fahrt geht man ein zwölffach höheres Unfallrisiko ein.
Unfälle durch Smartphones nehmen zu.
Unfälle durch Smartphones nehmen zu.
Foto: Pair Srinrat - shutterstock.com

Wegen der hohen Gefahr, die durch die Nutzung der Geräte während der Fahrt ausgeht, fordert der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR) schärfere Mittel. Die Vorstellung, man könne zugleich konzentriert Auto fahren und ein Smartphone nutzen, sei ein Trugbild, so Hauptgeschäftsführer Christian Kellner im Interview der Deutschen Presse-Agentur.

Herr Kellner, was ist daran gefährlich, während der Fahrt ein Smartphone zu benutzen?

Christian Kellner: Man ist abgelenkt. Denn man kann nur sehr begrenzt parallele Informationen aufnehmen. Beim Autofahren soll man sich deshalb auf den Straßenverkehr konzentrieren und möglichst wenig fahrfremde Tätigkeiten ausüben.

Sie trauen Autofahrern kein Multitasking zu?

Christian Kellner: Multitasking ist ein Mythos. Es gibt eine Studie aus den USA. Dabei wurden 3500 Autofahrer beobachtet, die zusammen 35 Millionen Meilen gefahren sind. Die Fahrer waren in 905 Unfälle verwickelt. Bei 68 Prozent dieser Unfälle gab es beobachtbare Ablenkungsfaktoren, unter anderem Telefonieren mit dem Handy Eingeben von Nachrichten. Daraus lässt sich errechnen, dass Autofahrer, die während der Fahrt mit dem Telefon in der Hand wählen, ein zwölffach höheres Unfallrisiko haben.

Wie viele Unfälle werden durch Smartphone-Ablenkung verursacht?

Christian Kellner: Verlässliche Zahlen für Deutschland gibt es nicht. Aber alle Experten sind sich einig, dass die Zahl steigt. SmartphonesSmartphones sind verführerisch, weil sie so unterschiedlich genutzt werden können. Und sie sind immer weiter verbreitet. Mittlerweile haben drei Viertel der Bevölkerung ein Smartphone. Die Geräte werden nicht nur privat, sondern auch beruflich immer öfter während der Fahrt eingesetzt. Dabei sind die meisten Menschen sich des großen Risikos überhaupt nicht bewusst, dass sie durch die Nutzung der Geräte eingehen. Alles zu Smartphones auf CIO.de

Zur Person: Christian Kellner (62) ist studierter Diplompädagoge. Seit 2004 Jahren ist er Hauptgeschäftsführer des Deutschen Verkehrssicherheitsrates. (dpa/rs)

Links zum Artikel

Thema: Smartphones

Kommentare zum Artikel

Ronald Wiltscheck

100%-ige Zustimmung!

Horst Ulrich Köther

Da baut man Kollisionswarner und automatische Bremssysteme, Spurhaltesysteme mit automatischer Korrektur, Tempomaten mit automatischer Abstandshaltung, angefangen mit dem "verdammten" ESP in die Autos ein, damit der Autofahrer sich über Physik und die anderen Angelegenheiten des Fahrens keine Gedanken machen muß (gut, Physik wird sowieso abgewählt und Verantwortung übernehmen Politiker ja auch nie). Jetzt wundert man sich, daß der Fahrer die gewonnene Zeit nutzen will? Hat denn keiner mehr gelernt, daß man Verantwortung lehren muß? Wer sich heute umschaut, müßte, so er geistig in der Lage ist, erkennen, daß einem jungen Menschen das abgewöhnt wird! Wie kommt man also auf das schmale Brett, daß jetzt auf einmal erwarten zu können? Der olle Goethe hat das mal so formuliert: "Man könnte erzogene Kinder gebären, wenn denn die Eltern erzogen wären.".

comments powered by Disqus
Zur Startseite