Renitente Infrastruktur

Nicht alle Server kommen in die Cloud

Alexander Freimark wechselte 2009 von der Redaktion der Computerwoche in die Freiberuflichkeit. Er schreibt für Medien und Unternehmen, sein Auftragsschwerpunkt liegt im Corporate Publishing. Dabei stehen technologische Innovationen im Fokus, aber auch der Wandel von Organisationen, Märkten und Menschen.
Der Wunsch, Server im eigenen Rechenzentrum zu haben, ist groß. Sie ganz in die Cloud auszulagern wird nie gelingen. Über die "Renitenz von Infrastruktur".
Hermann-Josef Lamberti Ex-COO der Deutschen Bank: "Wer lange in der Branche unterwegs ist, weiß, dass Infrastrukturen einen hohen Renitenzgrad haben."
Hermann-Josef Lamberti Ex-COO der Deutschen Bank: "Wer lange in der Branche unterwegs ist, weiß, dass Infrastrukturen einen hohen Renitenzgrad haben."
Foto: Deutsche Bank

"Das Weltbild des CIOs wird sich verändern", sagt Hermann-Josef Lamberti, ehemaliger CIO und Chief Operating Officer (COO) der Deutschen Bank. Die VirtualisierungVirtualisierung der Infrastruktur führe zu einem Abnabelungseffekt zwischen Mensch und Maschine. Als eine Art "Cloud-Broker" müsse sich der IT-Verantwortliche vornehmlich darum kümmern, "dass alle Dienste homogen und uneingeschränkt zur Verfügung stehen". Alles zu Virtualisierung auf CIO.de

Dietmar Wendt, bis zum vorigen Jahr noch Geschäftsführer Sales von T-Systems, dürften diese Aussichten freuen. Der Manager wettete im vergangenen Jahr mit dem CIO-Magazin, "dass die meisten Unternehmen in zehn Jahren keine eigenen ServerServer mehr haben". Das Modell des großen Rechners, der im Keller seinen Dienst verrichtet, gehöre 2021 der Vergangenheit an. Stattdessen würden Firmen Infrastrukturleistungen wie Server, StorageStorage und Hardware einfach über das Netz beziehen und nach Bedarf bezahlen. "Die Infrastruktur", so Wendt, "wird die erste Leistung sein, die wir komplett als Service aus der Wolke nutzen, als Commodity-Leistung wie Strom und Wasser." Alles zu Server auf CIO.de Alles zu Storage auf CIO.de

Gartner-Analyst und IT-Service-Experte Frank Ridder beurteilt diese Aussagen ein wenig zurückhaltender: "Das Wort 'Wette' könnte gut gegen 'Wunsch' ausgetauscht werden." Seiner Einschätzung nach werde es immer spezifische Anwendungen geben sowie Unternehmen, die nicht alles aus dem Netz beziehen können und wollen: "Als Versicherer muss ich mir lange überlegen, ob ich meine Policen in der Cloud kalkuliere." Die Argumentation, dass die zugrunde liegende Infrastruktur den Inhalt des Services nicht beeinflussen wird, ist Ridder zufolge "stark geprägte Service-Provider-Denke" - der Markt werde sich nicht so schnell wandeln.

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Auch wenn zehn Jahre eine relativ lange Zeit in der IT sind: IDC-Analyst Rüdiger Spies hält "klar gegen die Wette". Als Beispiel verweist er auf die Automobilbranche, die bei der KonsolidierungKonsolidierung rund 20 Jahre Vorsprung vor der IT habe. Hier sei die Fertigungstiefe reduziert, "aber nicht auf null gefahren worden". Die wirklich wertschöpfenden Faktoren wie das Design, das Branding oder die Integration der Komponenten würden nach wie vor im eigenen Unternehmen gefertigt oder direkt beim Dienstleister beauftragt. Zudem ist Spies überzeugt, dass die Informationstechnologie trotz des Vergleichs mit Strom und Wasser immer noch zu großen Teilen keine Commodity ist. "Und es war selten eine gute Idee, wichtige Differenzierungsmerkmale von außen zu beziehen." Alles zu Konsolidierung auf CIO.de

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