Public IT


Projekte mit langen Laufzeiten

Öffentlicher Dienst profitiert von IT-Freiberuflern

Ina Hönicke ist freie Journalistin in München.
Von wegen langweilig: Externe IT-Profis arbeiten gerne in der öffentlichen Verwaltung. Die Aufgaben sind technisch und inhaltlich oft spannender als gedacht, die Projekte haben lange Laufzeiten, und die Auftraggeber zahlen meist pünktlich.
Freiberufler entdecken die öffentliche Verwaltung als Auftraggeber mit interessanten Projekten.
Freiberufler entdecken die öffentliche Verwaltung als Auftraggeber mit interessanten Projekten.
Foto: Africa Studio, Fotolia.com

Dass Behörden und Verwaltungen bei Hochschulabsolventen und Young Professionals nicht das beste Image haben, ist nichts Neues. IT-Freelancer dagegen schätzen eine gewisse finanzielle Sicherheit, die langfristige Mitarbeit in Projekten und den Wissenszuwachs auf Gebieten, in denen die Konkurrenz nicht so groß ist. "Externe, die über den Tellerrand hinausblicken, entdecken zunehmend ihr Interesse für den öffentlichen Dienst", sagt Carlos Frischmuth, beim Personaldienstleister Hays verantwortlich für Kunden aus dem Behördenumfeld. Allerdings sei vielen öffentlichen Auftraggebern das Potenzial von IT-Freiberuflern noch nicht ausreichend als Alternative bekannt.

Laut Frischmuth arbeiten die Öffentlichen bevorzugt mit eigenen IT-Fachkräften, die aber durch den Wettbewerb mit den privatwirtschaftlichen Arbeitgebern immer schwerer zu bekommen seien - "hier findet erst langsam ein Umdenken statt". Dabei haben die freiberuflichen IT-Experten für den Public Sector einiges zu bieten: Sie verfügen über Erfahrung, haben in puncto Qualifikation die Nase vorn, waren bereits auf vielfältigen Gebieten tätig und sind mit Projekt- und Teamarbeit seit Jahren vertraut.

Zu den Unternehmen im öffentlichen Sektor, in denen Freelancer aufgrund ihres Spezialwissens dringend benötigt werden, gehört die Gematik. Als bundesweites Kompetenz- und Kommunikationszentrum ist sie vom Gesetzgeber mit Einführung, Betrieb und Weiterentwicklung der Telematikinfrastruktur im Gesundheitswesen, der elektronischen Gesundheitskarte sowie zugehöriger Fachanwendungen beauftragt.

Ulf Hönick, Gematik: Für die Einführung der elektronischen Gesundheitskarte sucht er dringend IT-Security-Spezialisten, gerne freie.
Ulf Hönick, Gematik: Für die Einführung der elektronischen Gesundheitskarte sucht er dringend IT-Security-Spezialisten, gerne freie.
Foto: Gematik

"Seit die neue Gesundheitskarte ins Feld gebracht worden ist, benötigen wir dringend entsprechende Spezialisten", erklärt Ulf Hönick, Gesamtprojekt-Manager bei der Gesellschaft für Telematikandwendungen der Gesundheitskarte. Eine der größten Anforderungen für ein solches Projekt sei die IT-Security. Leider gebe es hierfür zu wenige Spezialisten. Gebraucht würden sie dringend für die Public Key Infrastructure (PKI) im Rahmen der sicheren Vernetzung. "Die Einführung der elektronischen Gesundheitskarte ist erst die Spitze des Eisbergs der flächendeckenden Vernetzung des Gesundheitswesens", so Hönick weiter. Den wenigsten sei bewusst, dass es sich langfristig um eines der größten IT-Infrastrukturprojekte in Europa, wenn nicht sogar weltweit handele.

Wer die Branche kennt, ist im Vorteil

Um dieses Projekt über die Bühne zu bringen, arbeitet die Gematik mit über 200 fest angestellten Mitarbeitern und etwa 40 Freelancern. Damit ist Hönick zufolge das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht. Neues Personal stehe ganz oben auf der Prioritätenliste. Die Externen, die über spezielles Know-how verfügen müssten, würden entweder von professionellen Vermittlern rekrutiert oder über klassische Beratungsfirmen, die über öffentliche Aufträge im Kompetenzzentrum arbeiteten. Die Eintrittskarte für den Job sei eine gute Vernetzung im deutschen Gesundheitswesen - gepaart mit fundiertem Fachwissen.

Für Hönick steht fest, dass Freelancern in Projekten des Gesundheitssektors oder bei anderen öffentlichen Auftraggebern anschließend vielfältige Beschäftigungsoptionen offenstehen: "Von der IndustrieIndustrie werden sie mit Handkuss genommen, weil das im öffentlichen Sektor gewonnene Know-how immens wichtig ist." Oftmals werde den Externen eine Festanstellung angeboten - auch bei der Gematik komme das vor. Top-Firmen der Branche Industrie

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