LinkedIn-Gründer im Interview

"Open BC hat den Weg für uns bereitet"

26.02.2007
Von Simon Hage

Wie viel Risikokapital haben Sie bereits bezogen? Wer sind - neben Sequoia Capital - die Geldgeber?

In einer ersten Finanzierungsrunde haben wir 4,7 Millionen US-Dollar erhalten, vier Millionen davon hat Sequoia Capital getragen. Die restlichen 700.000 Dollar haben Business Angels beigesteuert - also prominente Branchenvertreter, die in ein aufstrebendes Unternehmen investieren wollen. Dazu gehören in unserem Fall beispielsweise Marc Andreessen, der Mitbegründer von Netscape, oder Peter Thiel, einer der Gründer von PayPal.

Dann gab es vor zwei Jahren noch eine zweite Finanzierungsrunde mit zehn Millionen Dollar, die der Venture Capitalist Greylock Partner investiert hat. Das Kapital hat letztlich ausgereicht, um LinkedIn profitabel zu machen.

Sie werden bestimmt eine stattliche Summe brauchen, um das Europa-Geschäft auszuweiten und auch in Deutschland Fuß zu fassen.

Nein. Ich denke nicht, dass unsere Expansion viel Geld kosten wird. Wir planen ja keine große Anzeigenkampagne. In Europa - außerhalb von Deutschland - haben wir bereits drei Millionen Mitglieder. Im Vergleich zu Xing, wie Open BC inzwischen heißt, ist das mehr als das Zehnfache. In Deutschland ist Xing uns noch deutlich voraus. Doch auch hier werden wir organisch wachsen, indem wir stärkere Anreize für die Mitgliederwerbung schaffen und eine deutsche Version auf den Markt bringen.

Wie beurteilen Sie die Umbenennung von Open BC in Xing?

Das ist für mich schwer zu beurteilen. Jedenfalls ist ein Markenwechsel immer ein Risiko, weil man die bestehenden Mitglieder irritiert. Coca-Cola oder Siemens würden kaum auf die Idee kommen, sich umzubenennen. Denn man weiß vorher nie genau, ob sich Neukunden dadurch wirklich besser gewinnen lassen. Aber bei Open BC hat man sich diesen Schritt sicher gut überlegt.

Warum ist Open BC beziehungsweise Xing denn viel populärer in Deutschland als LinkedIn? Sind Sie zu spät dran mit Ihrer Expansion?

Open BC hat einen guten Job gemacht. Man hat sich von Anfang an auf Deutschland konzentriert und war im Markt und in der Presse präsent. Viele Leute in Deutschland wissen gar nicht, dass es eine Alternative zu diesem Angebot gibt. Doch der Rummel um den Open-BC-Börsengang war sehr vorteilhaft für LinkedIn - wir haben seither wesentlich mehr Anmeldungen aus Deutschland. Denn in Medienberichten werden wir häufig als größter Konkurrent genannt. Viele Xing-Nutzer möchten deshalb auch unser Angebot kennenlernen.

Zur Startseite