LinkedIn-Gründer im Interview

"Open BC hat den Weg für uns bereitet"

26.02.2007
Von Simon Hage

Insofern war der Börsengang eine positive Marketing-Aktion für uns. Zudem hat Open BC beziehungsweise Xing schon viele Leute in Deutschland für uns trainiert - und damit den Weg für LinkedIn bereitet. Xing-Mitglieder wissen bereits, wie Business-Portale funktionieren und vernetzen sich deshalb schneller als Nutzer aus anderen europäischen Ländern oder aus Amerika. Insofern hat Xing schon eine gute Vorleistung für unsere Expansion erbracht.

Das heißt, Sie brauchen selbst kaum noch Marketing zu betreiben?

Es gibt natürlich viele Leute, die sich nicht auch noch bei einem zweiten Netzwerk anmelden möchten. Viele mögen sich nun aber auch denken: Warum soll ich 5,95 Euro für eine Premium-Mitgliedschaft bezahlen? Bei LinkedIn kann ich alle Suchfunktionen kostenlos benutzen und kann Leute innerhalb meines Netzwerks kostenlos kontaktieren.

Dafür muss sich der User bei LinkedIn mit Anzeigen und Werbebannern herumärgern.

Wir haben ein anderes Geschäftsmodell. Bei Xing ist alles auf die Premium-Mitgliedschaften ausgelegt. Wer sich ohne Premium-Mitgliedschaft anmeldet, merkt sehr schnell, dass er für viele wichtige Funktionen bezahlen muss. Bei LinkedIn ist das anders. Zwar gibt es auch bei uns eine Premium-Version, doch auch Werbung ist eine wichtige Einnahmequelle. Dadurch ist es uns möglich, die freie Version reichhaltiger auszustatten.

Freie Mitglieder sind bei uns keine Trittbrettfahrer, die wir als zukünftige Premium-Mitglieder ansehen. Für uns sind das Leute, die eine Menge Wert schaffen. Zum einen klicken sie auf Werbung, zum anderen machen sie das Netzwerk durch ihre persönlichen Einträge wertvoller. So gesehen, erledigen die User für uns die Produktentwicklung.

Ähnlich wie LinkedIn verfolgt nun auch die neu geschaffene Open Business Club AG, das Unternehmen hinter Xing, eine globale Strategie. Zunächst sollen vor allem die USA anvisiert werden. Haben Sie die Sorge, dass Sie bald nicht mehr Weltmarktführer sind?

Außerhalb von Deutschland haben wir 16-mal so viele Mitglieder wie Xing. Wenn es bei einem Fußballspiel 16:1 steht, ist das Aufholen für den Gegner nicht einfach. Große Sorge habe ich bei diesem Vorsprung also nicht. Ich denke, dass es für Xing schwierig wird, über Akquisitionen zu wachsen. Denn es gibt keine anderen, größeren Business-Netzwerke zu kaufen. Auf dem Markt sind nur noch ein paar kleinere Konkurrenten in Frankreich oder der Türkei. Selbst wenn Xing sich mit den 20 nächstgrößten Netzwerken vereinigt, ist das Portal danach noch immer wesentlich kleiner als LinkedIn.

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