Cloud Computing


Open Source Software wird teures Cloud-Risiko

Patent-Trolle schießen sich auf Cloud-User ein

Stefan C. Schicker ist Partner von SKW Schwarz Rechtsanwälte.
Alle Daten in die Cloud - für viele Firmen ist das längst Wirklichkeit. Häufig wird dabei Open Source Software genutzt. Das kann teuer werden, denn Patent-Trolle machen gezielt Jagd auf diese Nutzer.
Patent-Trolle verklagen verstärkt Cloud-Nutzer. Besonders Open Source Software ist hier problematisch.
Patent-Trolle verklagen verstärkt Cloud-Nutzer. Besonders Open Source Software ist hier problematisch.
Foto: ARudolf - shutterstock.com

Zugriff auf Firmendaten immer und von überall macht Mitarbeiter unabhängig, hilft Prozesse zu vernetzen; eine flexible Skalierung der IT-Infrastruktur spart Zeit und Kosten. Die Kehrseite: Cloud-Dienste machen Unternehmen angreifbar. Nicht nur für Cybercrime-Attacken, sondern immer öfter auch für Angriffe von Patent-Trollen. Die arbeiten stets nach gleichem Muster: Sie kaufen in großem Stil Patente an allen möglichen Entwicklungen, um sie dann für den eigenen Profit gegen andere digitale Dienste zu verwenden.

Sie verklagen also Unternehmen, die beispielsweise unwissentlich Open SourceOpen Source Software im Rahmen der Cloud-Lösung einsetzen, wegen Verletzung von Patenten, Gebrauchsmustern oder Urheberrechten im Zusammenhang mit der eingesetzten Software. Die Unternehmen trifft das in der Regel völlig unvorbereitet - die Open Source Software ist doch vermeintlich frei und man denkt, dass alle Pflichten bezüglich der Lizenzeinhaltung beim Cloud-Anbieter liegen. Für die Digitalisierungsprozesse von Unternehmen werden solche Auseinandersetzungen zunehmend riskant. Alles zu Open Source auf CIO.de

Rechtliche Risiken bei der Nutzung von Cloud-Diensten

Cloud-Dienste bieten viel Angriffsfläche für solche Angriffe, denn sie arbeiten hauptsächlich mit Erzeugnissen aus geistiger Arbeit, die rechtlich durch das Urheberrecht und/oder entsprechende Patente geschützt sind. Besonders problematisch ist dabei Open Source Software, die häufig im Rahmen von proprietären Angeboten mitverwendet wird.

Die rechtlichen Vorgaben beim Einsatz dieser vermeintlich "freien" Software sind vielfältig und teilweise schwer zu durchschauen. Nicht nur deshalb stellt eine vollständige rechtliche Prüfung eines Dienstes vor dessen Verwendung meist einen unverhältnismäßigen, wenn nicht gar unmöglichen Aufwand dar. Dazu kommt, dass Unternehmen häufig verschiedene Dienste in Anspruch nehmen, was den Aufwand weiter potenziert.

Viele Unternehmen nehmen die entstehenden Risiken deshalb notgedrungen in Kauf und hoffen auf das Ausbleiben von Rechtsstreitigkeiten. Doch in der Praxis setzen die Inhaber ihre Rechte immer öfter und konsequenter durch. Zugleich ist so etwas wie ein regelrechter Sekundärmarkt entstanden, auf dem sogenannte Patent Assertion Entities (PAE) agieren. Diese analysieren andere Unternehmen in Bezug auf etwaige Rechtsverletzungen und greifen sie dann rechtlich an - ein originäres Geschäftsmodell: finanziert durch Schadensersatzansprüche oder Vergleichsabschlüsse.

Patent-Trolle entdecken Deutschland

Bei diesen PAEs handelt es sich um Unternehmen, die Patente - teilweise in großer Zahl - erwerben, um dann mit Hilfe dieser erworbenen Rechte gegen Unternehmen, die Cloud- und andere digitale Dienste verwenden, rechtlich vorzugehen. Umgangssprachlich heißen solche Unternehmen nicht ganz zu Unrecht "Patent-Trolle". Gab es sie ursprünglich nur in den USA, treiben sie ihr Unwesen inzwischen auch hierzulande, sichtbar an einer steigenden Zahl von entsprechenden Klagen vor deutschen Gerichten.

Strategie-Handbuch für CIOs

Viele betroffene Unternehmen stehen solchen Angriffen oft schutzlos gegenüber, da sie auf Rechtsstreitigkeiten - allgemein und insbesondere im Bereich des geistigen Eigentums - nicht vorbereitet sind und keine Schutzmechanismen für die Abwehr solcher Attacken besitzen. Das aber machen sich die "Patent-Trolle" zunutze und konzentrieren ihre Angriffe besonders auf die Kunden von Cloud- und anderen Digitalisierungs-Services, anstatt deren Anbieter direkt zu attackieren. Verunsicherung auf Seiten der Unternehmenskunden und Umsatzrückgänge für die Anbieter sind die Folgen.

Wirksame Verteidigungsstrategien gegen Patent-Trolle

Bei der Abwehr von Patent-Trollen sind sowohl Anwender als auch Cloud-Anbieter gefordert.
Bei der Abwehr von Patent-Trollen sind sowohl Anwender als auch Cloud-Anbieter gefordert.
Foto: WindVector - shutterstock.com

Es ist daher sinnvoll, schon im Vorfeld zu prüfen, welche Software von den jeweiligen Cloud-Anbietern eingesetzt wird. Falls dies Open Source Software ist, sollte man genau prüfen, welche Tools eingesetzt werden und unter welchen Lizenzen diese ggf. erworben wurden. Auskunft dazu gibt in der Regel der Cloud-Anbieter. Falls proprietäre Software eingesetzt wird, sollte man sich beim Cloud-AnbieterCloud-Anbieter rückversichern, wer welches Haftungsrisiko übernehmen muss. Alles zu Cloud Computing auf CIO.de

Wenn der Cloud-Anbieter hier keine Lösung parat hat, müsste man als Unternehmen die gesamte eingesetzte Software prüfen, um ein Haftungsrisiko auszuschließen. Dies ist schon aus praktischen Gründen im Regelfall nicht durchführbar.

Auf jeden Fall sollte man Angriffe von Patent-Trollen sehr ernst nehmen. Nicht nur sind hohe Kosten mit der Abmahnung und noch höhere mit einem evtl. einstweiligen Gerichtsverfahren verbunden, sondern es droht auch die sehr zeitnahe Verpflichtung zur Abschaltung aller rechtverletzenden Software. Das kann den laufenden Betrieb eines Unternehmens ad hoc stoppen.

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