Online-Bezahlplattformen

Paydirekt - mit Microservices gegen Paypal und Co.

Christoph Witte arbeitet als Publizist, Sprecher und Berater. 2009 gründete er mit Wittcomm eine Agentur für IT /Publishing/Kommunikation. Dort bündelt er seine Aktivitäten als Autor, Blogger, Sprecher, PR- und Kommunikationsberater. Witte hat zwei Bücher zu strategischen IT-Themen veröffentlicht und schreibt regelmäßig Beiträge für die IT- und Wirtschaftspresse. Davor arbeitete er als Chefredakteur und Herausgeber für die Computerwoche. Außerdem ist Witte Mitbegründer des CIO Magazins, als dessen Herausgeber er bis 2006 ebenfalls fungierte.

Event-Sourcing sorgt für Compliance und leichtes Reporting

Neben der Micro-Service-Architektur zeichnet sich die Paydirekt-Plattform technisch durch eine Event-Sourcing genannte Form der Datenspeicherung aus. Michael Omann, bei Senacor Architect und Technical Lead, erklärt das Prinzip an einem Beispiel. "Kontoauszüge sind nichts anderes als die Summe von Kontobewegungen. Der jeweilige Kontostand ist eine Aggregation der Bewegungen bis zu einem bestimmten Zeitpunkt. Genauso machen wir das auf der paydirekt-Plattform."

Anstatt zum Beispiel Stammdaten bei Änderungen zu überschreiben, sprich die alten Daten zu löschen, werden sie aus den gemachten Änderungen zusammengesetzt. Dieses Prinzip wird auch bei den Bewegungsdaten angewendet. Da sämtliche Veränderungen mit Datum und Urheber versehen sind, lässt sich der Zustand des Systems zu jedem gegebenen Zeitpunkt quasi auf Knopfdruck rekonstruieren und jede Veränderung erkennen. "Damit erfüllen wir automatisch sämtliche Dokumentations- und Reporting-Verpflichtungen, die den Kreditinstituten vom Gesetzgeber und von der Bankenaufsicht auferlegt werden", unterstreicht Omann einen der Vorteile.

Ein weiteres Plus des Event-Sourcing liegt im Bereich Business Intelligence. "Weil alle Änderungen gespeichert sind, kann praktisch zu jeder Frage ein Report erstellt werden", sagt Omann. "Und vor allem brauchen wir heute noch nicht festzulegen, welche Reports wir in fünf Jahren haben wollen, weil uns sonst vielleicht die dafür nötigen Daten fehlen."

Agilität auch in der Projektorganisation

Dieses große Projekt, an dem insgesamt 40 Personen 13 Monate gearbeitet haben, konnte nur gelingen, weil die Verantwortlichen bei paydirekt und Senacor bereit waren, neue Organisationsmethoden anzuwenden. "Wenn wir im klassischen Wasserfall- oder V-Modell gearbeitet hätten, mit Fachkonzept und Pflichtenheft, wären wir niemals pünktlich und zu den vorab festgelegten Kosten fertig geworden", sagt Andreas Werner, Managing Director von Senacor. Deshalb wurde eine Mischung aus herkömmlichen und agilen Methoden gewählt: "moderat agil" nennt Werner das.

Im klassischen Wasserfall- oder V-Modell wären wir niemals pünklich fertig geworden, sagt Andreas Werner, Managing Director von Senacor.
Im klassischen Wasserfall- oder V-Modell wären wir niemals pünklich fertig geworden, sagt Andreas Werner, Managing Director von Senacor.
Foto: Senacor

Ein ausführliches, aber nicht allzu stark ins Detail gehendes Fachkonzept bildete die Grundlage, um die zu erreichenden Ziele und die generelle Funktionalität festzulegen. Auf dieser Basis wurden dann - wie bei agilem Vorgehen üblich - User-Stories gebildet, die aus Sicht der jeweiligen Nutzer die Anforderungen an die Plattform formulierten. Diese über 350 Stories bildeten die Basis für insgesamt elf jeweils vierwöchige Sprints, die allerdings von vorneherein in ihrem Scope festgelegt waren.

"Dieses Vorgehen setzte großes gegenseitiges Vertrauen voraus. Und trotz der vielen beteiligten Institute hat alles sehr gut funktioniert", sagt Werner. "Das ist ein Geben und Nehmen. Da ist öfter Kompromissbereitschaft gefragt als Durchsetzungswillen - auf beiden Seiten."

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