Ukraine klagt an

Russische Armee verwendet deutsche Bauteile

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Die Ukraine wirft deutschen Unternehmen vor, ihre Produkte würden widerrechtlich in russischer Militärausrüstung verwendet. Unter anderem wird Bosch beschuldigt.
In russischem Kriegsgerät sind offenbar Teile aus deutscher Produktion verbaut.
In russischem Kriegsgerät sind offenbar Teile aus deutscher Produktion verbaut.
Foto: Karasev Viktor - shutterstock.com

Russische Armeefahrzeuge, die an dem völkerrechtswidrigen Angriff auf die Ukraine beteiligt sind, fahren mit Bauteilen von BoschBosch. Das hatte der ukrainische Außenminister Dmytro Kuleba in der ARD-Sendung "Anne Will" dem deutschen Automobilzulieferer vorgeworfen. Demnach haben ukrainische Militärtechniker ein liegengebliebenes russisches Infanteriefahrzeuge auseinandergenommen und dabei festgestellt, dass Hauptantriebskomponenten von Bosch stammen. Der Konzern habe der russischen Militärmaschinerie jahrelang wichtige Teile geliefert. Nun würden diese Fahrzeuge beim Einmarsch in die Ukraine genutzt, um Städte zu zerstören, klagte Kuleba an. Top-500-Firmenprofil für Bosch

Dmytro Kuleba, Außenminister der Ukraine, beklagt, dass die deutsche Industrie der russischen Militärmaschinerie jahrelang wichtige Teile geliefert hat.
Dmytro Kuleba, Außenminister der Ukraine, beklagt, dass die deutsche Industrie der russischen Militärmaschinerie jahrelang wichtige Teile geliefert hat.
Foto: Alexandros Michailidis - shutterstock.com

Die Verantwortlichen von Bosch räumen ein, dass die besagten Fahrzeugteile tatsächlich aus ihrer Produktion stammen. Allerdings seien sie nicht von Bosch an den Hersteller der Militärfahrzeuge geliefert worden. In den Verträgen mit russischen wie mit anderen Kunden sei klar geregelt, dass Bosch-Produkte ausschließlich für zivile Anwendungen verwendet werden dürften. Man betreibe keinerlei militärtechnische Entwicklungen und vertreibe auch keine Komponenten für Waffensysteme, hieß es von Seiten des Konzerns.

Deutsche Autobranche mit engen Kontakten nach Russland

Wie die Bosch-Teile in die russischen Armeefahrzeuge gelangten, lässt sich derzeit nicht nachvollziehen. Die deutsche Automobilindustrie pflegte in den vergangenen Jahren aber enge Kontakte nach Russland. Mercedes ist mit 15 Prozent an Kamaz beteiligt, einem russischen Hersteller von Bussen, LKWs und Panzern. Neben Bosch hat auch Konkurrent ZF Friedrichshafen gute Geschäfte in Russland gemacht. Die Unternehmen betonen jedoch, die Zusammenarbeit sei stets ziviler Natur gewesen.

Nachgeprüft wurde dies offenbar nicht. Es bleibt die Frage, ob Beteuerungen wie der "Verhaltenskodex für Geschäftspartner" der Bosch-Gruppe das Papier wert sind, auf dem sie gedruckt werden. Dort ist die Rede davon, dass Bosch-Produkte die "Lebensqualität verbessern" und man "Technik fürs Leben" liefere. Bosch behalte sich das Recht vor, die Einhaltung dieses Verhaltenskodex' bei den Geschäftspartnern in angemessener Weise zu überprüfen, heißt es dort. Passiert ist das allem Anschein nach nicht.

Bosch kein Einzelfall - Ukraine spricht von weiteren Fällen

Nach vorläufigen Zahlen lag der Umsatz von Bosch in Russland 2021 bei rund 1,2 Milliarden Euro, berichtet die "Frankfurter Allgemeine Zeitung". Der Konzern steht wirtschaftlich unter Druck. Die technischen Umbrüche gerade in der Automobilindustrie hinterlassen Spuren in der Bosch-Bilanz. 2020 ging der Umsatz im Vergleich zum Vorjahr um acht Prozent auf knapp 71,5 Milliarden Euro zurück. Das Ergebnis nach Steuern schmolz von gut zwei Milliarden auf 749 Millionen Euro zusammen.

Bosch dürfte kein Einzelfall sein, was deutsche Teile in russischer Militärausrüstung betrifft. Der ukrainische Außenminister Kuleba erklärte, er habe bereits mit seiner deutschen Amtskollegin, Außenministerin Annalena Baerbock, über weitere Fälle gesprochen, in denen deutsche Unternehmen Produkte an Russland geliefert hätten, die nun militärisch beim Angriff auf sein Land verwendet würden.

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