Strategien


Carve-Out von Innogy

RWE baut IT neu auf

Jens Dose ist Redakteur des CIO Magazins. Neben den Kernthemen rund um CIOs und ihre Projekte beschäftigt er sich auch mit der Rolle des CISO und dessen Aufgabengebiet.
Nachdem RWE seine Tochter Innogy an Eon verkauft und sich ganz auf erneuerbare Energien konzentriert hat, muss nun die IT aufgestellt werden. Im Mittelpunkt steht eine Cloud-First-Strategie.

RWERWE hatte sich 2018 mit dem Rivalen Eon auf einen sogenannten Tausch von Geschäftsaktivitäten geeinigt: RWE übertrug die Innogy-Anteile an Eon und erhielt im Gegenzug das Renewables-Geschäft von Eon und InnogyInnogy sowie weitere Assets. Die komplette Neuaufstellung beider UnternehmenUnternehmen, die Ende 2020 abgeschlossen sein soll, brachte auch massive Umbauarbeiten in der IT mit sich. Top-500-Firmenprofil für Innogy Top-500-Firmenprofil für RWE Top-Firmen der Branche Energie u. Rohstoffe

Zwei Jahre auf der grünen Wiese

Die IT-Abteilung des RWE-Konzerns ist derzeit noch bei der Tochtergesellschaft Innogy angesiedelt, die im Rahmen eines Servicevertrags diese Aufgabe während des Care-Outs bis Ende 2020 weiter erfüllt. Das bedeutete für RWE, dass innerhalb von zwei Jahren eine neue IT-Infrastruktur auf der grünen Wiese aufgebaut werden musste, einschließlich eines eigenen Rechenzentrums, aller NetzwerkeNetzwerke, einer SAP- und IT-Security-Landschaft sowie einem IT-Service-Management. Dazu zählt auch ein eigenes Active Directory samt aller dazugehörenden Microsoft-Komponenten. Hierfür arbeitet RWE unter anderem mit der Accenture-Tochter Avanade zusammen. Alles zu Netzwerke auf CIO.de

Edward Bouwmans, Head of Infrastructure & Provider Management bei RWE
Edward Bouwmans, Head of Infrastructure & Provider Management bei RWE
Foto: RWE AG

"Solch ein großes Projekt lässt sich natürlich nicht von heute auf morgen realisieren," sagt Edward Bouwmans, verantwortlicher Head of Infrastructure & Provider Management bei RWE. "Wir bauen die neue IT-Landschaft parallel zur alten auf. Die alte bleibt komplett erhalten bis Ende 2020. Sukzessive migrieren wir dann unsere rund 20.000 Nutzer, 2.500 Anwendungen und sämtliche Daten des Konzerns. Dabei nutzen wir das Upgrade von Windows 7 auf Windows 10 und die Einführung von Office 365Office 365, um alle Mitarbeiter auch mit neuer Hardware auszustatten." Ende 2019 habe RWE damit begonnen, Ende 2020 wolle der Konzern damit fertig sein. Alles zu Office 365 auf CIO.de

Komplexe Parallelwelten

Die Situation ist kompliziert: Wenn ein Anwender bereits in die neue RWE-Landschaft umgezogen ist, kann es sein, dass Applikationen, auf die er zugreift, noch bei der Innogy-IT laufen. Die verantwortlichen Migrationsteams von RWE müssen also sicherstellen, dass alle Anwendungen sowohl mit der Windows-10- als auch mit der alten Windows-7-Welt kommunizieren können. Das schließt auch zugrundeliegende Strukturen wie Identiy und Access Management, Security-, Single-Sign-On- oder Active-Directory-Prozesse mit ein.

Das alte und das neue Active Directory werden über Schnittstellen verknüpft. So können Nutzer aus ihrer Umgebung auf Anwendungen in beiden Directories zugreifen, bis die neue RWE-IT komplett ist. Zudem können die Migrationsteams die User unabhängig von der Umgebung verschieben, ohne dass sie ihre Arbeit einstellen müssen.

Die Anwendungen werden sequenziell migriert. Als erstes verschiebt die IT die Testsysteme, danach die Development-Systeme und in einem letzten Schritt folgen die Produktionssysteme. So soll es möglich sein, die gesamte Migration innerhalb von einem Jahr zu schaffen.

Operational Readiness

Die neue IT muss nicht nur technisch aufgebaut, sondern auch für den Betrieb vorbereitet werden. Da RWE keine eigene IT-Abeilung hatte, stellte der Konzern von 2018 an mehrere Hundert neue Mitarbeiter an. Aktuell ist die IT-Belegschaft bei etwa 85 Prozent ihrer Sollstärke.

Zudem werden Prozesse eingeführt, um die IT zu einem Dienstleister für die kommenden Transformationen des Unternehmens zu machen. Mittlerweile hat sie etwa 2.000 der 20.000 Nutzer erfolgreich migriert. Auch unterstützende Systeme wie ServiceNow für Katalog-, Incident- und Change-Request-Management sind bereits im Einsatz.

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