CEO Klein im CW-Gespräch

SAP verlängert Standardsupport für Business Suite

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SAP wird die Business Suite bis Ende 2027 mit Support versorgen. Viele Anwender, die mit dem Umstieg auf das neue S/4HANA noch hinterherhinken, dürften aufatmen.

SAPSAP verlängert den Standardsupport für die Business Suite 7 bis Ende 2027 und will für sein neues System S/4HANA bis Ende 2040 Wartung anbieten. Darüber hinaus soll die für die Business Suite optional erhältliche erweiterte Wartung bis Ende 2030 angeboten werden. Ursprünglich war das Supportende der Business Suite für 2025 terminiert plus zwei Jahre für die um zwei Prozentpunkte teurere Extended Maintenance. Die Kernanwendungen der Business Suite 7 von SAP umfassen ERPERP 6.0, Customer Relationship Management 7.0, Supply Chain Management 7.0 und Supplier Relationship Management 7.0 sowie die Business Suite powered by SAP HANA. Alles zu ERP auf CIO.de Alles zu SAP auf CIO.de

Für die Business Suite dreht sich das Wartungsrad nun zwei Jahre länger bis Ende 2027.
Für die Business Suite dreht sich das Wartungsrad nun zwei Jahre länger bis Ende 2027.
Foto: ESB Professional - shutterstock.com

Kunden, die ihre Busienss Suite 7 über Ende 2027 hinaus nutzen, aber nicht für die erweiterte Wartung extra bezahlen möchten, werden automatisch auf die Customer Specific Maintenance (kundenspezifische Wartung) umgestellt, kündigte SAP an. Diese beinhaltet die Lösung bekannter Probleme bei unveränderten Gebühren. Eine Weiterentwicklung und Anpassung an neue gesetzliche Vorgaben ist in diesem Supportmodell allerdings nicht vorgesehen.

Mehr Zeit für die Migration zu S/4HANA

Mit der Wartungsverlängerung gibt SAP den Forderungen seiner Kunden nach. Diese hatten in den vergangenen Jahren wiederholt verlangt, den Support für die beliebte Business Suite zu verlängern. Vielen Unternehmen macht zudem der Umstieg auf das aktuelle Release SAP S/4HANA zu schaffen, das der Softwarekonzern Anfang 2015 vorgestellt hatte. Obwohl die Termine für das Auslaufen der Wartung seit langem bekannt sind, zögerten viele Unternehmen damit, die Migration einzuleiten. Die Gründe dafür sind vielfältig: Viele Anwender schrecken vor der Komplexität des Umstiegs zurück, der auch einen Wechsel der Datenbank auf SAP HANA vorschreibt. Außerdem fällt es manchen SAP-Kunden schwer, einen Business-Mehrwert in einem Wechsel des ERP-Systems zu erkennen.

Andreas Oczko, Fachvorstand Service & Support der Deutschsprachigen SAP-Anwendergruppe (DSAG) sprach von einem wichtigen und vor allem richtigen Schritt der SAP. "Es ist ein ermutigendes Zeichen, dass SAP seinen Kunden und Stakeholdern Gehör schenkt, und verdeutlicht, dass SAP alles Erforderliche tut, um die Bedürfnisse der Kunden bei der Digitalisierung zu erfüllen", sagte er.

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SAP wolle keinen Kunden zurücklassen, versicherte Christian KleinChristian Klein, Co-CEO von SAP im Gespräch mit der COMPUTERWOCHE. "Da unsere Kunden außerdem Wahlmöglichkeiten verlangen, wird SAP zusätzliche Flexibilität gewährleisten, damit die Chancen von SAP S/4HANA voll ausgeschöpft und das individuelle Tempo und die Komplexität der Kundenprojekte berücksichtigt werden können", warb der Manager. Thomas Saueressig, Mitglied des Vorstands der SAP SESAP SE und verantwortlich für SAP Product Engineering, fügte hinzu: "SAP ist es wichtig, dass ihre Kunden erfolgreich sind und im Hinblick auf die von uns angebotenen Lösungen freie Wahl haben. Mit diesen Wartungszeiträumen sorgen wir weiterhin für Transparenz und Vertrauen." Top-500-Firmenprofil für SAP SE Profil von Christian Klein im CIO-Netzwerk

SAP muss Anschluss halten

Für SAP geht es derzeit vor allem darum, die breite Kundenbasis mitzunehmen in die Zukunft. Immerhin scheinen sich die Anwender allmählich auf den Weg in Richtung S/4HANA zu machen, wie die jüngste Umfrage der DSAG gezeigt hat. Demzufolge liegt der Investitionsschwerpunkt der Unternehmen nicht mehr auf der klassischen Business Suite wie noch in den vergangenen Jahren, sondern verschiebt sich mehr und mehr auf das neue Release.

Mit Blick auf das ursprünglich für 2025 geplante Supportende hätte in den nächsten Jahren ein Projektstau gedroht. Da viele Unternehmen derzeit dabei sind, die Pilotierung und Planungsphase rund um S/4HANA abzuschließen, und gerade überlegen, wie sie die Migration in den nächsten Jahren angehen, wären die Beratungs- und Dienstleistungs-Ressourcen im Markt vermutlich knapp geworden. Diese Situation dürfte sich nun mit der verlängerten Wartung entspannen.

SAP-Chef Klein äußerte sich zuversichtlich, was die Beratungskapazitäten im SAP-Markt betrifft. Er gehe davon aus, dass die zugegebenermaßen knappen Ressourcen in der nächsten Zeit beispielsweise bei den Beratungsunternehmen und den SAP-Partnern deutlich aufgestockt würden.

Eine neue SAP-Epoche bricht an

Mit der Wartungszusage für S/4HANA bis Ende 2040 will SAP ein Signal für Investitionssicherheit geben. "Unsere Kunden zeigen uns, dass sie mit SAP S/4HANA den Weg Richtung Zukunft beschreiten möchten. Sie erwarten von SAP ein langfristiges Bekenntnis zu dieser Plattform", sagte Klein.

Kunden erwarten von SAP ein langfristiges Bekenntnis zu S/4HANA, konstatiert Christian Klein, Co-CEO von SAP.
Kunden erwarten von SAP ein langfristiges Bekenntnis zu S/4HANA, konstatiert Christian Klein, Co-CEO von SAP.
Foto: SAP SE

SAP positioniert S/4HANA als "Anwendungs-Suite der nächsten Generation". Die Kunden seien damit in der Lage, "auf Grundlage innovativer Best Practices und der Automatisierung durch künstliche Intelligenz ihren Betrieb zu einem digitalen, intelligenten Unternehmen zu wandeln", lautet das Versprechen des Softwarekonzerns. Gleichzeitig ebne das System den Weg in die Cloud und zu hybriden Architekturen und erlaube damit, die IT-Landschaft zu vereinfachen und die Systemgesamtkosten zu verringern. SAP zufolge haben mehr als 13.800 Kunden S/4HANA lizenziert. Tausende würden die Lösung bereits produktiv nutzen. Eine konkrete Zahl will der Anbieter an dieser Stelle allerdings nicht nennen.

SAPs Cloud-Strategie baut auf die Hyperscaler

Die Cloud-Version von S/4HANA nutzen Klein zufolge etwa 2000 Anwender. Der SAP-Chef bezeichnete diesen Anteil als durchaus zufriedenstellend und sprach von einem guten Marktmomentum. Der Konzern hatte sich zuletzt in seiner Cloud-Strategie neu ausgerichtet. Für SAP geht es an dieser Stelle vor allem um gute Partnerschaften mit den großen Cloud-Anbietern wie Alibaba, AWS, Google und Microsoft. Die eigenen Cloud-Ambitionen haben die Softwerker aus dem Badischen deutlich zurechtgestutzt. Wer seine SAP-Lösungen unbedingt in einer SAP-Cloud betreiben möchte, könne dies weiterhin tun, beteuert der Konzern. "Aber Infrastruktur ist nicht unser Geschäft", macht Klein unmissverständlich klar.

So steigen SAP-Kunden auf S/4HANA um:

Mit S/4HANA läutete SAP 2015 eine neue Epoche ein, die mit der Wartungszusage bis 2040 mindestens ein Vierteljahrhundert dauern soll. Klingt lange, ist aber nicht ungewöhnlich. Mit SAP ERP 6.0 ist der Konzern 2005 gestartet und hat das System über die Jahre mit sogenannten Enhancement Packages (EHPs) ausgebaut. Mit der Wartungszusage bis 2027 wird diese Ära immerhin auch 22 Jahre dauern.

Was nach 2040 folgt, liegt im Dunkeln. SAP-Chef Klein will darüber nicht spekulieren und sich erst einmal auf S/4HANA konzentrieren. Viel wird davon abhängen, inwieweit sich die Cloud bei den Anwendern als grundlegende Plattform für den Betrieb eines ERP-Systems durchsetzt. SAP bemüht sich, die Kunden davon zu überzeugen und legt auch seinen Entwicklungsschwerpunkt auf die Cloud-Version. Pro Jahr veröffentlicht der Konzern zwei neue Releases in der IT-Wolke. Die neuen Funktionen werden erst danach in die On-Premise-Version nachgezogen.

Sollte es letzten Endes tatsächlich auf eine reine Public-Cloud-Strategie hinauslaufen, in der das ERP-System laufend vom Anbieter in kleinen Schritten erweitert und ausgebaut wird, könnte die Zeit der großen und aufwendigen Release-Wechsel vorbei sein. Zumindest dem dürfte kaum ein Anwender nachtrauern.

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