Narzissmus

Selbstverliebtheit begünstigt steile Karriere

02.09.2013
Von Daniel Rettig

Da verglich sie die Ergebnisse des "Narcissistic Personality Inventory" (NPI) aus den Jahren 1982 bis 2006, eine Art Selbsttest. Twenges Fazit: Fast zwei Drittel der heutigen Studenten seien narzisstischer als frühere Generationen.

Erstmals erwähnt wurde der Begriff Narzissmus 1898 von dem britischen Sexualforscher Havelock Ellis. Ein Jahr später bezeichnete der deutsche Psychiater Paul Näcke damit ein Verhalten, bei dem eine Person ihren eigenen Körper ähnlich behandelt wie ein Sexualobjekt, sich selbst umarmen und küssen will - und daraus Lust zieht. Oder anders formuliert: Narzissten galten früher als pervers. Diese Meinung vertrat auch der legendäre Psychoanalytiker Sigmund Freud.

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Experten zufolge resultiert Narzissmus vor allem aus fehlender oder falsch verstandener Mutterliebe. Bei den betroffenen Kindern entsteht folglich ein tiefes Minderwertigkeitsgefühl. Sie glauben, dass sie nicht gut genug seien, nicht liebenswert und kompetent genug.

Doch inzwischen denken die Wissenschaftler differenzierter über Narzissmus. Auch deshalb, weil sie zwischen verschiedenen Spielarten unterscheiden. Denn wahr ist eben auch: Ein bisschen Narzissmus muss sein.

Selbstliebe sei das Ergebnis von "Zuwendung, Einfühlung, Bestätigung und Befriedigung", schreibt Hans-Joachim Maaz in seinem Buch. Einerseits. Andererseits sind die Grenzen zwischen Selbstliebe und Selbstüberschätzung, zwischen gesundem und pathologischem Narzissmus fließend. Letzterer resultiert in einem ewigen Spannungsverhältnis. Das Ergebnis: Ständige Unruhe, Unzufriedenheit und ein unstillbarer Durst nach Anerkennung.

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