Strategien


CIO Ludwig über die neue IT-Organisation

Siemens verlagert mehr IT-Mitarbeiter ins Business

Heinrich Vaske ist Editorial Director von COMPUTERWOCHE und CIO. Seine wichtigste Aufgabe ist die inhaltliche Ausrichtung beider Medienmarken - im Web und in den Print-Titeln. Vaske verantwortet außerdem inhaltlich die Sonderpublikationen, Social-Web-Engagements und Mobile-Produkte und moderiert Veranstaltungen.

CIO.de: Welche Rolle wird dabei die IT-Organisation spielen?

Ludwig: Darüber haben wir intensiv nachgedacht und fünf relevante Technologietrends identifiziert. Dazu gehört allen voran der Digital Twin: Wir wollen für all unsere Produkte in der Herstellung und im Einsatz beim Kunden ein virtuelles Abbild haben. Ein anderes Kernthema ist die Flexibilisierung der Fertigung bis hin zum Additive Manufacturing von Gasturbinen. Ein Teil der Gasturbinen wird heute schon im 3D-Druck3D-Druck produziert, nicht nur wegen der Flexibilität, sondern auch weil wir damit ganz andere Strukturen in den Turbinenschaufeln selbst erreichen können. Alles zu 3D-Druck auf CIO.de

Wir haben also die Trends, die für all unsere Geschäfte relevant sind, identifiziert. Und dann haben die IT-Organisation und das jeweilige Business - anwesend war immer dessen CEO - die laufenden IT-Innovationsprojekte analysiert und neu gewichtet. So bekamen wir Budget frei, um Themen aufzugreifen, mit denen wir die Geschäfte besser unterstützen können.

Zu den fünf Trends gehört auch die viel stärkere Informationsverfügbarkeit für Kunden. Wir sagen: "Customer is in the center", damit meinen wir, dass wir eine ganz andere Interaktion mit dem Kunden haben. Sie sind besser informiert und haben andere Erwartungen an Geschwindigkeit. So haben wir beispielsweise mit der Power Generation ein System entwickelt, mit dem wir besonders schnell ein erstes Angebot abgeben können, das schon relativ genau ist. Das ist so ein typisches Speedboat, das wir aus diesen Aktivitäten entwickelt haben.

Mit der Reorganisation haben wir IT und Business ganz eng verzahnt in agilen Projekten, die in sechs- oder acht-Wochen-Sprints immer wieder neue Ergebnisse generieren. Dann entscheiden wir jedes Mal zusammen: Machen wir weiter oder nicht? Da kann es durchaus sein, dass wir merken: Ein Projekt war zu ambitioniert, jetzt stoppen wir das.

42 Prozent der IT-Projekte sind schon agil

CIO.de: Welche Bedeutung haben agile Methoden für die Siemens-IT?

Ludwig: Momentan sind 42 Prozent der Projekte, die wir in der IT abwickeln, agil, und es werden immer mehr. Ich habe eigentlich immer gedacht, das geht nur für Applikationen, nicht für die Plattformentwicklung. Aber auch diese Teams sind in der Lage agil zu arbeiten. Die kurzen Feedback-Loops an Kunden und Nutzer, der Design-Thinking-Ansatz in Produkten, das kurzfristige Reagieren auf veränderte Anforderungen - wenn das richtig eingesunken ist erreichen wir ganz neue Geschwindigkeiten bei der Umsetzung der IT Projekte.

Agile Projekte setzen aber immer auch Kunden voraus, die Kompetenz und Bereitschaft mitbringen, schnell Entscheidungen zu treffen. Da muss immer jemand sagen: So wollen wir's, so nicht. Agil funktioniert nie auf einer Insel, nur im Zusammenspiel mit Kunden und Projektteam. Das kann ganz schön stressig werden, weil man ja ständig abliefern und Ergebnisse zeigen muss. Man braucht Menschen, die die mentalen Voraussetzungen dafür mitbringen.

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