Strategien


CIO Ludwig über die neue IT-Organisation

Siemens verlagert mehr IT-Mitarbeiter ins Business

Heinrich Vaske ist Editorial Director von COMPUTERWOCHE und CIO. Seine wichtigste Aufgabe ist die inhaltliche Ausrichtung beider Medienmarken - im Web und in den Print-Titeln. Vaske verantwortet außerdem inhaltlich die Sonderpublikationen, Social-Web-Engagements und Mobile-Produkte und moderiert Veranstaltungen.

CIO.de: Betreibt Siemens auch Innovation Labs?

Ludwig: Wir haben bereits vor 25 Jahren mit Themen gestartet, die man heute Innovation Lab nennen würde. Wir hatten Technology-to-Business-Units, zuerst in Berkeley, dann in Shanghai, nachher auch in München, wo wir mit Universitäten und Startups eng zusammenarbeiteten. Mitarbeiter in diesen Einheiten hatten ihre Arbeitszeit dreigeteilt. Ein Drittel waren sie als Scouts im Startup- oder Uni-Umfeld unterwegs, ein Drittel waren sie mit der Interaktion mit den Entwicklungseinheiten im Konzern beschäftigt und ein Drittel der Zeit verbrachten sie damit, beide Welten zusammenzubringen.

Den Erfolg haben wir daran gemessen, wie viel Transfer es aus Startup- oder Uni-Initiativen in das Geschäft hinein gab. So konnten wir zum Beispiel eine Wireless-Technologie aus Berkeley im Factory-Umfeld nutzen, die sonst noch nie eingesetzt worden war. Damit wurde Wireless so sicher wie Wire. In unserem eigenen Entwicklungsumfeld allein wäre das nicht entstanden.

CIO.de: Welche Rolle spielt die Konzerntochter next47?

Ludwig: Mit der Gründung dieser Einheit im Jahr 2016 haben wir die Zusammenarbeit mit Startups nochmal auf eine höhere Ebene gehoben. Sie ist mit einer Milliarde Euro sehr gut ausgestattet und soll Partnerschaften mit jungen Unternehmen initiieren. Siemens ist attraktiv für Startups, nicht wegen des Geldes, dass wir investieren, sondern wegen unserer Ressourcen als Großunternehmen, wegen des Namens und der Kundenkontakte. Die Startups können ihre Angebote auch mal bei uns testen und herausfinden: Wie funktionieren die Produkte im Großkonzern?

Dadurch sind schon viele gute Ideen in den Konzern gekommen, auch wenn das natürlich keine Entwicklungsabteilung ersetzt. Es ist eher eine Symbiose zwischen traditioneller Entwicklung und Ideen, die aus einem Open-Innovation-Umfeld kommen.

Siemens-IT steht im Wettbewerb

CIO.de: Siemens hat die Gesundheitssparte ausgegründet und will das auch mit dem Kraftwerksbereich tun. Was bedeutet das für die zentrale Siemens-IT?

Ludwig: Siemens HealthineersSiemens Healthineers bekommt auch heute noch viele Leistungen zentral von Siemens, mit ganz klar definierten vertraglichen Gestaltungen natürlich. Das ist ein selbständiges, börsennotiertes Unternehmen, an dem Siemens 85 Prozent hält. Unsere zentralen IT-Einheiten müssen ihre Leistungen so erbringen, dass die Nutzer im selbständigen Konzernunternehmen sagen: Vom Preis-Leistungs-Verhältnis her kann ich das nirgendwo besser bekommen. Top-500-Firmenprofil für Siemens Healthineers

Siemens Healthineers kann jederzeit sagen: 'Vielen Dank, aber wir sind selbstständig und glauben, wir können das selbst besser umsetzen oder von einem anderen Partner mehr bekommen.' Die haben alle Freiheiten das zu tun - und trotzdem beziehen sie immer noch viele Leistungen, gerade die Kernsysteme, aus der Siemens AGSiemens AG. Top-500-Firmenprofil für Siemens AG

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