Dank IoT und Konnektivität

Smart Cities: Vom Traum zur Realität

17.07.2017
Von Anthony Bartolo
Anthony Bartolo ist President Mobility, IoT & Collaboration bei Tata Communications
In den vergangenen Jahren ist ein wahrer Hype rund um das Konzept von Smart Cities entstanden. Heute sind die notwendigen Sensoren, eine überall verfügbare Netzverbindung, die Cloud und Data Analytics-Funktionen sowie Plattformen für das Internet der Dinge vorhanden, um den Traum einer intelligenten Stadt zu verwirklichen.

Weltweit liefern sich Städte ein Wettrennen um die erste umfassende Smart City-Installation. Hierzu werden neue Technologien in der Gebäudeverwaltung, im Transportwesen und der Energieversorgung getestet. Die jeweiligen Ansätze unterscheiden sich erheblich: In aufstrebenden Märkten wie Indien ist es beispielsweise möglich, eine Smart City auf der grünen Wiese komplett neu zu errichten. In den Industrienationen müssen Stadtentwickler neue Installationen um bestehende Infrastrukturen herum aufbauen und die Lösungen an die bestehende Legacy IT-Systeme anpassen, was eine deutlich größere Herausforderung ist.

Ohne Altlasten: Die Gujarat International Finance Tec City (GIFT) wird komplett neu errichtet.
Ohne Altlasten: Die Gujarat International Finance Tec City (GIFT) wird komplett neu errichtet.
Foto: GIFT

Smart Cities und Villages

Eine der führenden Nationen in der Entwicklung von Smart Cities ist Indien. Städte wie Kochi (Bundesstaat Kerala), Coimbatore (Tamil Nadu) und Bhubaneswar (Odisha) haben vielversprechende Pläne für eine smarte Zukunft, von denen die Stadtbewohner, Geschäftsleute und die Gesellschaft gleichermaßen profitieren. So ist im Westen von Indien mit Gujarat International Finance Tec City (GIFT) bereits ein konkretes Projekt gestartet.

Investitionen in Milliardenhöhe sollen die Stadt nicht nur zu der ersten echten Smart City in Indien machen, sondern diese auch in Wettbewerb zu den großen globalen Finanzmarktplätzen wie Hong Kong, London, New York und Singapur setzen. Die Wertpapierbörse "Bombay Stock Exchange" hat bereits eine internationale Börse in GIFT eröffnet. Darüber hinaus entstehen dort derzeit Rechenzentren sowie die Netzinfrastruktur, die die Grundlage für die Smart City bilden.

Das Konzept einer Smart City ist in Indien besonders wichtig für den Bereich der Stadtentwicklung, da Verkehrsstaus und Stromausfälle vielerorts an der Tagesordnung sind. Entsprechende Projekte nehmen sich daher den Herausforderungen des explosionsartigen Städtewachstums an und nutzen die Stärke von vernetzten IT- und IoT-Systemen für die Verkehrssteuerung, Parkplatzsuche, Kommunikation, Energiemanagement und viele weitere Themen.

Besonders faszinierend an den Projekten ist, dass sich diese nicht nur auf die Städte beschränken. Der Bundesstaat Rajasthan im Nordwesten von Indien plant die Entwicklung von über 3.000 smarten Dörfern. Dort werden Versorgungssysteme vernetzt, um so den Zugang zu Trinkwasser zu ermöglichen. Weiterhin ist der Ausbau von WLAN-Netzen geplant und es entstehen E-Libraries, eine intelligente Straßenbeleuchtung sowie E-Health-Stationen.

Es geht los: Smart Cities in Europa

In Deutschland fokussieren sich die Planer häufig auf die Verbesserung von innerstädtischen Verkehrsnetzwerken sowie von der Wasserversorgung und der Abfallentsorgung. Außerdem geht es um effizientere Beleuchtungssysteme und Heizanlagen für Gebäude. Darüber hinaus wird aber auch nach Möglichkeiten gesucht, mit smarten Systemen die Stadtverwaltung bürgernäher zu gestalten, die Sicherheit an öffentlichen Plätzen zu verbessern sowie die Anforderungen einer alternden Bevölkerung zu erfüllen.

Schon im Jahr 2011 startete in Deutschland die sogenannte Morgenstadt-Initiative, um zukünftige Smart City-Projekte in Köln, Hamburg und München zu unterstützen. Hervorzuheben ist hier insbesondere Köln, denn dort startete das Projekt in einem Wohngebiet, das in den 1950er Jahren entstanden ist. Die Dewog- und Stegerwald-Siedlungen erhalten vernetzte Elektrofahrräder und eine Car-Sharing-Plattform für E-Fahrzeuge. Außerdem sind eine Internet-gesteuerte Stromversorgung sowie modernste Photovoltaikanlagen und Kommunikationssysteme vorgesehen.

Aber auch in Großbritannien entstehen Smart Cities, wie beispielsweise in Glasgow, Milton Keynes und Cambridge. In Bristol sind die Herausforderungen der Luftverschmutzung sowie die Unterstützung von älteren Menschen Bestandteil des Projekts. Erprobt wird die Interaktion von Maschinen untereinander: So entwickeln Unternehmen autonome Fahrzeuge, die über Funktechnologie mit der Smart City-Infrastruktur kommunizieren. Neue Unterhaltungsmöglichkeiten könnten mit Videoinstallationen entstehen, die über Sensoren auf ihre Umgebung reagieren.

Singapur: Datenerhebung und -analyse sollen vor Epidemien und anderen Katastrophen schützen.
Singapur: Datenerhebung und -analyse sollen vor Epidemien und anderen Katastrophen schützen.
Foto: Prasit Rodphan - shutterstock.com

In Asien ist insbesondere Singapur hervorzuheben: Hier entsteht das vermutlich anspruchsvollste Vorhaben für die Datenerhebung und Datenanalyse innerhalb einer Smart City-Initiative. Über die ganze Stadt verteilte Sensoren und Kameras überwachen kontinuierlich die Menschendichte und den Verkehrsfluss. Das übergeordnete Ziel ist, künftig auf sich ausbreitende Infektionskrankheiten reagieren zu können und bei Naturkatastrophen die Rettungskräfte besser unterstützen zu können.