Strategien


5-Fragen-Check für CIOs

So macht der CIO den CDO überflüssig

Christiane Pütter ist Journalistin aus München. Sie schreibt über IT, Business und Wissenschaft. Zu ihren Auftraggebern zählen neben CIO und Computerwoche mehrere Corporate-Publishing-Magazine, vor allem im Bereich Banken/Versicherungen.
Grundsätzlich kann jeder CIO die Aufgaben eines Chief Digital Officer übernehmen. Unternehmen sollten ihren CIO auf fünf Faktoren abchecken. Das raten Forscher der University of applied science Upper Austria in einer Studie zum Vergleich von CIO und CDO.
  • Unternehmen stellen zunehmend in Frage, ob ein dezidierter CDO nötig ist
  • CDOs müssen als Change Manager tätig werden
  • CDOs agieren eher strategisch, CIOs organisatorisch und technisch

"Lassen sie sich vom CDO nicht den besten Teil ihres Jobs wegnehmen", warnte das Wirtschaftsmagazin Forbes CIOs im Jahr 2014. Nüchterner betrachtet die University of applied science Upper Austria mit Sitz in Steyr die Entwicklung der Rollen von CIO und Chief Digital Officer (CDO). Professor René Riedl und Absolventin Manuela Walchshofer legen mit ihrer empirischen Untersuchung nun eine wissenschaftliche Arbeit vor und füllen damit nach eigenen Angaben eine Lücke. Die Ergebnisse ihrer Studie "Der Chief Digital Officer (CDO): Eine empirische Untersuchung" erschienen in der Zeitschrift "HMD Praxis der Wirtschaftsinformatik".

Die Rollen von CIO und CDO überschneiden sich stark, wie René Riedl und Manuela Walchshofer von der University of applied science Upper Austria feststellen.
Die Rollen von CIO und CDO überschneiden sich stark, wie René Riedl und Manuela Walchshofer von der University of applied science Upper Austria feststellen.
Foto: Rene Riedl/Manuela Walchshofer

Die Forscher haben Stellenanzeigen in der DACH-Region (Deutschland, Österreich und Schweiz) analysiert und Gespräche mit CDOs in Deutschland und Österreich geführt. Den Ausschlag zu ihrer Analyse gab Riedls Beobachtung, wonach Unternehmen in der Praxis "zunehmend" in Frage stellen, ob ein CDO "tatsächlich notwendig" ist. Der 40-jährige Forscher hat nach seinem Diplom selbst einige Jahre als Projektleiter in einem IT-Unternehmen gearbeitet.

Riedl und Walchshofer kommen zu dem Schluss, dass ein CIO die Aufgaben eines CDOs grundsätzlich übernehmen kann. Sie schließen nicht aus, dass der CDO nur ein temporäres Phänomen darstellt. In den Abschlussworten ihrer Studie raten sie Unternehmen, "nicht vorschnell" einen CDO zu installieren, wenn es bereits einen CIO im Haus gibt.

Fünf Fragen an CIOs

Als Basis für eine Entscheidung für oder gegen einen CDO nennen sie folgende fünf Fragen:

1. Change Management: Ist der CIO vom Wesen her ein aktiver Change-Manager, der den Wandel im Unternehmen treibt?

2. Entwicklungspotenzial: Falls nicht, kann sich der CIO für diese Aufgabe qualifizieren, also in die CDO-Rolle hineinwachsen?

3. Persönlicher Ehrgeiz: Hat der CIO überhaupt Ambitionen, seine oft eher passiven Rolle (vorwiegend administrative und teilweise operative Aufgaben des IT-Managements) für eine eher aktive Rolle mit Fokus auf strategische Aufgaben und organisationaler Transformation aufzugeben?

4. Zeitliche Ressourcen: Bringt der CIO zusätzliche Aufgaben unter?

5. Umgestaltung der IT-Abteilung: Falls nicht, kann das Unternehmen dann die IT-Organisation und das Arbeitsumfeld so umgestalten, dass ausreichend zeitliche Ressourcen entstehen? (Dafür kann es nötig sein, zusätzliche IT-Projektleiterstellen zu schaffen.)

Die Forscher geben zu Bedenken, dass der Einsatz eines dezidierten CDO in Unternehmen, die einen CIO haben, Konfliktpotenzial schafft. Eine der Ursachen dafür sehen sie in Zielkonflikten.

Aufgaben des CDO

Stichwort Ziele: Riedl und Walchshofer systematisieren Ziele, Aufgaben und Anforderungen von CIO und CDO. Dabei stoßen sie auf viele Überschneidungen. Dennoch skizzieren sie ein zumindest grobes Bild vom CDO. Demnach verantwortet der Chief Digital Officer die Erarbeitung der Digitalstrategie. Diese muss er aus der Unternehmensstrategie ableiten, im Unternehmen umsetzen und verankern. Er steuert den digitalen Wandel im Unternehmen und erarbeitet alternative, disruptive Geschäftsmodelle. Als Change Manager sorgt er für einen Mentalitätswandel.

Außerdem schafft der CDO durch Digitalisierung effizientere Strukturen. Er leitet Digitalisierungs-Projekte und baut interne wie externe Netzwerke auf.

Unternehmen, die per Annonce einen CDO suchen, verlangen ein abgeschlossenes wirtschaftliches oder technisches Studium, alternativ mehrjährige Berufserfahrung. Wegen der geforderten Aufgabe als Change-Manager erwarten sie auch weiche Faktoren wie Einfühlungsvermögen, Verhandlungsgeschick und mediatorische Fähigkeiten.

IDC, Gartner und Forrester uneins über Zukunft des CDO

Im Vergleich der beiden Rollen bezeichnen die Forscher die Arbeit eines CDO eher als "übergordnet", im Sinne von "strategischer ausgerichtet". Der CIO dagegen verantwortet eher organisatorische und technische Aspekte. Riedl und Walchshofer untermauern diese Unterscheidung auch mit der Positionierung von CDO und CIO in den Unternehmen: der CIO sitze in vielen Fällen nicht mit in der Geschäftsleitung - eben weil er nicht als Stratege fungiert.

Die Forscher erstellen keine Prognose für die beiden Rollen. Sie geben aber wider, dass IDC und Gartner eine stark ansteigende Bedeutung des CDO voraussagen, während Forrester die Bedeutung dieser neuen Funktion hinterfragt.

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