Exit-Strategie

So sorgen CIOs für einen sauberen Abgang

Christiane Pütter ist Journalistin aus München. Sie schreibt über IT, Business und Wissenschaft. Zu ihren Auftraggebern zählen neben CIO und Computerwoche mehrere Corporate-Publishing-Magazine, vor allem im Bereich Banken/Versicherungen.
Wer seinem Nachfolger eine gut bestellte IT-Abteilung hinterlassen will, sollte einige wichtige Punkte beachten.
  • Der scheidende CIO von SAIC entwarf für den Übergang ein zweigleisiges Entscheidungsmodell, bei dem sein künftiger Nachfolger das letzte Wort hat
  • Gartner-Analystin Monika Sinha: "CIOs müssen lernen, die Anforderungen der Stakeholder und ihre persönlichen Erwartungen beim Ausscheiden aus der Firma ins Gleichgewicht zu bringen."
Verantwortung abgeben: Der "alte" CIO muss den "Neuen" briefen.
Verantwortung abgeben: Der "alte" CIO muss den "Neuen" briefen.
Foto: Dean Drobot - shutterstock.com

Alle anderthalb Jahre ein neuer Job - das ist für 30 bis 50 Prozent der CIOs fast normal, schätzen Experten von Gartner. Die Gründe sieht das Marktforschungs- und Beratungshaus in "Turbulenzen" im Zuge von DigitalisierungDigitalisierung und Disruption. Analystin Monika Sinha erklärt, wie IT-Entscheider einen sauberen Abgang schaffen und dem Nachfolger einen guten Start ermöglichen. Sinha fordert von CIOs eine qualitativ hochwertige Exit-Strategie. Alles zu Digitalisierung auf CIO.de

Zum einen müssen scheidende CIOs dafür sorgen, dass das Unternehmen und seine Marken keinen Schaden nehmen. Zum anderen wollen sie ja die Beziehung zwischen IT-Abteilung und Business nicht belasten, erklärt Sinha. Ein positives Beispiel ist Bob Fecteau, vormals CIO des US-Unternehmens SAIC (Science Applications International Corporation). Als SAIC ankündigte, Engility Holdings zu übernehmen, sah der CIO seine Tage bei dem öffentlichen IT-Dienstleister gezählt und äußerte das auch gegenüber dem CEO. Wegen der Größe der Akquisition bat der CEO den bisherigen CIO, seinem Nachfolger beratend zur Seite zu stehen. Für den Übergang erdachte Fecteau ein zweigleisiges Entscheidungsmodell, bei dem sein Nachfolger, Nathan Rogers, das letzte Wort hatte.

Fecteau selbst nennt das "egoless leadership". Ihm war auch wichtig, seine Mitarbeiter vor dem Abgang fachlich so auf den neuesten Stand zu bringen, dass sie alle Chancen hatten - im Unternehmen zu bleiben oder sich etwas Neues zu suchen.

Ein anderes Beispiel: Mike Skinner ist seit 21 Jahren CIO beim Retail Service Provider Europac. Er sucht intern nach High Potentials, um einen Nachfolger aufzubauen. IT-Chefs in vergleichbaren Situationen rät er, nicht nach einem Klon ihrer selbst zu suchen. Wer sich aus einem Job verabschiedet, sollte für das bisherige Team und den neuen Entscheider erreichbar bleiben, und zwar schon aus Eigennutz - man baut sich einen Ruf auf, der sich auf die weitere KarriereKarriere auswirkt. Deshalb rät Skinner auch, Kontakte zu Recruiting-Firmen zu knüpfen. Alles zu Karriere auf CIO.de

Fünf Ratschläge für scheidende CIOs

Jenseits solcher positiven Beispiele agieren die meisten CIOs beim Verlassen des Arbeitgebers jedoch kurzsichtig, beobachtet Gartner-Analysten Sinha. Ihre To-do-Listen reichten kaum über einige Wochen hinaus. Sie gibt scheidenden CIOs fünf Tipps mit auf den Weg:

1. Die eigene Rolle im Unternehmen verstehen: Mancher IT-Chef arbeitet an der Firmenstrategie mit, mancher beschränkt sich auf die Technologie. Wer seinen Abgang vorbereiten will, muss die eigene Position kennen.

2. Die eigene Leistung einschätzen: CIOs sollten das eigene Wirken analysieren. Dazu zählen nicht nur durchgeführte ProjekteProjekte, sondern beispielsweise auch die Erwartungen der Stakeholder an die IT. Haben sich diese Erwartungen verändert? Alles zu Projekte auf CIO.de

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3. Den Abgang zu einer "Win"-Situation für alle machen: Von einem sauberen Abgang profitiert nicht nur der scheidende CIO selbst - in dem er einen guten Ruf aufbaut und bewahrt - sondern auch sein Nachfolger und die Stakeholder im Unternehmen. Dafür hat der CIO vor dem letzten Tag folgende Punkte abzuhaken: Lernlücken identifizieren und schließen, alle Stakeholder informieren, unangenehme Entscheidungen treffen. Gerade der letzte Punkt ist Analystin Sinha besonders wichtig. Keinesfalls darf der Nachfolger schwierige Entscheidungen, die offen sind, vorfinden.

4. Verantwortung abgeben: Der "alte" CIO muss den "Neuen" briefen, welche Projekte anzugehen sind und welche Ziele bisher nicht erreicht wurden.

5. Sich zusammensetzen, reden und reflektieren: Der scheidende IT-Chef kann alle Stakeholder in einem formalen "Exit-Meeting" zusammentrommeln. Gemeinsam kann sein Wirken überdacht werden.

Sinha resümiert: "CIOs müssen lernen, die Anforderungen der Stakeholder und ihre persönlichen Erwartungen beim Ausscheiden aus der Firma ins Gleichgewicht zu bringen."

Mit Material von IDG News Services

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