600.000 DHL-Mitarbeiter sensibilisiert

Soko "Quer" wertet über 60 Hinweise auf DHL-Erpresser aus

05.12.2017
Dutzende Hinweise, mögliche Parallelen und eine genaue Spurenanalyse - die Sonderkommission für die Fahndung nach dem DHL-Erpresser arbeitet auf Hochtouren. Weitere verdächtige Pakete stellten sich bislang alle als harmlos heraus.
Die Polizei rät bei DHL-Päckchen zur Vorsicht.
Die Polizei rät bei DHL-Päckchen zur Vorsicht.
Foto: Vytautas Kielaitis - shutterstock.com

Bei der Fahndung nach dem DHLDHL-Erpresser wertet die Polizei mehr als 60 Hinweise aus der Bevölkerung aus. Eine heiße Spur zeichnete sich am Dienstag aber noch nicht ab, teilte die Polizei in Potsdam mit. Die Tipps bezögen sich sowohl auf die Packstation in Potsdam, wo ein Täter am Donnerstag die zweite Paketbombe deponierte, als auch insgesamt auf den Fall. Top-500-Firmenprofil für Deutsche Post AG

Der oder die Erpresser fordern vom Logistikkonzern DHL im Weihnachtsgeschäft einen Millionenbetrag und drohen mit weiteren Paketbomben. Am Freitag hatte ein solcher Sprengsatz am Potsdamer Weihnachtsmarkt einen Großalarm ausgelöst. Eine andere Paketbombe war schon einen Monat zuvor in Frankfurt (Oder) in Flammen aufgegangen.

Die Polizei rät den Bürgern weiterhin zur Vorsicht, wenn sie unbekannte Pakete erhalten. Im Zweifel solle der Notruf angerufen werden. Bis Dienstag hätten Bürger rund zehnmal die Polizei alarmiert, weil sie verdächtige Pakete erhalten hatten. In allen Fällen seien Inhalt und Herkunft aber ohne Einsatz von Spezialkräften geklärt worden, hieß es. Auch unerwünschte Werbepakete sorgten für Alarm.

Die mehr als 50 Mitarbeiter zählende Sonderkommission, die nach dem Namen der in Potsdam betroffenen Apotheke zunächst "Luise" genannt wurde, hatte am Montag einen neuen Namen bekommen. Sie heißt nun Soko "Quer" - in Anlehnung an QR-Codes. In der Paketbombe von Potsdam war ein Zettel mit einem QR-Code entdeckt worden, der die Forderung enthielt. QR-Codes sind Schwarz-Weiß-Bilder, die in ihrem Muster verschlüsselte Informationen enthalten, die mit einem Scanner oder auch Handy ausgelesen werden können.

Der Fall erinnert nach Angaben von Brandenburgs Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) an den Kaufhaus-Erpresser "Dagobert", der Anfang der 90er Jahre wegen trickreicher Geldübergabeversuche für viel Aufmerksamkeit gesorgt hatte. Er konnte schließlich gefasst und zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt werden. Schröter hatte die Hoffnung geäußert, den aktuellen Erpresser schneller fassen zu können.

Die 600.000 DHL-Mitarbeiter wurden wegen der Erpressung von ihrem Unternehmen sensibilisiert. Allerdings ist es nach Angaben eines Sprechers nicht möglich, die derzeit rund sieben Millionen Pakete täglich lückenlos zu prüfen. Der Bundesverband Onlinehandel hatte erklärt, wenn die Polizei den Täter rasch finde, werde es keine Beeinträchtigungen geben. (dpa/rs)

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