Strategien


Supply Chain Management

Supply-Chain-Strategie nicht zukunftsfähig

Christiane Pütter ist Journalistin aus München. Sie schreibt über IT, Business und Wissenschaft. Zu ihren Auftraggebern zählen neben CIO und Computerwoche mehrere Corporate-Publishing-Magazine, vor allem im Bereich Banken/Versicherungen.
Nur die Hälfte der Unternehmen hält seine Lieferkette für zukunftstauglich. Nicht alle Bereiche der Supply Chain sind in gleichem Maß digitalisiert. Roland Berger nennt vier Trends im Supply Chain Management.
  • 75 Prozent der Entscheider sind mit ihrer Fertigungsplanung zufrieden, mit der Bedarfsplanung lediglich 44 Prozent
  • Die vier Trends beziehen sich auf das Ablösen von kurz-, mittel- und langfristiger Planung, collaborative Planung, Scenario Planning Tools und Demand Sensing
  • Nur die Hälfte der Unternehmen glaubt, durch Digitalisierung die Lagerbestände zu verringern.

In Sachen Lieferketten-Management widersprechen sich die Verantwortlichen. Zwar erklären mehr als zwei Drittel (67 Prozent), ihre Supply Chain-Strategie funktioniere effektiv. Gleichzeitig aber hält nur die Hälfte (50 Prozent) ihre Strategie für zukunftsfähig. Das belegt die Studie "Supply Chain Planning 4.0" von Roland Berger.

Jeder vierte Lieferketten-Manager arbeitet auf C-Level.
Jeder vierte Lieferketten-Manager arbeitet auf C-Level.
Foto: Roland Berger

Die mehr als 200 Befragten verstehen sich mehrheitlich (73 Prozent) als strategischer Partner des Business. Ein Viertel (25 Prozent) ist auf dem C-Level angesiedelt.

Die Manager bewerten die einzelnen Aspekte ihrer Lieferkette derzeit sehr unterschiedlich. 75 Prozent sind mit der Fertigungsplanung zufrieden - 25 Prozent nicht (Hier erlauben die Studienautoren keine weiteren Abstufungen.) 67 Prozent sind mit Sales & Operations Planning (S&OP) zufrieden, 33 Prozent nicht. Die Bedarfsplanung bildet einen Schwachpunkt: Lediglich 44 Prozent zeigen sich zufrieden, eine Mehrheit von 56 Prozent nicht.

Roland Berger sieht hier einen Zusammenhang zur StandardisierungStandardisierung. These der Berater: Je höher der Grad an Standardisierung, desto größer die Zufriedenheit. Das heißt übertragen auf diese Stichprobe: 56 Prozent bezeichnen ihre Bedarfsplanung als "hochgradig standardisiert", bei der Fertigungsplanung gilt das für 80 Prozent. Alles zu Standardisierung auf CIO.de

Die Studie untersucht die Rolle von IT-Lösungen beim Supply Chain Planning (SCP). Wiederum eine Minderheit von 44 Prozent hält ihre aktuellen Lösungen für geeignet und wirksam. 56 Prozent tun das nicht.

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Die Befragten haben ihre Lieferkette nicht durchgängig digitalisiert. Vorreiter ist erneut die Fertigungsplanung: 56 Prozent bescheinigen sich einen "hohen Grad an DigitalisierungDigitalisierung". Beim Sales & Operations Planning gilt das für 42 Prozent und bei der Bedarfsplanung nur für 25 Prozent. Alles zu Digitalisierung auf CIO.de

Die einzelnen Bereiche der Lieferkette sind nicht in gleichem Maße digitalisiert.
Die einzelnen Bereiche der Lieferkette sind nicht in gleichem Maße digitalisiert.
Foto: Roland Berger

Wer digitalisiert, sieht nicht unbedingt große Wirkung. Zwar bestätigen 75 Prozent, dass sich Fehlmengen reduzieren lassen. 68 Prozent verringern die Anzahl kurzfristiger Planungs-Änderungen und 55 Prozent verringerten überholte Bestände. Allerdings bestätigen nur 50 Prozent, dass sich die Lagerbestände allgemein reduzieren lassen und nur 42 Prozent verbesserten die Genauigkeit ihres Forecasting.

Einer der Befragten sagte gegenüber Roland Berger: "Wir nutzen mehrere Planning-Systeme. Diese sind nicht integriert und reden nicht miteinander." Die Consultants beobachten jedoch, dass immer ausgereiftere ToolsTools auf den Markt kommen. Alles zu Tools auf CIO.de

Sie identifizieren vier Trends:

1. Durchgängiger Zeithorizont statt Silo-Denken

Die Unterteilung in Silos wie kurz-, mittel- und langfristig gilt nicht mehr als zukunftsfähig. Entscheider wollen stattdessen in einen durchgängigen Zeithorizont hinein- und herauszoomen können. Das setzt eine einzige "Source of Truth" für alle Planungs-Tools voraus. Der Nutzen besteht in mehr Transparenz, weniger Abweichungen innerhalb der verschiedenen Stakeholder-Gruppen und einer insgesamt robusteren Lieferkette, so Roland Berger.

2. Collaborative Planning innerhalb und außerhalb des Unternehmens

Nicht nur innerhalb der Firma, sondern auch außerhalb planen - hier geht es um Partner und Zulieferer - rückt die Lieferkette zusammen. Planer und Stakeholder collaborieren, wobei eine Person benannt werden sollte, die die Zusammenarbeit überwacht.

3. Scenario Planning-Tools verbessern sich

Roland Berger bescheinigt Scenario Planning Tools wachsende Reife. Die Algorithmen würden ausgefeilter und erleichterten es Unternehmen, agiler und bedarfsgerechter zu planen.

4. Der Einsatz von "Demand Sensing" steigt

"Demand Sensing" nennt sich eine Forecasting-Methode, die interne transaktionale Daten mit externen Information (zum Beispiel von Wetter-Diensten) kombiniert. Ihr Nutzungsgrad steigt, Unternehmen versprechen sich mehr Sicherheit bei kurzfristigen Planungen.

Unvorhersehbare radikale Veränderungen machen Prognosen schwer

"Neue disruptive Technologien, politische und wirtschaftliche Unsicherheiten, der Trend zu immer mehr personalisierten Produkten und andere Faktoren sorgen für unvorhersehbare radikale Veränderungen und machen Prognosen zunehmend schwer", kommentiert Sven Siepen, Partner von Roland Berger. "Unternehmen brauchen daher eine hohe Flexibilität und Anpassungsfähigkeit. Dem muss auch das Supply Chain-Planning Rechnung tragen."

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