Business casual gilt auch für Entwickler

Tipps für Informatiker im Vorstellungsgespräch

Christiane Pütter ist Journalistin aus München. Sie schreibt über IT, Business und Wissenschaft. Zu ihren Auftraggebern zählen neben CIO und Computerwoche mehrere Corporate-Publishing-Magazine, vor allem im Bereich Banken/Versicherungen.

Wie gestaltet sich der Punkt variable Gehaltsanteile?

Gerhard Humbert: Der Bewerber sollte sich auf jeden Fall danach erkundigen, welche Kriterien dem variablen Vergütungsanteil zugrunde liegen, ob zum Beispiel konkrete Projektziele, die Arbeitszeit oder allgemeine Firmenergebnisse Hauptfaktoren sind.

Muss man sagen, was man bisher verdient?

Gerhard Humbert: Nein. Das muss man nicht.

Was raten Sie in puncto Aufstiegs- und Weiterbildungsmöglichkeiten?

Gerhard Humbert: Auch das kann ein kniffliger Punkt sein. Man will dem Unternehmen ja nicht suggerieren: ich bewerbe mich auf einen Job, von dem ich möglichst schnell wieder runter will. Man muss das differenziert sehen: Ein Unternehmen, das einen Techniker sucht, will ja meistens keinen potenziellen Abteilungs- oder Projektleiter. Wer aber einen Abteilungsleiter sucht, stellt sich oft sehr wohl einen Manager "mit Biss" vor. Die Frage nach Weiterbildungsmöglichkeiten ist gut formuliert, wenn sie eine Win-Win-Situation nahelegt. Das kann beispielsweise so formuliert werden: "Welche Möglichkeiten bieten Sie mir, mich zu verbessern?"

Wenn wir die Gesprächssituation umdrehen: Was tut man, wenn man etwas Unpassendes gefragt wird?

Gerhard Humbert: Man muss nicht jede Frage beantworten. Man kann dann sagen: "Dazu möchte ich mich nicht äußern" oder "Warum wollen Sie das wissen?" Das aber bitte wohldosiert!

Informatiker sollten aktiv zuhören

Haben Sie noch spezielle Tipps für Informatiker?

Gerhard Humbert: Nach wie vor tendieren Informatiker dazu, sich sehr fachorientiert zu präsentieren. Sie setzen voraus, dass der Gesprächspartner sie versteht und Interesse an technischen Einzelheiten hat. Das kann man aber nicht immer voraussetzen. Hier gilt dann wieder: Aktiv zuhören, beobachten, ob der Gesprächspartner noch bei einem ist. Oft schweifen Informatiker ab und gehen an der Frage, die ihnen gestellt wurde, vorbei.

Haben Sie ein Beispiel dafür, wie es Informatiker besser NICHT machen sollten?

Gerhard Humbert: (lacht) Es gibt Informatiker, die sind überzeugte Linux-Fans und wollen ihre Gesprächspartner, deren Unternehmen eine Windows-Plattform hat, krampfhaft davon überzeugen. Oder sie erklären ausführlich, wie schlecht die IT des Unternehmens doch sei - des Unternehmens, bei dem sie sich gerade bewerben. Manchmal vergessen sie einfach den Kontext und reden sich mit scheinbar lockerem Geplauder um den Job. Sie machen sich nicht bewusst, dass sie in einem Vorstellungsgespräch sitzen.

Aus Ihrer Erfahrung - wie unterscheiden sich Informatiker auf Jobsuche heute von früher?

Gerhard Humbert: Da gibt es schon eine Entwicklung. Die heutigen Informatiker sind nicht mehr nur reine Technik-Freaks. Als am Anfang der 1970er-Jahre die ersten Informatik-Studiengänge entstanden, haben sie Studenten angezogen, die von den neuen Technologien begeistert waren. Heute steht schon mehr Kalkül dahinter, die Studierenden fragen sich, wo sie die größten Chancen haben. Und sie präsentieren sich heute eloquenter als früher.

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