IT-Strategietage 2021

TUI-CDO Reichart über Agilität, Flow und Recruiting

Andrea König schreibt seit 2008 für CIO.de. Die Schwerpunkte ihrer Arbeit für die CIO-Redaktion sind Themen rund um Karriere, soziale Netzwerke, die Zukunft der Arbeit und Buchtipps für Manager. Die Arbeit als freie Autorin für verschiedene Redaktionen ist mittlerweile kein Vollzeitjob mehr - hauptberuflich arbeitet sie als PR-Beraterin bei einer Hamburger Kommunikationsagentur.
Wie gelingt Enterprise Agility? TUI-CDO Elke Reichart gibt auf den Hamburger IT-Strategietagen einen Überblick.
TUI-CDO Elke Reichart auf den Hamburger IT-Strategietagen: "Sobald Reisen wieder möglich ist, wollen wir unseren Kunden Innovationen bringen."
TUI-CDO Elke Reichart auf den Hamburger IT-Strategietagen: "Sobald Reisen wieder möglich ist, wollen wir unseren Kunden Innovationen bringen."

Als "Herzschrittmacher der Unternehmensagilität" beschreibt Elke Reichart, CDO und IT-Chefin der TUI GroupTUI Group, die Rolle von CIOs bei ihrer Keynote auf den Hamburger IT-Strategietagen. Ihre Hauptmessgröße ist time-to-value: Wie lange dauert es von der Idee bis zu einem marktfähigen Produkt oder Service, für den Kunden bereitwillig zahlen und dessen Mehrwert sie erkennen? Reichart stellt drei Punkte heraus, die ihr bei der Agilität im Unternehmensumfeld besonders wichtig sind: gemeinsame Teams, ein langfristiges Ziel und Management as a Service. Top-500-Firmenprofil für TUI AG

Gemeinsame Teams

Teams, die im Touristikkonzern TUI an neuen Projekten arbeiten, bestehen gemeinsam aus IT- und Business-Kollegen und arbeiten nahtlos miteinander. Die besten Beispiele seien diejenigen Teams, bei denen sie nicht erkennen könne, wer aus der IT und wer aus dem Business komme, sagt Reichart. Sie vergleicht die Teams mit einer Fußballmannschaft, bei der jeder seine Position einnehme und die Stärke im Zusammenspiel liegt.

Gemessen werden die Resultate solcher Teams an ihrem Mehrwert für das Business. "So holen wir die IT aus der Ecke einer Support-Funktion heraus und machen sie zum Value Enabler für das Business", sagt Reichart. Für den Mehrwert gibt es auch eine Rechnung, denn bei jeder IT-Investition bei TUI wird der Business Benefit berechnet: Für jeden investierten Euro in IT muss es mindestens zwei Euro Business Benefit geben. Das habe das Mindset der IT und des gesamten Unternehmens verändert, so Reichart. Die eigentliche IT-Zeit, also die eigentliche Zeit, um neue Produkte und Services zu bauen, macht bei TUI oft nur zehn bis 20 Prozent der gesamten time-to-value Zeit aus. Eine wichtige Aufgabe sieht Reichart auch darin, die 80 bis 90 Prozent der time-to-value zu verkürzen.

Ein langfristiges Ziel

Im Oktober 2019 fand ein Strategie-Offsite statt, bei dem TUI-Mitarbeiter an ihrem sogenannten Nordstern arbeiteten. Also an einer Richtung, die sie in den kommenden zwei bis drei Jahren verfolgen wollten. Sie verfassten unter anderem einen Text, den sie nach Ablauf dieser Zeit über sich in der Zeitung lesen wollten. Der Beitrag trug die Überschrift "70.000 TUI-Mitarbeiter arbeiten von zu Hause".

Die IT gab damals Gas, setzte auf schon bestehende Prozesse und Tools auf und arbeitete an ihrem Nordstern. Damals nichtsahnend, dass nur sechs Monate später genau diese Situation eintreten würde. Innerhalb einer Woche konnten zu Beginn der Corona-Pandemie alle Mitarbeiter von zuhause arbeiten.

Management as a Service

Reichart sieht die Aufgabe von CIOs darin, bei ihren Teams für Flow zu sorgen und dann zur Stelle zu sein, wenn es Staus gibt oder Hindernisse auftreten. "Als Führungskräfte sind wir für die Teams da, wenn sie uns brauchen", so die IT-Verantwortliche. Dann müssen wir die Bottlenecks für unsere Teams beseitigen und Geschwindigkeit reinbringen.

Am aktuellen Sparkurs bei TUI leistet auch die IT ihren Anteil, sei aber weniger betroffen als andere Geschäftsbereiche, sagt Reichart. Aktuell arbeite die IT bei etwa 70 bis 80 Prozent und man habe sich gezielt angesehen, welche Projekte verschoben werden können. "Sobald Reisen wieder möglich ist, wollen wir unseren Kunden Innovationen bringen", sagt Reichart.

Die Auswirkungen der Corona-Pandemie und des ortsunabhängigeren Arbeitens sieht sie auch im Recruiting. Man sei viel flexibler und globaler bei der Auswahl der Mitarbeiter geworden. Inzwischen sei es irrelevant, wo neue Mitarbeiter arbeiten. Reichart betont gleichzeitig, wie wichtig ihr die Investition in die bestehende Mannschaft ist. Beispielsweise sei bereits die Hälfte der 1.500 IT-Mitarbeiter im Bereich Cloud-Technologien trainiert worden. Zudem habe TUI unter anderem Partnerschaften mit Udacity und Udemy abgeschlossen und ermöglicht Mitarbeitern den Erwerb von Zertifizierungen auf den Plattformen.

Zur Startseite