Strategien


Roland Berger

Unternehmen treiben Dezentralisierung voran

Christiane Pütter ist Journalistin aus München. Sie schreibt über IT, Business und Wissenschaft. Zu ihren Auftraggebern zählen neben CIO und Computerwoche mehrere Corporate-Publishing-Magazine, vor allem im Bereich Banken/Versicherungen.
Je stärker Firmen Aufgaben dezentralisieren, umso erfolgreicher entwickeln sie sich, stellt Roland Berge einer Studie fest. Firmenzentrale stehen dagegen in der Kritik, Manager werfen ihr zu geringen Einsatz von Robotik, Künstlicher Intelligenz (KI) und Big Data vor. Außerdem sorgt sie nicht für genug Vernetzung.
  • Knapp sechs von zehn Befragten (56 Prozent) erklären, dass die Bedeutung des Headquarters abnimmt
  • Jeder zweite Studienteilnehmer (50 Prozent) bestätigt, dass übergreifende Steuerungsfunktionen, die ursprünglich in die Firmenzentrale gehörten, immer stärker auf verschiedene Abteilungen übergehen
  • Die Digitale Transformation und die Macht von Innovationen haben den größten Einfluss auf die Leistung einer Unternehmenszentrale

Die klassische Unternehmenszentrale verliert an Bedeutung. So liest sich die "Corporate Headquarters Study 2018"-Studie von Roland Berger. Der Berater schreibt im Untertitel "The headquarters is dead - long live the headquarters!" Wollen sich die Zentralen behaupten, müssen sie sowohl Top Down als auch Bottom Up funktionieren, schreibt Roland Berger.

Je erfolgreicher ein Unternehmen, umso stärker bestätigt es den Trend zur Dezentralisierung.
Je erfolgreicher ein Unternehmen, umso stärker bestätigt es den Trend zur Dezentralisierung.
Foto: Roland Berger

Die Kritik an den Headquarters kreist um drei Faktoren. Demnach enttäuschen sie die knapp 330 befragten Führungskräfte aus elf Ländern vor allem in drei Punkten:

  • 1. Automation: Die Befragten schreiben dem Einsatz von Robotics und Künstlicher Intelligenz (KI) hohen Einfluss auf ihr Unternehmen zu. Auf einer Skala von Eins bis Fünf erreicht dieser Faktor einen Wert von 3,85 - in der Theorie. Faktisch liege die Nutzung aber nur bei einem Wert von 3,57. Damit klafft eine Lücke von 0,28 Zählern.

  • 2. Digital Data: Hier geht es um die Nutzung von Big DataBig Data und dem Internet of Things. Die Befragten bewerten den Einfluss dieser Technologie mit 3,93. Die tatsächliche Nutzung erreicht aber nur 3,66 Zählern, was einer Diskrepanz von 0,27 entspricht. Alles zu Big Data auf CIO.de

  • 3. Vernetzung: Zentralen müssen sich um Collaboration-Plattformen. Social Networks, Apps und Virtuelle Realität kümmern, fordern die Führungskräfte. Sie schreiben auch diesem Faktor einen Wert von 3,93 zu. Den faktischen Einsatz beziffern sie auf einen Wert von 3,72, damit bleibt eine Lücke von 0,21 Zählern.

Steuerung wird dezentralisiert, Support gebündelt

Roland Berger beobachtet denn auch einen Trend zur Dezentralisierung. Jeder zweite Studienteilnehmer (50 Prozent) bestätigt, dass übergreifende Steuerungsfunktionen, die ursprünglich in die Firmenzentrale gehörten, immer stärker auf verschiedene Abteilungen übergehen. 40 Prozent sprechen von einer geografischen Dezentralisierung. 61 Prozent geben an, dass ihr Unternehmen zunehmend Shared Services Center nutzt. Das gilt insbesondere für arbeitsintensive Unterstützungsaufgaben. All diese Punkte werden von überdurchschnittlich erfolgreichen Unternehmen besonders stark bestätigt.

Insgesamt erklären knapp sechs von zehn Befragten (56 Prozent), dass die Bedeutung des Headquarters abnimmt. 23 Prozent zeigen sich aktuell überhaupt nicht zufrieden mit ihrer Firmenzentrale.

Was Unternehmen als ihre wichtigsten Herausforderungen ansehen

Roland Berger hat erfragt, welche Entwicklungen die Leistung einer Unternehmenszentrale beeinflussen. Am Wichtigsten sind demnach die Digitale Transformation (27 Prozent) und die Macht von Innovationen (21 Prozent). Es folgen Nachhaltigkeit (15 Prozent) sowie die Globalisierung und der sogenannte "War for talent" (jeweils 14 Prozent). Nur noch acht Prozent nennen geopolitische Herausforderungen wie den Brexit. Hier hätte Roland Berger mehr Einfluss vermutet, erklärt Partner Tim Zimmermann.

Roland Berger schlägt ein Design-Modell für Unternehmenszentralen vor, dass sowohl Top Down als auch Bottom Up wirken soll.
Roland Berger schlägt ein Design-Modell für Unternehmenszentralen vor, dass sowohl Top Down als auch Bottom Up wirken soll.
Foto: Roland Berger

Top Down und Bottom Up

Laut Roland Berger sollte ein Headquarter so aufgebaut sein, dass es ebenso Top Down ins Unternehmen wirkt wie Bottom Up. Dabei umfasst Top Down, dass die Zentrale Rollen und Verantwortlichkeiten innerhalb der verschiedenen Funktionen und Services definiert. Das Headquarter kümmert sich um Governance und Steering, Consulting und Coaching, Service und Administration.

Mit der Integration von Bottom Up-Elementen sind Basic Capabilities (Reports über die unternehmerischen Aktivitäten, Managen des Portfolios, Nutzung von Synergien) und "Value-adding Capabilities" (Managen von Komplexität, Mitarbeiter finden und binden, Ermöglichen globaler Kommunikation) gemeint. Hierdurch entstehen Firmenkultur und die sogenannte DNA eines Unternehmens.

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