Führungskräfte trainieren Schreiben

Verräterische Handschrift

23.11.2009
Von Mirjam Hecking

"Ich habe immer gerne geschrieben, um meine Freundinnen mit Briefen geworben und auch Buchstaben verändert, die mir unsympathisch waren", erzählt Rauch, der beim Luxuskonzern Montblanc für den Bereich Schreibkultur verantwortlich zeichnet. "Handschrift ist Hinwendung", ist er überzeugt.

Handschriftlich verfassen heutzutage viele - wenn überhaupt - nur noch den Einkaufszettel. Statt einer Kurznotiz "pingt" man seine Kollegen per Messenger an, schreibt E-Mails statt Briefe und selbst die Telefonnummer tippt man heute meist direkt ins Handy, statt sie wie früher im Adressbuch zu notieren.

Wertschätzung in Tintenblau

Und auch persönliche Post wird immer seltener. Nur noch 7 Prozent der verschickten Briefe gehen heutzutage von privat an privat. Vor acht Jahren waren es laut Post noch 10 Prozent. Die Handschrift des Vorgesetzen, von Geschäftspartnern und Kollegen erkennen heutzutage nur noch die wenigsten.

Dementsprechend groß ist die Wirkung, wenn man zur Feder greift oder greifen lässt. Ob Pariser Prêt-à-Porter-Schauen, edle Geschäftsdinners oder die kleine, private Einladung - wer handschriftlich - womöglich professionell kalligrafiert - einlädt, ist sich der Aufmerksamkeit sicher.

"Ein handgeschriebener Brief ist nicht nur ein Brief, sondern eine postalische Wertschätzung", fasst die Wiesbadener Schriftkünstlerin Petra Beiße die Bedeutung von Handschrift zusammen. Eine Meinung, die auch der Bingener Kommunikationsberater Hasso Mansfeld vertritt, der als Autodidakt selbst Kurse anbietet. "Schrift gibt der Botschaft noch eine weitere Dimension", sagt er: "Nämlich die Form."

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