Führungskräfte trainieren Schreiben

Verräterische Handschrift

23.11.2009
Von Mirjam Hecking

Im Geschäftsbereich erlebt die Handschrift derzeit ein Revival. Immer mehr Unternehmen - von der Sparkasse zum Großkonzern - rufen ihre Mitarbeiter mittlerweile dazu auf, bei besonderen Anlässen oder Kurzmitteilungen an die Kunden selbst zum Füller zu greifen. Denn das, so die Erfahrung, schafft Vertrauen und ist ein Zeichen von Wertschätzung. "Das Medium ist die Nachricht", befand schon der Kommunikationswissenschaftler Marshall McLuhan.

Aber auch abseits professioneller Kalligrafie wächst das Interesse an Schrift. "Die Bemühungen, die eigene Schrift zu pflegen, nehmen spürbar zu", sagt Designerin Petra Beiße, die als Schriftcoach Grafiker, Werber und zunehmend auch Manager schult und regelmäßig für Großunternehmen und Verlage entwirft.

Tatsächlich sind noble Füller und hochwertige Schreibaccessoires derzeit gefragt wie lange nicht. "Gekauft werden vor allem sehr individuelle und edle Stücke", sagt Vera Marisa Schober vom Schreibwarengeschäft Bethge in Hamburg. "Es gibt ein bestimmtes Publikum, das klar differenziert. Die schreiben zwar auch E-Mails - aber privat und bei wichtigen Angelegenheiten wird wieder immer mehr der Füllfederhalter gezückt."

DAX-Chefs verlangen Spezialanfertigungen

Auch in den Chefetagen steigt das Bemühen um die eigene Handschrift. "Ich könnte Ihnen ein ganze Reihe von Dax-Chefs nennen, die zu uns gekommen sind und gefragt haben: 'Könnt Ihr mir nicht einen Füller herstellen, der mir eine charakteristische Handschrift macht'", erzählt der Montblanc-Manager.

Doch selbst der beste Füller macht aus einer Sauklaue keine gute Schrift. Und das mit dem schwungvollen eleganten Ausdruck fällt manchem alles andere als leicht. "Die Handschrift ist bei vielen verkümmert", diagnostiziert Beiße.

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