Nach der Aufspaltung nun der Neubeginn?

Versorger müssen 2017 kämpfen

29.12.2016
Schon 2016 war ein Zitterjahr für die Energiekonzerne. Den radikalen Umbauten bei Eon und RWE soll jetzt eine "grüne" Zukunft mit Ökostrom und neuen Dienstleistungen folgen. Aber können die Versorger wirklich ihre Altlasten abschütteln - und was heißt das für die Strompreise?

Es war ein Kraftakt mit noch ungewissem Ausgang: Über Börsengänge abgetrennter Konzernteile haben die Energieriesen Eon und RWE eine dringend nötige Kehrtwende eingeleitet. Gelingt den Versorgern mit Hilfe ihrer eigenständigen Öko-Sparten nun tatsächlich der Befreiungsschlag - oder kommt die schrittweise Abwendung von der Kohle- und Atomkraft viel zu spät? 2017 dürfte es für Verbraucher und die Branche ähnlich spannend bleiben.

Den Energieversorgern steht ein herausforderndes Jahr 2017 bevor.
Den Energieversorgern steht ein herausforderndes Jahr 2017 bevor.
Foto: janonkas - shutterstock.com

Zentrale Themen im Überblick:

1. Die Rettungsstrategie: Ökostrom, Netze und Services abspalten

Die "neue" Eon mit Ökostrom, Netzgeschäft und Vertrieb heißt weiter Eon - der alte Bestand vor allem mit konventionellen Kraftwerken und dem Gasgeschäft wurde dagegen in den jetzt ebenfalls börsennotierten Konzern Uniper ausgelagert. Eon verfolgt eine Konzentration auf die boomenden neuen Energien bei gleichzeitiger Verschlankung. "Unser Ziel ist es, trotz weiterer grundlegender Veränderungen die Zukunft dauerhaft zu sichern", erklärte Vorstandschef Johannes Teyssen im November.

Ähnlich machte es der Rivale RWE, wenngleich genau andersherum: Die Essener holten sich an der Börse frisches Geld für ihre Öko-Sparte Innogy, während die "alte" RWE etwa die konventionellen Anlagen verwaltet. Konzernchef Peter Terium verbreitete zum Innogy-Start auf dem Parkett im Oktober Zuversicht: "Das ist ein super, super Tag."

2. Das anhaltende Problem: Kohle und Gas verdienen nicht genug Geld

Ein hohes Angebot an Ökostrom drückt in die Netze, weshalb die Lücke zwischen den eigentlich geringen Großhandelspreisen und den Einspeisevergütungen für die Hersteller von alternativer Energie tendenziell weiter aufklafft. Das Preisniveau an den Strombörsen ist für den Verkauf insbesondere der konventionell erzeugten Elektrizität entscheidend. Die "neuen" Ökostrom-Geschäfte laufen deutlich besser.

Die Eon-Abspaltung Uniper steckte nach den ersten drei Quartalen 2016 mit minus 4,2 Milliarden Euro tief in den roten Zahlen. Das war so kurz nach der Trennung von Eon auch nicht anders erwartet worden. Der Betriebsgewinn legte auf rund 1,8 Milliarden Euro zu - jedoch vor allem wegen des Sondereffekts neu verhandelter Lieferverträge mit dem russischen Gasriesen Gazprom. Bei RWE sackte das Betriebsergebnis nach neun Monaten um knapp neun Prozent auf 2,6 Milliarden Euro ab.

3. Der Verbraucher muss vorerst weiter draufzahlen

Der Privatkunde merkt von dem Preistief an den Strombörsen kaum etwas - ganz im Gegenteil: Steigende Kosten für den Ausbau des Netzes und der erneuerbaren Energien werden auch 2017 zu einem beträchtlichen Teil über die Netzentgelte und die Ökostrom-Umlage auf ihn abgewälzt.

Rund drei Viertel des Endverbraucher-Preises entfallen auf solche Abgaben und Steuern. Im nächsten Jahr erhöht sich die Ökostrom-Umlage von 6,35 auf 6,88 Cent je Kilowattstunde, wie die Netzbetreiber 50Hertz, Amprion, Tennet und TransnetBW im Oktober festlegten. Bei den Netzentgelten ist es ähnlich. Der für Norddeutschland und Bayern zuständige Betreiber Tennet kündigte eine Erhöhung um 80 Prozent an.

Ergebnis: Nach einem Jahr 2016 fast ohne Steigerungen geht es für Millionen Haushalte beim Strompreis 2017 wohl wieder spürbar nach oben. Das ergaben Vergleiche der Preisportale Check24 und Verivox. 208 Versorger - nahezu jeder vierte Anbieter - hätten Erhöhungen um im Schnitt 3,5 Prozent angekündigt, berichtete Check24 Ende November.

4. Die Politik versucht zu helfen

2016 wurde das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) abermals novelliert. Statt einer pauschalen Subventionierung des Ökostrom-Ausbaus mit Garantiepreisen für die Einspeisung der Erzeuger wird die Förderung nun - je nach Energieträger - unterschiedlich stark gedeckelt. So sollen der Kostenanstieg und die Überhitzung beim Zubau von Windkraft-, Solar- und Biogasanlagen unter Kontrolle gebracht werden.

Künftig gibt es statt des "Gießkannen-Prinzips" Ausschreibungen. In der Regel soll dabei derjenige Erzeuger den Zuschlag erhalten, der am wenigsten staatliche Fördergelder verlangt. Auch die Ökostrom-Menge soll zwischen Überproduktion in Spitzenzeiten und Mangelversorgung bei Windstille oder bedecktem Himmel so besser gesteuert werden. Denn solange die Netze nicht hinreichend ausgebaut sind, schwankt der Beitrag der Ökoträger - mit Risiken für die Versorgungssicherheit.

5. Altlast Atomausstieg

Die beschleunigte Abwicklung der Nuklearenergie in Deutschland - nach dem Fukushima-Schock 2011 von der Regierung durchgeboxt - bleibt ein Reizthema. Weil die Konzerne auf längere Laufzeiten setzten, nahmen sie auch Investitionen in Angriff, die aus heutiger Sicht überflüssig sind. Eon, RWE und Vattenfall wollten Schadenersatz wegen Enteignung.

Anfang Dezember urteilte das Bundesverfassungsgericht überraschend: Prinzipiell haben die Energieriesen zumindest teilweise ein Recht auf Entschädigung wegen des staatlich verordneten Ausstiegs. Bis Sommer 2018 soll der Gesetzgeber klären, wie ein Ausgleich aussehen kann. Der Steuerzahler, der schon die schwer vorhersehbaren Kostenrisiken für die Atommüll-Lagerung tragen soll, muss wohl noch draufzahlen. (dpa/ad)

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